Schriftgröße: + -
Home > Film erleben > Kino-News > Kinostart 1. Oktober 2008 > 10 Sekunden

Kino-News

Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

Kino-News

Kinostart 02. Oktober 2008 - 30/09/08

10 Sekunden

Ein Film von Nicolai Rohde


( Arte Bewertung: 3 ) Die innere Katastrophe bewältigen. Eine ARTE-Koproduktion

Previous imageNext image
Synopsis: Zwei Flugzeuge kollidieren, 83 Menschen sterben. Ein Jahr später: Der verantwortliche Fluglotse, der den Unfall nicht verhindern konnte, seine Frau, ein Polizist, der Mann eines Opfers: Sie alle versuchen mit den Folgen dieses Unglücks klar zu kommen in ihrem Alltag. Doch nichts ist, wie es einmal war.

Kritik: Nicolai Rohde richtet seinen Blick auf den Alltag der Menschen - ein Jahr nach der Katastrophe. 10 SEKUNDEN wirft viele Fragen auf, die nicht beantwortet werden können. Was ist Schicksal? Hätte der Fluglotse den furchtbaren Unfall verhindern können? Wieviel Schuld trägt er? Der Film beginnt mit zwei weißen Punkten, die sich langsam auf dem schwarzen Monitor aufeinander zubewegen - rundherum sind viele andere sich ebenfalls bewegende Punkte zu sehen. Irgendwann beginnen die beiden Punkte zu blinken, genau 10 Sekunden lang, doch nichts passiert, niemand ändert den Kurs. Die Punkte stehen für die Flugzeuge, die direkt aufeinander zufliegen. Das Computerprogramm hat ihre Kollision berechnet, deshalb blinken sie. Nach 10 Sekunden prallen sie aufeinander, verschmelzen zu einem.

Ein Jahr später starrt Fluglotse Markus Hofer (Wolfram Koch) noch immer die meiste Zeit vor sich hin und zerfleischt sich mit Selbstvorwürfen, dass er 83 Menschenleben auf dem Gewissen hat. Seine Frau Franziska (Marie Bäumer) hat es nicht mehr ausgehalten, sie hat eine Affäre angefangen. Erik Loth (Filip Peters) hält es auch nicht mehr aus, seit er seine Frau und seine Tochter bei dem Unglück verloren hat. Er denkt nur noch an Rache. Hat sich auf den Weg gemacht, um Selbstjustiz an dem vermeintlich Schuldigen zu üben - dem Fluglotsen Markus Hofer. Der Polizist Harald Kirchschläger war als einer der Ersten am Unfallort. Er wird die Bilder in seinem Kopf nicht mehr los. Die Flammen, die Toten, all das hat sich tief in sein Innerstes hineingefressen. Immer wieder bekommt der junge Familienvater Angstattacken, gegen die er nichts tun kann.

Nicolai Rohde erzählt drei voneinander räumlich und zeitlich getrennte Geschichten, die er am Ende des Films miteinander verknüpft. Die Technik erinnert an amerikanische Episodenfilme wie etwa L.A. CRASH, und sie funktioniert auch in diesem Fall genauso gut. Ein wenig irritierend ist es dennoch, dass der Charakter des Fluglotsen Markus Hofer relativ blass bleibt, während die Affäre seiner Frau viel Raum innerhalb des Films bekommt. Vielleicht liegt dies daran, dass Markus sich seit dem Unglück so schuldig fühlt, dass er ohnehin wie ein Gespenst durch sein Leben geistert. Nichts ist mehr wie es einmal war, wie man in einer späten Rückblende in die Vergangenheit des jungen, einst sehr glücklichen und unbeschwerten Paares erkennen kann. Das luftige schöne Haus ist das Gleiche geblieben, nur das einst so freudige Leben darin ist der totalen Resignation und Freudlosigkeit gewichen.

Erik Loth erschießt den Fluglotsen, vollbringt damit seine Rache und fährt an den Unglücksort im Wald. Das unkonventionelle Mädchen (Hannah Herzsprung), das er in der Nacht zuvor kennen gelernt hat und das ihn begleitet, wendet sich erschreckt von ihm ab, als sie die tiefe Leere und den Tod in ihm spürt. Er bleibt allein im Wald zurück.

"10 Sekunden"
Deutschland 2008, 90 Min.
Regie: Nicolai Rohde
Mit Marie Bäumer, Sebastian Blomberg, Filip Peeters, Hannah Herzsprung, Wolfram Koch
ARTE-Koproduktion
Kameramann Hannes Hubach findet starke, ausdrucksvolle Bilder, die die intendierte Wirkung des Regisseurs zu verstärken wissen. Mal will Rohde den Zuschauer ganz nah an seine Figuren heranführen, dann will er sie wieder eine Distanz spüren lassen. Irgendetwas - das sich nicht fassen lässt - scheint die Charaktere durch ihren trostlosen Alltag zu begleiten. Vielleicht sind das die Seelen der Verstorbenen, denen der Abschied genauso schwer fällt wie den Lebenden. Spannend, dass 10 SEKUNDEN es wagt, diese zusätzliche Ebene einzuführen. Noch besser wäre es gewesen, wenn er seinen ruhigen starken Momenten noch mehr vertraut und diese nicht mit zuviel Musik zugekleistert hätte. Dennoch gelingt Nicolai Rohde mit 10 SEKUNDEN ein bewegendes Drama, das sich herkömmlichen Erzählkonventionen entzieht und Neues wagt.

Nana A.T. Rebhan

Erstellt: 25-09-08
Letzte Änderung: 30-09-08