Die mit Musik unterlegten Anfangsbilder des Films zeigen ein ziemlich graues und kaltes Vorstadtmilieu, in dem die hübsche junge Blondine Laetitia (Johanna Shimkus) auf einem Autoschrottplatz nach Material für ihre künstlerische Arbeit sucht. Dort begegnet sie eines Tages Roland (Lino Ventura), der es jedoch sehr eilig hat und ihr keinen Schrott verkaufen will. Aber die neugierige und gutwillige Laetitia hat viel Zeit und bietet Roland spontan ihre Hilfe an. Zusammen begeben sich die beiden auf ein brachliegendes Gelände und installieren dort in aller Eile (den Pariser Triumphbogen simulierende) Elemente, durch die ein kleines Flugzeug fliegt, das gerade die Generalprobe für eine geheimnisvolle zukünftige Heldentat absolviert. Schließlich landet der Pilot, Manu (Alain Delon), und die drei Protagonisten stellen einander in aller Form vor. Danach bietet Manu Laetitia an, dass sie in seinem Flugzeug mitfliegen kann. Das zukünftige unzertrennliche Trio findet sich in Rolands Garage ein. Der bosselt gerade an dem Motor des Dragster-Rennwagens, mit dem er Geschwindigkeitsrekorde überbieten will. Laetitia fragt, ob sie eine Garagenecke mieten kann, um ihre Skulpturen zu schmieden.
José Giovanni
Die beiden Protagonisten Manu und Roland traten erstmals in dem Roman „Das Loch“ (1959) des Schriftstellers, Drehbuchautors und Filmregisseurs José Giovanni auf (literarische Vorlage für den 1960 gedrehten gleichnamigen Film von Jacques Becker), der autobiografischen Geschichte eines minutiös geplanten Gefängnisausbruchs. 1966 tauchten Manu und Roland wieder in Giovannis Roman „Die Abenteurer“ auf. 1965 hatten José Giovanni, Robert Enrico und Lino Ventura zusammen „Die großen Schnauzen“ gedreht, die Verfilmung von Giovannis Roman „Le haut-fer“ (1962). Der sehr erfolgreiche Film erregte die Aufmerksamkeit von Alain Delon, und gleich danach entstand der Plan zur Verfilmung der „Abenteurer“. Enrico stellte jedoch Freundschaft, Traum und Abenteuer in den Mittelpunkt, ließ die Helden keine (nicht einmal reumütige) Verbrecher sein und führte eine integre, den Männern gleichrangige Frau ein. Der Film hatte also nicht mehr viel mit dem Buch zu tun, das vor allem die merkwürdige Begegnung zwischen Manu und einer absonderlichen Frau auf Korsika erzählte. Die eigentliche Verfilmung seines Romans realisierte Giovanni dann selbst mit seinem Debütfilm als Regisseur, „Rache ist nicht nur ein Wort“ (1967). Doch die die ein Jahr zuvor herausgekommenen „Abenteurer“ (1966) stellten Giovannis Film völlig in den Schatten.
Tagträumer
In Robert Enricos „Abenteurern“ sind Roland, Manu und Laetitia quicklebendig und frisch, sinnenfreudig und gutgelaunt. Gehen ihre persönlichen Träume nicht in Erfüllung, dann machen sie kein Drama daraus. Voller Begeisterung stürzen sie sich in ein neues, gemeinsames Projekt: die Bergung eines im Meer versunkenen Schatzes vor der kongolesischen Küste. Auch dieser Traum scheitert, aber diesmal gibt es ein böses Erwachen, und die Handlung des aus drei Teilen zusammengesetzten Films geht zuletzt in eine ganz andere Richtung. Die drei Teile sind sehr unterschiedlich aufgebaut und liegen geografisch weit auseinander. Sie verbinden Heiterkeit mit Ernst und haben alle einen Moment exzentrischer Phantasie, zum Beispiel den völlig überraschenden „Stammes“-Tanz am Ende des ersten Drittels. Auch wenn sich der Traum letztlich in einen Albtraum verwandelt, so haben ihn die Helden doch ganz bewusst erlebt und ausgelebt.
Ein Freund, ein guter Freund …
Rechtschaffenheit und Sinn für Freundschaft – diese Werte der Filmhelden teilen auch Enrico und Delon sowie Giovanni und Ventura, die ihr Leben lang eng befreundet blieben. Alle haben in unterschiedlichen Kombinationen miteinander gearbeitet. Als Fünften im Bunde muss man den Komponisten François de Roubaix nennen, der Robert Enrico von Anfang an treu zur Seite stand und auch regelmäßig mit José Giovanni arbeitete (beginnend mit der Musik zu „Rache ist nicht nur ein Wort“). Diese Männer, von denen nur noch einer (Delon) am Leben ist, waren glühende Verfechter eines volkstümlichen Qualitätskino, mit dem sie ihr Publikum so gut wie möglich unterhalten wollten. Aber im Fall der „Abenteurer“ darf der Beitrag von Johanna Shimkus nicht vergessen oder unterschätzt werden: Lino Ventura und Alain Delon standen der ziemlich unerfahrenen kanadischen Schauspielerin anfangs skeptisch gegenüber. Doch Robert Enrico, unterstützt von Serge Reggiani (der in der Mitte des Films eine wichtige Rolle spielt), gelang es, sie in dem Projekt zu behalten. In der Tat erwies sie sich dank ihrer Frische, Natürlichkeit und Ausstrahlung als sehr wirkungsvoll. Enrico besetzte sie in zwei weiteren Filmen, aber kurze Zeit später beendete die schöne Johanna ihre Filmlaufbahn, um sich ganz ihrem Mann, dem Schauspieler und Regisseur Sydney Poitier, und ihren zukünftigen Kindern zu widmen. Die von ihr verkörperte Laetitia hinterließ einen nachhaltigen Eindruck, und nach ihr wurden viele kleine Mädchen benannt. Alain Delon verewigte Laetitia in seinem gleichnamigen Chanson. Die Platte kam zusammen mit dem Film heraus.
Jenny Ulrich






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