Dienstag, 9. März um 23.45 Uhr
Classic goes Clubbing: Zu Gast in dieser Ausgabe: die international gefeierte Pianistin Elisabeth Leonskaja, das David Orlowski Trio, Klassik-ECHO-Preisträger 2008, und der herausragende Kontrabassist Nabil Shehata. Das französische Musik-Kabarett-Duo "Duel" stellt die klassischen Konventionen auf den Kopf, und das "Panzerballett" zeigt, wie man Jazz mit den Mitteln des Heavy Metal macht. Durch die Sendung führt Oceana, eine aufregende Soulsängerin mit deutscher Mutter und französischem Vater, deren Debütalbum "Love Supply" ihr eine schnell wachsende Fan-Gemeinde in Europa beschert hat.
„La dernière grande Dame de l´Ecole Soviétique“ schreibt ein französischer Journalist, ein spanischer Kritiker sagt: „Anti-Diva“.
Elisabeth Leonskaja zählt seit Jahrzehnten zu den gefeierten großen Pianistinnen. In einer von medialer Wirkung dominierten Welt bleibt Elisabeth Leonskaja sich und der Musik treu, ganz in der Tradition der großen sowjetischen Musiker, wie u.a. Swjatoslaw Richter, David Oistrach, Emil Gilels, denen es inmitten schwierigster politischer Bedingungen stets um die Quintessenz der Musik ging. Elisabeth Leonskajas Bescheidenheit, was die eigene Person angeht, ist schon fast legendär. Erlebt man sie auf die Bühne, spürt man jedoch sofort die immense Kraft, die daraus erwächst, wenn Musik zur Lebensaufgabe wird. Geboren in Tiflis, Georgien, in einer russischen Familie galt sie als Wunderkind, das schon mit 11 Jahren die ersten Konzerte gab.
Elisabeth Leonskajas musikalische Entwicklung wurde entscheidend von ihrer Zusammenarbeit mit Swjatoslaw Richter geprägt. Der geniale Pianist erkannte ihr außergewöhnliches Talent und förderte sie nicht allein durch Unterrichten und Beraten, sondern auch indem er sie einlud, etliche Duo-Konzerte mit ihm zu spielen. Ein musikalisches Ereignis! 1978 verließ Elisabeth Leonskaja die Sowjetunion, um Wahlwienerin zu werden. Ihr sensationeller Auftritt bei den Salzburger Festspielen 1979 markierte den Anfang einer stets wachsenden Konzertkarriere im Westen. Zahlreiche CD-Einspielungen und Auftritte in der ganzen Welt, wie bei den Salzburger Festspielen, und die Zusammenarbeit mit den größten Dirigenten ihrer Zeit und fast allen erstklassigen Orchestern, unter anderem mit den Berliner Philharmonikern und dem Guarneri String Quartet, zeugen von ihrer internationalen Anerkennung. Sie ist Ehrenmitglied des Wiener Konzerthauses.
Interview mit Elisabeth LeonskajaDer 1980 geborene Kontrabassist
Nabil Shehata war 2005 der jüngste Musiker bei den Berliner Philharmonikern. Bereits mit neun Jahren erhielt er seinen ersten Kontrabassunterricht. Zu seinem Instrument kam er allerdings durch eine Verwechslung: Als Neunjähriger gefällt ihm in der Abspannmusik eines traurigen Cartoons der E-Bass besonders gut. In der Meinung, dieser Sound käme von einem Kontrabass, fängt er an, dieses Instrument zu lernen. Das sollte sich lohnen, der außerordentlich talentierte Musiker studiert unter anderem in Berlin bei Esko Laine und gewinnt zahlreiche Preise - mit ihm erhält beim ARD-Wettbewerb in München erstmals in der Geschichte des Wettbewerbs ein Kontrabassist den ersten Preis. Internationale Auszeichnungen, Meisterkurse in Israel und Japan, Solokonzerte mit Partnern wie Daniel Barenboim und Thomas Quasthoff führen ihn weit über die Grenzen Deutschlands hinaus. Sein großes Engagement gilt dem West-Eastern Divan Orchestra, zu dessen langjährigen Mitgliedern er gehört. In den letzten Jahren hat sich der vielseitige Musiker zunehmend auch dem Dirigieren zugewandt. Anregungen und Unterricht erhielt er dabei von Daniel Barenboim, Lawrence Foster und Christian Thielemann.
Duel bietet Humor auf ganz hohem Niveau! Witzig, furios und wahnsinnig virtuos - die beiden französischen Musiker
Laurent Cirade und Paul Staïcu bieten musikalisches Kabarett vom Feinsten. Hier zählen die Töne, laut, leise und frech. In ihrem "Duel" bewegen sich die Künstler stilsicher zwischen Klassik oder Jazz, Tango und Rap. Gesprochen wird kaum, jedenfalls nicht so, dass man die Worte verstehen müsste. In ihrem ebenso komischen wie musikalischen Programm präsentieren der Pianist Paul Staïcu und der Cellist Laurent Cirade mutige Mischungen wie Debussy neben Barry White, Tschaikowski neben rumänischer Folklore und Griegs Klavierkonzert in a-Moll neben Weather Reports "Birdland". Das Piano wird mal eben zur Musikbox, eine Kettensäge zum Cellobogen. Auch in Handschellen und auf dem Rücken liegend spielt "Duel" locker weiter ... Ein übermütiges und unwiderstehliches Zusammentreffen zweier Virtuosen, brillant auf den Tasten und Saiten - und eine Herausforderung für das Zwerchfell.
Das
David Orlowsky Trio ist ECHO Klassik Preisträger 2008 in der Kategorie "Klassik ohne Grenzen". Diese Kategorie passt bestens zum David Orlowsky Trio, stehen die jungen Musiker doch für einen edlen und progressiven Musikstil, für den sie den Begriff "Weltkammermusik" prägten. Was häufig pauschal als "Weltmusik" bezeichnet wird, hebt das Ensemble auf ein absolutes Kunstmusikniveau, wobei es sich immer den Standards der internationalen Kammermusik verpflichtet fühlt. Die jungen Musiker setzen Maßstäbe: Sie verbinden folkloristische Klarheit mit einmaliger harmonischer und rhythmischer Komplexität. Dabei erschaffen sie ein unverwechselbar reichhaltiges Klangbild. Das betörende Ergebnis - von der Kritik bereits als "musikalische Emotionalität in Reinstform" beschrieben - beschert dem David Orlowsky Trio regelmäßig ausverkaufte Häuser, begeisterte Rezensionen und eine große Anhängerschaft im In- und Ausland.
"Wir sind laut, wir machen's nicht leiser", tönt der Bandchef des "
Panzerballetts" Jan Zehrfeld. "Wenn ein Instrument lauter als die anderen ist, werden die Lautstärken der leiseren Instrumente nach oben angeglichen." Die Band Panzerballett wagt die ungewöhnliche Fusion von Jazz und Heavy Metal. Filigran-brachial - so könnte man die musikalische Bandbreite von Panzerballett beschreiben. Ohne Mühe werden hier scheinbar unüberwindliche Grenzen überschritten. Um Konventionen scheren sich die an deutschen Hochschulen ausgebildeten Musiker nicht und zerschreddern Gassenhauer, eigene Stücke und Jazzelemente, um sie dann neu zusammenzusetzen. Panzerballett wollen "die Geschmeidigkeit und das Schwebende des Balletts mit der Kraft und dem Krachen eines Panzers zu verbinden" - dieser ungewöhnliche Sound bringt Jazzstrukturen auch einem rockaffinen Publikum näher. Die Musiker sind und waren in Konservatorien und im Bundesjazzorchester ebenso beheimatet wie bei Doldingers Passport oder in Speedcore- und Metalbands. Das tollkühne Experiment der Musiker um Jan Zehrfeld hat sich gelohnt: Die provokante Mischung klingt umwerfend!
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1 Kommentar(e)
Elisabeth Leonskaja | Max
21.10.2010 - 00:07
Hallo! Kann mir einer sagen, wie das Stück heißt, das Elisabeth Leonskaja spielt? Sofern sie mehrere gespielt hat, ich meine das Stück, das auch im obigen Trailer zu hören ist. Besten Dank!
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