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17/04/2007 - Strange Music - 28/08/08

1000 Nadelstiche

Folge 11: Beat & Pop. Folge 12: Folk


Ella Fitzgerald, The Beatles und Charles Aznavour haben es getan. Selbst Frank Zappa, The Supremes und David Bowie, um nur ein paar wenige zu nennen. Man mag es kaum glauben, aber all diese Sänger haben tatsächlich auch auf deutsch gesungen.

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Zumindest könnte man überspitzt sagen, dass es ihnen ein Versuch wert war. Eine Ausnahme bilden Elvis und Johnny Cash, denn sie konnten auf ihnen vertraute Silben zurückgreifen, die sie während ihrer deutschen Militärzeit gelernt haben. Derweil gleichen die Anstrengungen der meisten angloamerikanischen Interpreten, der deutschen Sprache habhaft zu werden, einem Hals-über-Kopf-Köpper ins kalte Wasser. So holpert und poltert es gehörig in der Aussprache, und manche Textzeile lässt sich zum Teil nur erahnen. Allein die hinterhältigen Umlaute, die „ä“, „ö“ und „ü“, oder die heiklen „s“- und „sch“-Laute stellen den Neusprachlern wider Willen, so manches fieses Bein.

„1000 Nadelstiche“ hat das feine Bear Family Records Label seine Kompilationsreihe genannt, auf der seit Jahren all die raren und äußerst unterhaltsamen Phonetikkapriziösen von US-Amerikaner und Briten zusammengetragen werden. Mit den beiden aktuellen Veröffentlichungen „Folk“ und „Beat & Pop“ ist nun das unterhaltsame Dutzend voll. Ein Großteil der Veröffentlichungen stammt aus der Zeit von 1955 bis 1975, als internationale Labels forciert versuchten, auf diese Weise ihre Interpreten auf dem deutschen Musikmarkt zu etablieren. Ein absonderliches Unterfangen, singen doch gerade deutsche Musiker von damals wie heute bevorzugt in der englischen Sprache, selbst auf die Gefahr hin, dass der Schuss nach hinten los geht. Wie die Musikgeschichte zeigt, kann eine fremde Sprache sogar hervorragende Sänger und Sängerinnen kläglich scheitern lassen. Ein Beispiel dafür ist Nina Simones Interpretation von Jacques Brels „Ne me quitte pas“. Ohne die Sprache und die Bedeutung einzelner Worte zu kennen, passiert es, dass man bei der Betonung falsche Akzente setzt, so dass die Intention des Textes verfremdet wird. So rufen die Songs der „1000 Nadelstiche“ zwar keine schwerwiegende Verletzungen beim Hörer hervor, aber auf die Dauer können sie doch ganz schön pieksen.

 

Das Buch zu 1000 Nadelstiche
„1000 Nadelstiche. Internationale Popsongs. Amerikaner und Briten singen deutsch (1955-1975)
Bear Family Records

Das Buch zur gleichnamigen Samplerreihe „1000 Nadelstiche“ ist ein aufschlussreiches und wunderbar unterhaltsames Kuriositätenkabinett der Popmusik. Man erfährt nicht nur wer, wann, welches Lied und warum auf Deutsch interpretiert hat. Darüber hinaus werden auf besondere Stilblüten hingewiesen, wie die deutsch-englischen Titel „Little bittle Mondenschein“ von Connie Froboess oder „My Boy ist nicht treu“ von Grit Kaestel. Wunderbar sind auch die windigen Übersetzungen der Originaltexte. So wandelt sich „I Walk The Line“ von Johnny Cash in “Wer kennt den Weg?” und „Needles and Pins“ von den Searchers in den Namenspatron der Reihe, in die „1000 Nadelstiche“. Nach der anregenden Lektüre verspürt man große Lust die Singles der Eltern nach „Nadelstichen“ durchzuwühlen oder sie auf Flohmärkten ausfindig zu machen. Es geht aber auch einfacher, indem man auf die oben besprochenen Kompilationen von Bear Family Records zurückgreift.


Matthias Schneider
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V.A.
“1000 Nadelstiche. Folge 11: Beat & Pop“
„1000 Nadelstiche. Folge 12: Folk“
beide Bear Family Records / PMS / Gilbert Gac

www.bear-family.de

Erstellt: 16-04-07
Letzte Änderung: 28-08-08


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