Kritik: Nicolai Rohde richtet seinen Blick auf den Alltag der Menschen - ein Jahr nach der Katastrophe. 10 SEKUNDEN wirft viele Fragen auf, die nicht beantwortet werden können. Was ist Schicksal? Hätte der Fluglotse den furchtbaren Unfall verhindern können? Wieviel Schuld trägt er? Der Film beginnt mit zwei weißen Punkten, die sich langsam auf dem schwarzen Monitor aufeinander zubewegen - rundherum sind viele andere sich ebenfalls bewegende Punkte zu sehen. Irgendwann beginnen die beiden Punkte zu blinken, genau 10 Sekunden lang, doch nichts passiert, niemand ändert den Kurs. Die Punkte stehen für die Flugzeuge, die direkt aufeinander zufliegen. Das Computerprogramm hat ihre Kollision berechnet, deshalb blinken sie. Nach 10 Sekunden prallen sie aufeinander, verschmelzen zu einem.
Ein Jahr später starrt Fluglotse Markus Hofer (Wolfram Koch) noch immer die meiste Zeit vor sich hin und zerfleischt sich mit Selbstvorwürfen, dass er 83 Menschenleben auf dem Gewissen hat. Seine Frau Franziska (Marie Bäumer) hat es nicht mehr ausgehalten, sie hat eine Affäre angefangen. Erik Loth (Filip Peters) hält es auch nicht mehr aus, seit er seine Frau und seine Tochter bei dem Unglück verloren hat. Er denkt nur noch an Rache. Hat sich auf den Weg gemacht, um Selbstjustiz an dem vermeintlich Schuldigen zu üben - dem Fluglotsen Markus Hofer. Der Polizist Harald Kirchschläger war als einer der Ersten am Unfallort. Er wird die Bilder in seinem Kopf nicht mehr los. Die Flammen, die Toten, all das hat sich tief in sein Innerstes hineingefressen. Immer wieder bekommt der junge Familienvater Angstattacken, gegen die er nichts tun kann.
Nicolai Rohde erzählt drei voneinander räumlich und zeitlich getrennte Geschichten, die er am Ende des Films miteinander verknüpft. Die Technik erinnert an amerikanische Episodenfilme wie etwa L.A. CRASH, und sie funktioniert auch in diesem Fall genauso gut. Ein wenig irritierend ist es dennoch, dass der Charakter des Fluglotsen Markus Hofer relativ blass bleibt, während die Affäre seiner Frau viel Raum innerhalb des Films bekommt. Vielleicht liegt dies daran, dass Markus sich seit dem Unglück so schuldig fühlt, dass er ohnehin wie ein Gespenst durch sein Leben geistert. Nichts ist mehr wie es einmal war, wie man in einer späten Rückblende in die Vergangenheit des jungen, einst sehr glücklichen und unbeschwerten Paares erkennen kann. Das luftige schöne Haus ist das Gleiche geblieben, nur das einst so freudige Leben darin ist der totalen Resignation und Freudlosigkeit gewichen.
Erik Loth erschießt den Fluglotsen, vollbringt damit seine Rache und fährt an den Unglücksort im Wald. Das unkonventionelle Mädchen (Hannah Herzsprung), das er in der Nacht zuvor kennen gelernt hat und das ihn begleitet, wendet sich erschreckt von ihm ab, als sie die tiefe Leere und den Tod in ihm spürt. Er bleibt allein im Wald zurück.

Deutschland 2008, 90 Min.
Regie: Nicolai Rohde
Mit Marie Bäumer, Sebastian Blomberg, Filip Peeters, Hannah Herzsprung, Wolfram Koch
ARTE-Koproduktion

Nana A.T. Rebhan






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