Ein Heer von 300.000 Mann verteidigt die Grenzen des Reiches. Kaiser und Senat als oberste Regierungsorgane sorgen für das Wohl seiner 60 Millionen Bewohner. Im Laufe der Jahrhunderte ist ein geschlossener Wirtschaftsraum von ca. 3,5 Millionen Quadratkilometern entstanden: ohne Zollschranken im Innern, mit annähernd gleichen Rechten für alle frei geborenen Bürger und einer Justiz, die für Gerechtigkeit sorgt und das Eigentum schützt. Überall im Reich herrscht der „Pax Romana“ genannte Frieden.

Reihe auf ARTE:
ROM – NIEDERGANG EINER WELTMACHT
Herrscher von Heeres Gnaden (1)
Samstag · 16. Mai · 21.00
Das Ende des Weströmischen Reichs (2)
Samstag · 23. Mai · 21.00

Eine Stadt für die Barbaren. Das Römische Reich ist eine Kultur der Städte. Von ihnen geht die Zivilisierung der eroberten Landstriche aus. Der römische Historiker Tacitus hat treffend beschrieben, welchen Effekt Städte auf „barbarische, leicht zu kriegerischen Unternehmungen neigende Menschen“ hatten: Waren sie einmal ihren „verlockenden Lastern, Säulenhallen, Bädern und erlesenen Gastmählern“ erlegen, wollten sie nicht mehr darauf verzichten und wurden friedlich. Selbst die Barbaren finden sich leicht in jeder Stadt zurecht, da fast alle nach dem gleichen Schema erbaut sind. Exakt rechtwinklig angelegte Straßen schneiden sich und bilden im Zentrum ein Ensemble immer gleicher Gebäude: Das Forum, um die Bürgerschaft zu versammeln, die Basilika, eine mehrstöckige Halle, in der Händler ihre Waren anpreisen und Gericht gehalten wird, das Rathaus sowie die Tempel verschiedener Gottheiten.

Buchtipps:
„Die Varusschlacht. Rom und die Germanen“, Ralf-Peter Märtin, S. Fischer 2008
Rezension von Tobias Gohlis
„Imperium Romanum. Geschichte der römischen Provinzen“, Eckhard Meyer-Zwiffelhoffer, C.H. Beck 2009


Imperium – Konflikt – Mythos
2000 Jahre Varusschlacht
16. 5. – 25. 5. 2009
Drei Ausstellungen beleuchten die Varusschlacht und ihre Folgen. Ausstellungsbericht
Imperium: Seestadthalle und LWL-Römermuseum, Haltern am See
Konflikt:
Museum und Park Kalkriese
Mythos:
Lippisches Landesmuseum Detmold

Eine Krise für die Globalisierung. Ein exzellentes Verkehrssystem erleichtert Handel, Reisen und natürlich auch das Verschieben von Truppen. In der Blütezeit des Reiches, Ende des zweiten nachchristlichen Jahrhunderts, verfügt das Imperium über 100.000 Kilometer geschotterter oder gepflasterter Straßen. Eine Leistung, die erst wieder im 19. Jahrhundert erreicht werden sollte. Umgekehrt wirken sich Probleme wie die von einigen Kaisern vorgenommene sogenannte Münzverschlechterung im ganzen Imperium aus. So sinkt beispielsweise der Silbergehalt des Denars in 150 Jahren um 85 Prozent und dementsprechend steigen die Preise. Heute nennen wir dieses Phänomen Inflation. Im Lauf der Jahrhunderte verschwindet in vielen Gegenden der einzige antike Energiespender, das Holz, da man große Mengen zum Heizen der Thermen und zum Brennen von Holzkohle für die Metallgewinnung benötigt. Ebenso ist es der Baustoff für die römischen Kriegs- und Handelsflotten. Da man nicht aufforstet, sogar noch Ziegen und Schafe in die Rodungen treibt, verkarsten weite Flächen. Ungelöst bleibt auch das Problem des beständigen Einwanderungsdrucks. Das Römische Reich stellt für die außerhalb seiner Grenzen wohnenden Völker einen Kontinent des Wohlstands und der Ordnung dar. An diesem Reichtum wollen sie teilhaben – und sei es mit Gewalt. Roms Integrationskraft ist indessen begrenzt. Kleinere Einwanderergruppen lassen sich aufnehmen, ganze Stämme nicht. Die Politik der Abwehr durchzuhalten, erfordert immer größere militärische Anstrengungen, ihnen folgen unweigerlich Steuererhöhungen. Das Ende des Reiches beginnt, als die Bevölkerung die römischen Finanzbeamten mehr fürchtet als die eindringenden Barbaren.
GASTAUTOR RALF-PETER MÄRTIN IST BUCHAUTOR UND SCHREIBT U. A. FÜR „GEO“ UND „DIE ZEIT“
Der Anfang vom Ende. Caesar und die "germanische Gefahr"
Erst der von Caesar konstruierte römisch-germanische Gegensatz wird schließlich zum Untergang des bereits siechen Römischen Reiches beitragen. Der Vater aller Kaiser hatte die Büchse der Pandora Roms geöffnet.
Ein Artikel von Alexander Hogh









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