Lange hatte die Nummer Eins der katholischen Kirche geschwiegen. Nun in Freiburg die Entschuldigung. Zutiefst erschüttert zeigte sich der Vorsitzende der Bischofskonferenz Robert Zollitsch: "Sexueller Missbrauch an Kindern ist immer ein abscheuliches Verbrechen. Und es ist auch eine Sünde".
Öffentlichkeitswirksam kam diese Geste, aber längst hat die Debatte über die Sexualmoral der katholischen Kirche begonnen. Das Zölibat. Die Laienbewegung "Wir sind Kirche" fordert ein Ende der strengen Sexualmoral. Sie sind enttäuscht von Zöllitschs Worten, denn genau diese Debatte will die Kirche vermeiden. Sie fordern eine kirchenunabhängige Ombudsstelle, eine Reform des Priesterseminars und Täter dürften in keiner Weise mehr in der Seelsorge eingesetzt werden.
Tatsächlich sind die meisten, wenn der Missbrauch zumindest kirchenintern bekannt wurde, einfach an einen anderen Ort versetzt worden. Die Fälle, die erst heute bekannt wurden, datieren aus den 70er und 80er Jahren und sind heute verjährt.
Während der Vorsitzende also drei Wochen schwieg, meldete sich dafür der Augsburger Bischof Mixa zu Wort. Bekannt für seine reaktionäre Weltsicht - Frauen gehören nach seiner Meinung an Heim und Herd - machte Mixa diesmal die sexuelle Revolution der 68er als Schuldige aus. Völlig ignoriert hatte er dabei, dass manche der Opfer, die sich jetzt gemeldet haben, in den 50er und 60er Jahren missbraucht wurden.
Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger hat von der katholischen Kirche eine lückenlose Aufklärung aller Missbrauchsverdachtsfälle an katholischen Einrichtungen gefordert. "Ich erwarte, dass die Verantwortlichen der katholische Kirche mit den Strafverfolgungsbehörden endlich konstruktiv zusammenarbeiten," so die Ministerin.
"Kindesmissbrauch ist ein Offizialdelikt", so Leutheusser-Schnarrenberger. Denn bisher will die Kirche erstmal interne Voruntersuchungen einleiten, ganz ohne Polizei und Staat - als ob für sie das deutsche Strafrecht nicht gelte.
Unsere Reportagen zum Thema
Links zum Thema
Hier finden Sie Fachstellen, Organisationen, Verbände und Institutionen, die sich mit dem Thema Missbrauch auseinandersetzen.
>> Website Schulische Prävention
>> Dunkelziffer e.V. - Hilfe für sexuell missbrauchte Kinder
>> Innocence in Danger: Diese Organisation klärt auf und fördert Präventions- und Interventionsprojekte - gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen
>> Telefon Seelsorge in Deutschland: steht 24 Stunden täglich zur Verfügung - anonym, vertraulich, gebührenfrei
>> Internet-Notruf Deutschland e.V.
>> Deutsche Gesellschaft für Prävention und Intervention bei Kindesmisshandlung und -vernachlässigung e.V.
>> Website der Kirchenvolksbewegung
>> Website "KiB" (Kirche in Bewegung)









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Ihre Meinungen
3 Kommentar(e)
In Familien aller Gesellschaftsschichten | Judith
04.04.2010 - 22:55
Bereits zu Beginn der bekannt werdenden, sehr bedauerlichen, Missbrauchsfälle sprach Alice Schwarzer aus, dass rd. 98 % nicht in kirchlichen, sondern vor allem auch im staatlichen und familiären Umfeld aller gesellschaftlichen Schichten zu finden sind. Wir hörten immer wieder: Die Dunkelziffer ist hoch! Die Kirchen haben bereits vor diesem aktuellen Skandal die Konsequenzen gezogen, auch wenn dies medienwirksam immer wieder bestritten wird. Was ist nun vor allem mit Maßnahmen, die die Kinder im familiären Umfeld – vor Stiefvätern, Väter, Onkeln, Brüdern usw. schützen? Maßnahmen, die ihnen helfen sich diesen Übergriffen überhaupt zu stellen und nicht traumatisiert davor zu flüchten? HIER ist der Großteil der Opfer zu finden. Auch die Telefonnummern von Telefonseelsorge und Organisationen zum Thema Missbrauch, rechtfertigen nicht, dass Sie das Thema so darstellen, als hätte es vor allem die Kirche verschuldet. Ich bitte Sie daher, das Kreuz auf Ihrer Titelseite zu entfernen.
Mißbrauchsfälle | Klaus
06.03.2010 - 18:53
Ich finde es nicht richtig, das Arte bei Mißbrauch von Kindern immer ein Kurzifix zeigt. Der Mißbrauch hat nichts mit dem Glauben an Jesus Christus zu tun. Mißbrauch gibt es auch an privaten Schulen z Bsp. UNESCO Schule im Odenwald usw.
noch immer zögerlich | hinkelbein+
25.02.2010 - 11:29
noch immer behandelt die kirche die frage sexueller übergriffe als vorrangig interne angelegenheit. man stelle sich vor, an einer schule (z.b.) kämen solche vorwürfe auf, und der rektor bestehe erst einmal darauf, dass die lehrerkonferenz oder der schulrat untersuchen müsse, was an den vorwürfen dran sei, bevor man - vielleicht - an die staatsanwaltschaft .... . zum anderen, scheint mir, ist das mit dem entschuldigen so eine sache. zwar glaube ich zollitsch seine erschütterung, aber die formulierung 'ich entschuldige mich (!) ...' halte ich für etwas entschieden anderes als: ich bitte dich um entschuldigung. und zuletzt: ich glaube immer noch, dass es eine verwirrung gibt um begriffe: sexuelle übergriffe sind m.e. nicht notwendig 'padophil', sondern gewalt an schutzbefohlenen.
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