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Cannes 2008

Verfolgen Sie auf ARTE und arte.tv das Geschehen rund um das weltweit bedeutendste und glamouröseste Filmfestival!

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Cannes 2008 - Edito vom 16. Mai - 29/08/08

1000 Pinguine knipsen einen Pandabären

Gestern Abend lief sie Amok, die Smoking tragende Fotografenmeute, links und rechts in Hundertschaften um den Roten Teppich drapiert, um Superstars aus Hollywood vor die Linse zu bekommen. Dabei sind die hochschwangere Angelica Jolie samt Ehemann Brad Pitt mit Marine-Haarschnitt, Dustin Hoffmann und Jack Black in diesem Jahr vor allem nach Cannes gekommen, weil sie mit ihren Synchronstimmen einen Animationsfilm über einen Kung Fu besessenen Pandabären veredelt haben. Hier auf der Croisette dürfen sie nun sein dreidimensionales Alter Ego auf dem Roten Teppich umrahmen. So erhält Studioriese Paramount den gewünschten Werbeeffekt und Cannes die Bestätigung, unangetastet das glamouröseste Festival der Welt zu sein. Dagegen ist es um das Arthouse-Kino in den großen Studios schlechter denn je bestellt: Time Warner hat gerade seine Independent-Kino-Filiale ‚Warner Independent’ geschlossen, weil der aufgekaufte Konkurrent ‚New Line Cinema’ fortan dieses Aufgabenfeld bestellen soll. Dass Warner mit diesem Schachzug viel Geld spart, ist sicher, ob sich die Qualität seiner Filme damit erhört, nicht.

In Cannes ist dagegen das Autoren-Kino voller Ernst bei der Sache und um filmische Erneuerung bemüht wie immer: Ob mit „Vier Nächte mit Anna“ des polnischen Regie-Urgesteins Jerzy Skolimowski – ein in der Nebenreihe ‚Quinzaine des Réalisateurs’ laufender Film über eine geistig zurückgebliebene Krankenhaus-Hilfskraft, die Zeuge einer Vergewaltigung wird und sich in das Opfer verliebt; ob mit Leonora des Argentiniers Pablo Trapero, in dessen Zentrum eine wegen Mordes verurteilten Frau steht, die ihr Kind im Gefängnis aufzieht. Oder mit dem Episodenfilm „Tokyo“, in dem die drei Regisseure Michel Gondry, Leos Carax und Bong Joon-ho auf sehr amüsante Art und Weise Geschichten aus der Metropole Tokyo erzählen (herausragend: Leos Carax’ Episode „Merde“) und dabei doch ganz sie selbst sie selbst sind. Schließlich Nuri Bilge Ceylan mit seinem neuen Werk Les Trois Singes, ein Drama, mit dem er wieder einmal sein Hauptthema variiert- Entfremdung und Sinnsuche in der modernen türkischen Gesellschaft.

Martin Rosefeldt

Erstellt: 16-05-08
Letzte Änderung: 29-08-08