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Geschichte auf ARTE

13/05/09

Alle Wege führen nach Rom

Das Römische Reich vereinte viele Völker durch Sprache und Kultur, Wirtschaft und Währung. Rückblick auf ein Weltreich, das nicht nur Vorreiter Europas, sondern auch der Globalisierung war.

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Vor 2.000 Jahren beherrscht das Imperium Romanum die damals bekannte Welt. Vom Atlantik bis zum Euphrat, von der Sahara bis an Rhein und Donau erstreckt sich das Reich der Römer, das länger bestand als alle anderen Reiche. Es ist ein Staatsgebilde, das durchaus als Vorläufer der Europäischen Gemeinschaft gelten kann. Sein Rechtssystem ist die Grundlage des unsrigen, seine politische Form, die Republik, wird zum Vorbild für die modernen Nationalstaaten, auf den Fundamenten seiner Straßen entstanden unsere Autobahnen.

Ein Heer von 300.000 Mann verteidigt die Grenzen des Reiches. Kaiser und Senat als oberste Regierungsorgane sorgen für das Wohl seiner 60 Millionen Bewohner. Im Laufe der Jahrhunderte ist ein geschlossener Wirtschaftsraum von ca. 3,5 Millionen Quadratkilometern entstanden: ohne Zollschranken im Innern, mit annähernd gleichen Rechten für alle frei geborenen Bürger und einer Justiz, die für Gerechtigkeit sorgt und das Eigentum schützt. Überall im Reich herrscht der „Pax Romana“ genannte Frieden.


Reihe auf ARTE:

ROM – NIEDERGANG EINER WELTMACHT

Herrscher von Heeres Gnaden (1)
Samstag · 16. Mai · 21.00

Das Ende des Weströmischen Reichs (2)
Samstag · 23. Mai · 21.00
Ein paradiesischer Zustand, der die Voraussetzung für einen beispiellosen Wirtschaftsaufschwung ist. Egal, ob man sich im spanischen Carthago Nova (Cartagena) oder im rumänischen Apulum (Alba Iulia) aufhält – überall wird das Geld, der goldene Aureus oder der silberne Denar, mit den Porträts des jeweiligen Kaisers akzeptiert. Sogar in den Barbarenländern jenseits der Grenzen ist die römische Währung begehrt und dient als Tausch- und Zahlungsmittel. Neben dem im ganzen Imperium einheitlichen Geld gibt es eine reichsweit verbindliche Sprache. Zwar existieren überall die lokalen Idiome und Dialekte weiter, doch die offizielle Amts- und Schriftsprache ist Latein. Wer in den Staatsdienst eintreten will, ob in Verwaltung oder Armee, muss sie beherrschen.

Eine Stadt für die Barbaren. Das Römische Reich ist eine Kultur der Städte. Von ihnen geht die Zivilisierung der eroberten Landstriche aus. Der römische Historiker Tacitus hat treffend beschrieben, welchen Effekt Städte auf „barbarische, leicht zu kriegerischen Unternehmungen neigende Menschen“ hatten: Waren sie einmal ihren „verlockenden Lastern, Säulenhallen, Bädern und erlesenen Gastmählern“ erlegen, wollten sie nicht mehr darauf verzichten und wurden friedlich. Selbst die Barbaren finden sich leicht in jeder Stadt zurecht, da fast alle nach dem gleichen Schema erbaut sind. Exakt rechtwinklig angelegte Straßen schneiden sich und bilden im Zentrum ein Ensemble immer gleicher Gebäude: Das Forum, um die Bürgerschaft zu versammeln, die Basilika, eine mehrstöckige Halle, in der Händler ihre Waren anpreisen und Gericht gehalten wird, das Rathaus sowie die Tempel verschiedener Gottheiten.

Buchtipps:

„Die Varusschlacht. Rom und die Germanen“, Ralf-Peter Märtin, S. Fischer 2008
Rezension von Tobias Gohlis

„Imperium Romanum. Geschichte der römischen Provinzen“, Eckhard Meyer-Zwiffelhoffer, C.H. Beck 2009
Eine Kultur für die Massen. Attraktiv werden die bis zu einer Million Einwohner zählenden Metropolen durch ihr kulturelles Angebot. Jede Kommune sorgt für die Unterhaltung ihrer Bürger und erbaut dafür Theater. In den halbrunden werden die klassischen Dramen der Griechen und Römer gepflegt oder belustigen derbe Komödien das Publikum. In den geschlossenen Amphitheatern geht es dagegen blutig zu. Gladiatorenkämpfe, öffentliche Hinrichtungen und Tierhetzjagden ziehen Tausende von Zuschauern an. Agenturen sorgen für die Vermarktung der Schauspieler, Gladiatoren und Wagenlenker. Tourneen führen sie durch die Provinzen. Wie heute existiert ein ausgesprochener Starkult, drängen die Massen zu ihren Idolen. Zudem wetteifert jede Stadt um die schönsten und prächtigsten Thermen, die gleichsam kulturelle und politische Orte darstellen. Sie sind Sauna, Massagesalon und Treffpunkt zugleich. Geschäftsleute besprechen dort bei einer Schale Wein ihre Verträge, Politiker diskutieren ihre Programme. Sei es in Architektur, Kultur oder Gastronomie – der Transfer von Wissen ist ein ungeheurer Vorteil des Römischen Reiches. Davon profitieren gerade die weniger entwickelten Gebiete. So verbessern bislang fremde Gewürze wie Koriander, Kümmel und Pfeffer den Geschmack der Gerichte. Das Geschenk der Götter, der Wein, gelangt erst durch die Römer in die westlichen Provinzen. Umgekehrt beginnt man in Italien, Möhren und geräucherten Schinken zu schätzen. In allen Provinzen wird es schick, auf römische Art zu kochen. Die traditionelle Küche hat es angesichts der neuen Gaumenfreuden schwer. Im eroberten Gallien verschwindet beispielsweise das vorher beliebte Hundefleisch vollständig vom Speisezettel.


Imperium – Konflikt – Mythos

2000 Jahre Varusschlacht
16. 5. – 25. 5. 2009

Drei Ausstellungen beleuchten die Varusschlacht und ihre Folgen. Ausstellungsbericht


Imperium: Seestadthalle und LWL-Römermuseum, Haltern am See

Konflikt:
Museum und Park Kalkriese

Mythos:
Lippisches Landesmuseum Detmold

Eine Krise für die Globalisierung. Ein exzellentes Verkehrssystem erleichtert Handel, Reisen und natürlich auch das Verschieben von Truppen. In der Blütezeit des Reiches, Ende des zweiten nachchristlichen Jahrhunderts, verfügt das Imperium über 100.000 Kilometer geschotterter oder gepflasterter Straßen. Eine Leistung, die erst wieder im 19. Jahrhundert erreicht werden sollte. Umgekehrt wirken sich Probleme wie die von einigen Kaisern vorgenommene sogenannte Münzverschlechterung im ganzen Imperium aus. So sinkt beispielsweise der Silbergehalt des Denars in 150 Jahren um 85 Prozent und dementsprechend steigen die Preise. Heute nennen wir dieses Phänomen Inflation. Im Lauf der Jahrhunderte verschwindet in vielen Gegenden der einzige antike Energiespender, das Holz, da man große Mengen zum Heizen der Thermen und zum Brennen von Holzkohle für die Metallgewinnung benötigt. Ebenso ist es der Baustoff für die römischen Kriegs- und Handelsflotten. Da man nicht aufforstet, sogar noch Ziegen und Schafe in die Rodungen treibt, verkarsten weite Flächen. Ungelöst bleibt auch das Problem des beständigen Einwanderungsdrucks. Das Römische Reich stellt für die außerhalb seiner Grenzen wohnenden Völker einen Kontinent des Wohlstands und der Ordnung dar. An diesem Reichtum wollen sie teilhaben – und sei es mit Gewalt. Roms Integrationskraft ist indessen begrenzt. Kleinere Einwanderergruppen lassen sich aufnehmen, ganze Stämme nicht. Die Politik der Abwehr durchzuhalten, erfordert immer größere militärische Anstrengungen, ihnen folgen unweigerlich Steuererhöhungen. Das Ende des Reiches beginnt, als die Bevölkerung die römischen Finanzbeamten mehr fürchtet als die eindringenden Barbaren.

GASTAUTOR RALF-PETER MÄRTIN IST BUCHAUTOR UND SCHREIBT U. A. FÜR „GEO“ UND „DIE ZEIT“


Der Anfang vom Ende. Caesar und die "germanische Gefahr"
Erst der von Caesar konstruierte römisch-germanische Gegensatz wird schließlich zum Untergang des bereits siechen Römischen Reiches beitragen. Der Vater aller Kaiser hatte die Büchse der Pandora Roms geöffnet.
Ein Artikel von Alexander Hogh



Erstellt: 08-05-09
Letzte Änderung: 13-05-09