Keine Aufstiegschancen
Doch sein Held Aurelio Zen scheint zunächst zu gar nichts imstande. In Dibdins zehntem Roman hat Zen auf der Karriereleiter die Stufe des Vice-Questore erreicht. Aber wie immer steht er kurz vor dem Absturz. Diesmal ist es seine Gesundheit. Bei seinem ersten Auftritt finden wir ihn leidend auf dem Sofa liegen, geplagt von konfusen Schmerzen im Unterleib, die sich inzwischen sehrzum Verdruss seiner Geliebten Gemma auf den ganzen Mann ausgedehnt haben. „Wenn es nicht Rückenschmerzen waren, waren es Zahnschmerzen. Hatten diese Beschwerden den Reiz des Neuen verloren, behauptete er, unter furchtbarer Migräne zu leiden, die ihn nicht schlafen ließ, so dass er sich völlig erschöpft, verwirrt und deprimiert fühlte. Ständig redete er von seinen Gefühlen. Er konnte nicht klar denken, sich an nichts erinnern, und ganz gewiss konnte er nicht in seinen Job zurückkehren.“ Und doch ist es der Job, der den Moribunden wieder aufrichtet. Er soll in Bologna im Auftrag des Innenministeriums nach dem Rechten sehen. Schließlich ist es keine Kleinigkeit, wenn ein so einflussreicher und damit korrupter Mann wie der Milchindustrielle und Fußballclubbesitzer Lorenzo Curti mit einem Parmesanmesser in der Brust tot aufgefunden wird.
Verworrene Ermittlungen
Und so kehrt Zen an den Ort zurück, in dem seine Karriere begann. (Der englische Titel „Back to Bologna“ spielt darauf an.) Was damals doppelter Ernst war – der Kampf gegen linke und rechte Terroristen, die ersten Schritte als junger Polizeibeamter – ist jetzt die pure Burleske. Ein nichtsnutziger Advokatensohn, eine vorgeblich aus „Ruritanien“ illegal eingewanderte Schöne und ein gekränkter Rhetorikstudent bringen alles durcheinander. Die Bologneser Polizei hält den Beobachter aus allem raus, was diesen natürlich erst recht dazu verleitet, die Spuren zu untersuchen, die offiziell nicht verfolgt werden.
Unter anderem stößt Zen auf eine junge Frau, die ein Buch mit dem Titel „Der Gefangene von Zen“ liest, und muss der
verzwickten Frage nachgehen, wieso im Hintern des eitlen Semiotikprofessors Edgardo Ugo eine Kugelaus der Waffe steckt, mit der auch der Milch- und Fußball-Mogul niedergestreckt wurde. (Übrigens kann Edgardo Ugo trotz allen äußeren Anscheins nicht mit Umberto Eco verwechselt werden – dieser wird einmal wohlwollend als Ugos Kollege zitiert.)„Tod auf der Piazza“ hat zwar mit einem Tod auf einer Piazza nichts zu tun. Da ist irgendeinem Lektor auf der Suche nach einem deutschen Titel für etwas Italienisches halt eine Pizza oder Piazza eingefallen.
Aber auch das gehört zu dem großen Spaß, in dem Dibdin vortrefflich, witzig, intelligent und mit viel Spott die allerheiligste italienische Kuh, die männliche Eitelkeit, attackiert. Ohne sie auch nur im Geringsten zu ritzen.









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