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Mission X - 29/12/04

1 - Der Longitude Act

Das Längengradproblem muss gelöst werden


Im Jahr 1707 steuerte der britische Admiral Shovell nach siegreichen Gefechten sein Geschwader auf heimatlichen Kurs. Durch schweren Herbstnebel tastete er sich seit Tagen in Richtung Ärmelkanal.

Der Admiral und seine Offiziere wähnten die Flotte in Höhe der Bretagne in sicheren Gewässern. Doch ein umsichtiger Matrose glaubte, die Schiffe laufen in Wahrheit direkt auf die berüchtigten Scilly Islands zu. Die Offiziere der Royal Navy duldeten keine Widerrede, stur setzte der Admiral seinen Kurs fort und führte seine Flotte direkt ins Verderben. Sein Schiff rammte als erstes die tückischen Felsen und sank innerhalb weniger Minuten. In dieser Nacht verlor die englische Krone vier der fünf Kriegschiffe, und die Scilly Islands wurden zum namenlosen Grab für 1.700 von Admiral Shovells Marinesoldaten. Nur wegen der Unfähigkeit, den Längengrad und damit die eigene Position genau zu bestimmen.


Fürstliches Preisgeld

Kapitäne, Kaufleute zu London und Eigner von Handelschiffen forderten die Regierung auf, endlich zu handeln: sich der Dringlichkeit des Längengradproblems anzunehmen, eine Kommission einzusetzen und Mittel zur Erforschung sicherer Lösungen bereitzustellen. Sie unterzeichneten eine Resolution, die sie dem Parlament wie einen Fehdehandschuh hinwarfen. Im Juli 1714 verabschiedete das englische Parlament eine neue Verordnung, den so genannten Longitude Act. Ein fürstliches Preisgeld wurde ausgesetzt: 20.000 Pfund für den Urheber eines Verfahrens, das die Bestimmung des Längengrads mit einer Abweichung von höchstens einem halben Grad ermöglicht.

Die königliche Sternwarte Greenwich wurde zum Sitz des "Board of Longitude". Diese Jury aus Naturwissenschaftlern, Marineoffizieren und Regierungsbeamten hatte freie Hand bei der Vergabe der Preisgelder. Sir Edmond Halley war als königlicher Astronom Mitglied der erlauchten Kommission und der berühmte Mathematiker Isaac Newton ihr einflussreichster Berater. Newton war davon überzeugt dass die Lösung des Problems alleine in der Ordnung der Gestirne zu finden sei. Er verwies auf die Jupitermonde, beschrieb astronomische Verfahren, die auf Zeiten von Mond und Sonnenfinsternis beruhen und auf die Messung der Monddistanzen, an der in der königlichen Sternwarte fieberhaft gearbeitet wurde.


Faszination Uhrwerk

Einen ganz anderen Ansatz verfolgte John Harrison. Mit Hilfe der präzisen Zeitmessung, sollte sich der Längengrad ebenso exakt bestimmen lassen. Harrison war Sohn eines Zimmermanns, von einfachem Stand doch hoher Intelligenz. Er hatte wie sein Vater das Handwerk des Tischlers gelernt, aber sein wahres Interesse galt der Mechanik. Uhrwerke sollten ihn Zeit seines Lebens faszinieren.

Schon mit 20 Jahren hatte John seine erste Pendeluhr entwickelt. Konnte die Ermittlung präziser Zeit auf See zur Bestimmung des Längengrads führen? Newton hielt nichts von solchen Ideen: keine Uhr der Welt sei in der Lage, auf See genaue Ergebnisse anzuzeigen.

© ZDF/Axel Engstfeld Filmproduktion


Erstellt: 29-12-04
Letzte Änderung: 29-12-04