Von Leslie Franke und Hermann Lorenz – ARTE GEIE / Kern Filmproduktion – Deutschland 2007
Als der zweitgrösste Energieriese, die Rheinisch Westfälischen Elektrizitätswerke RWE im Jahre 2000 beschliesst ins weltweite Wassergeschäft einzusteigen, erhofften sich Manager und Aktionäre aussergewöhnliche Renditen. Angekauft wurden Wasserversorger in aller Welt, angefangen hatte es in England mit dem international tätigen Thames Water, es folgten Unternehmen in Australien, Asien und im Nahen Osten. 2003 kam der grösste private Wasserversorger in den Verinigten Staaten hinzu: American Water mit 18 Millionen Kunden in 32 US-Bundesstaaten und in Kanada. RWE zahlte damals 4,6 Milliarden US-Dollar. Viele Jahre ging alles gut und wie erwartet, bis die Proteste in verschiedenen Kleinstädten die wiederholten Preisanhebungen und den miserablen Zustand der Wasserinfrastruktur beklagten. Weil der deutsche Global Player aus Essen Reparatur- und Instandssetzungskosten in zweistelliger Milliardenhöhe aus dem Weg gehen wollte und die Kaufsumme bereits erlöst war, entschloss sich RWE im Jahre 2005, seine internationale Wassersparte wieder zu verkaufen, für acht Milliarden Pfund ging 2006 Thames Water an das australische Macquarie-Konsortium und nun soll auch für American Water an den amerikanischen Börsen ein neuer Investor gefunden werden.
Die betroffenen amerikanischen Städte sind mit einer solchen Lösung keineswegs einverstanden, sie wollen ihre elementarste Lebensressource nicht noch einmal in profitorientierte Hände geraten lassen. Bisher sind es etwa 15 Kommunen, die ihre Wasserversorgung zurückkaufen wollen, ein starker Trend in den USA, der auch Kunden der französischen Grossunternehmen Veolia und Suez betrifft.
ARTE-Reporter Leslie Franke und Hermann Lorenz schildern in ihrer Reportage die Situation in der kalifornischen Kleinstadt Felton , wo sich bereits 2003 die sehr streitbare Bürgerinitiative FLOW ( Freunde der Kommunalen Wasserversorgung ) gebildet hat. Zunächst versuchen die Bürger, über kostspielige Gerichtsverfahren gegen die willkürlichen Preiserhöhungen und den schlechten Service der RWE-Tochter American Water eine Besserung der Situation zu erkämpfen, aber einen nennenswerten Erfolg haben die FLOW-Anhänger nicht. 2004 beschliessen die Bürger, die Feltoner Wasserwerke von RWE zurückzukaufen , das Geld soll durch einen Kommunalkredit aufgebracht und von allen Haushalten über einen Zeitraum von 30 Jahren zurückgezahlt werden. Trotz Gegenpropaganda und unsauberen Mitteln gegen das Bürgerbegehren gewinnt FLOW das Referendum sogar mit überwältigender Mehrheit. Aber RWE will nicht an die Stadt verkaufen, die Manager versprechen sich von einem Börsengang von American Water einen sehr viel höheren Erlös. Nun bleibt der Gemeinde nur noch eine Möglichkeit : über einen Gerichtsentscheid wollen die Bürger eine Enteignung von RWE durchsetzen. Vertreter von RWE, mehrfach von den Autoren um Interviews gebeten, haben jede Stellungnahme bisher abgelehnt.
Israel: gelobtes Land für Afrikas Flüchtlinge ?
Von Thomas Dandois, Pierre Creisson und Sébastien Camicas –
ARTE GEIE / Camicas Productions – Frankreich 2007
Video -22'
In den vergangenen Monaten sind 3000 Flüchtlinge aus afrikanischen Ländern illegal nach Israel eingereist, 500 von ihnen stammen aus der sudanesischen Krisenprovinz Darfour. Israel, das als Nachbar Ägyptens eine 200 Kilometer lange Grenze mit dem afrikanischen Kontinent hat, ist für die Afrikaner leichter zu erreichen als die Länder Südeuropas. Sie durchqueren die Sinnai-Halbinsel und überwinden die mit Stacheldraht gesicherte Grenze zwischen Israel und Ägypten. Die meisten der Flüchtlinge werden entdeckt und festgenommen, im Gefägnis von Saaronin in der Negev-Wüste, in dem sonst nur palästinensische Gefangene einsitzen, warten die Afrikaner auf den Tag ihrer Abschiebung nach Ägypten. Über das Schicksal der Darfour-Flüchtlinge hingegen pendelt die öffentliche Meinung in Israel zwischen Ausweisung und Unterstützung. Roger Polascek, Generalsekretär des Kibutz von Eilot, wo 280 Flüchtlinge aus Darfour inzwischen Zuflucht gefunden haben, sagte : « Wir können die Augen nicht vor ihrem Schicksal verschliessen. Wir haben die Schoa erlebt, diesen Menschen droht zu Hause ein Massaker. Wir müssen diesen Menschen helfen. So wie wir Menschen aus allen anderen Ländern in einer ähnlichen Situation helfen würden ». Zahlreiche Israelis bemühen sich, Arbeitsplätze für die Afrikaner zu finden, einer ist bereits in einem Hotel beschäftigt und verdient umgerechnet 800 Euro, jetzt will er von Israel als politischer Flüchtling anerkannt werden.
Die israelische Regierung hat über Innenminister Meer Shetrit inzwischen mitteilen lassen, dass Israel kein Einwanderungsland für Afrikaner werden will, dass aber eine Ausnahmeregelung für die Menschen aus Darfour getroffen worden sei. Einige hundert werden in den kommenden Tagen ihre Papiere erhalten, die sie als anerkannte Flüchtlinge ausweisen. Im übrigen will Israel seine Grenze zu Ägypgten stärker überwachen, um den Zustrom afrikanischer Flüchtlinge zu stoppen.
Ortstermin – Die Moskauer Universität
Professor Zassoursky - 1/3
Von Vladimir Vasak – ARTE GEIE – Frankreich 2007
Am 7. November feiert Russland den 90. Jahrestag der Oktoberrevolution. Wladimir Putin hat seinerseits beschlossen, bei den Parlamentswahlen am 2. Dezember für die Liste „Einiges Russland“ zu kandidieren und damit das Amt des Ministerpräsidenten und Regierungschefs erringen zu wollen. Seine Art, an der Macht zu bleiben, denn die Verfassung verbietet ihm, im März 2008 für ein drittes Mandat als Staatspräsident anzutreten.Um die Lage im Land so kurz vor diesen wichtigen Weichenstellungen besser zu verstehen, haben wir drei Personen an der Moskauer Universität (ca. 50 000 Studenten) portraitiert, die uns ihre Sicht der Dinge darstellen.
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Professor Yassen Zassoursky ist der Dekan der journalistischen Fakultät. Ein Mann, der seit 50 Jahren alles gesehen und erfahren hat. Ein in seinen Äußerungen äußerst vorsichtiger Mann, was sicher sein langes Verbleiben im Amt erklärt.







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