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Kino-News

Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

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Kinostart 12. Juni 2008 - 17/06/08

Eisenfresser

Ein Film von Shaheen Dill-Riaz


Harte Arbeit in Bangladesh

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Deutschland, 2007, 85 Min.
Buch und Regie: Shaheen Dill-Riaz
Mit den Arbeitern der PHP-Werft

Synopsis: Am weißen Strand von Chittagong, in der Nähe von Bangladesh, hat das Paradies ein für allemal seine Unschuld verloren. Hier werden riesige ausgemusterte Tanker und Containerschiffe aus westlichen Nationen von Tausenden von Arbeitern mit minimalem Werkzeug zerlegt. Die Menschen arbeiten unter lebensgefährlichen Bedingungen. Trotz ihrer zähen Arbeit verstricken sie sich oft in einer perfiden Schuldenfalle.

Kritik: Shaheen Dill-Riaz wuchs in einem Dorf ganz in der Nähe von Chittagong auf. Der Zutritt zu den Werften war für Kinder strengstens verboten. Sie kannten nur die schlimmen Geschichten, die die Arbeiter über lebensgefährliche und teils tödliche Arbeitsunfälle zu berichten wussten. Jetzt, mit Ende dreißig, kehrt der in Deutschland an der Filmhochschule ausgebildete Regisseur und Kameramann zurück in seine Heimat, um die No-Go-Area von damals genauestens unter die Lupe zu nehmen.

Den Reiz von EISENFRESSER machen die Kontraste aus, zwischen den auf 16mm gedrehten totalen Aufnahmen der riesigen Ozeanwracks und der Nähe, die er zu den Arbeitern der Werft aufbaut. Shaheen Dill-Riaz hat selbst die Kamera übernommen. Hautnah zeigt er die Plackerei der Menschen, die mindestens acht Stunden pro Tag knietief im Brackwasser stehen, einem Gemisch aus Sand, Öl und Splittern. Manchmal reißen die schweren Drahtseile, mit denen die alten Schiffe von Dutzenden von Arbeitern mühsam an den Strand gezogen werden - Unfälle sind an der Tagesordnung.

"Lohakhor" werden sie genannt, die Arbeiter, was soviel heißt wie "Eisenfresser". Sie kommen als Saisonarbeiter aus dem Norden, dort herrscht Hungersnot. Sie arbeiten unter schwersten Bedingungen extrem hart für wenig Geld. Am Ende der Saison haben sie sich dennoch oft schwer verschuldet. Sie wohnen in Unterkünften der Werft und beziehen ihre Nahrung von Lebensmittelhändlern, die mit der Werft zusammenarbeiten. Der Lohn wird sehr spät ausgezahlt, und alle "Schulden" werden vorher abgezogen. Oft bleibt nicht einmal genug Geld für ein Rückfahrticket in den Norden.

Shaheen Dill-Riaz will mit EISENFRESSER vor allem das ausgeklügelte, menschenverachtende System anprangern: "Die unglaublichen Arbeitsbedingungen, die man in dem Film sieht, waren dabei nicht die größte Überraschung für mich, sondern die Verwaltungsstruktur, die die Menschen in eine oft tödliche Schuldenfalle treibt. Noch erschreckender ist für mich die Tatsache, dass die Regeln dieses ausbeuterischen Systems auf den Grundelementen des Wirtschaftssystems basieren, in dem wir alle leben. EISENFRESSER zeigt, wohin das führen kann.

Fünf Monate hat Shaheen Dill-Riaz dicht an dicht mit den Arbeitern gelebt und gefilmt. Die Einwohner von Chittagong übernehmen dabei die besseren und ungefährlicheren Arbeiten, während die Wanderarbeiter aus dem Norden sich mit den Aufgaben begnügen müssen, die übrig bleiben. Zu Beginn der Dreharbeiten fragte der Regisseur den Schweißer Osman: "Warum sterben hier dauernd Menschen?" "Damit ihr merkt, dass wir noch nicht tot sind," antwortet dieser. Ohne es zu wissen, zitiert er damit einen Satz des bengalischen Dichters Tagore.

Shaheen Dill-Riaz will mit seinem Film den ungezählten Arbeitern und Opfern seinen Respekt erweisen. Menschen, die seit mehr als vier Jahrzehnte den Schrott der westlichen Industrienationen schlachten. Shaheen Dill-Riaz: "Diese Menschen haben es verdient, mit etwas Respekt behandelt zu werden. Wir haben alle die Verantwortung, ihre Rechte zu sichern. Mit diesem Film hat unser Team versucht, dem Publikum die Realität dieser Arbeitswelt und dieser Arbeiter näherzubringen." Der Name der Werft, „PHP“ steht übrigens zynischerweise für „Peace, Happiness and Prosperity“ – Werten, von denen die Arbeiter selbst nur träumen können.

Nana A.T. Rebhan

Erstellt: 10-06-08
Letzte Änderung: 17-06-08