von Michael Unger und Thomas Vollherbst – ARTE GEIE - Frankreich 2007
Video - 11'
Vielen galt der georgische Präsident Michail Saakaschwili als eine Art Musterschüler. Nach der sogenannten Rosenrevolution hatte er in Georgien radikale Wirtschaftsreformen durchgesetzt und scheinbar erstmals seit dem Ende der Sowjetunion ernsthaft mit der Korruption aufgeräumt. Die Weltbank kürte Georgien noch letztes Jahr zum „Reformland Nr. 1“.Doch seinen „Heldenstatus“ hat Präsident Michail Saakaschwili längst eingebüsst. Vor vier Jahren noch von einer friedlichen „Rosenrevolution“ gegen Eduard Schewardnadse an die Macht getragen - werfen ihm seine Gegner heute einen autoritären Regierungsstil vor, anhaltende Menschenrechtsverletzungen und Versagen im Kampf gegen Armut und Arbeitslosigkeit.
Tagelang waren Anfang November bis zu 50.000 Menschen gegen den ehemaligen Rosenrevolutionär auf die Straßen gegangen. Der zeigte ihnen zunächst die Dornen: Die Sicherheitskräfte setzten Wasserwerfer, Tränengas und Schlagstöcke ein. Mehrere Personen wurden verletzt, viele Anhänger der Opposition festgenommen. Nachdem der regierungskritische Fernsehsender Imedi Bilder vom Polizeieinsatz gezeigt und eine Erklärung der Opposition gesendet hatte, wurde die Senderzentrale von Polizisten gestürmt: Ausnahmezustand zwischen kleinem und großem Kaukasus.
Doch die massiven Proteste der Opposition diesen November haben ihre Wirkung gezeigt: Für den 5. Januar 2008 kündigte der Präsident notgedrungen vorgezogene Präsidentschaftswahlen an, „um das Vertrauen des Volkes zu gewinnen“. Ob er es tatsächlich gewonnen hat, zeigen Michael Unger und Thomas Vollherbst in ihrer Reportage über den Wahlkampf in Georgien.
Benin: Wunderheiler und moderne Medizin
von Meriem Lay, Jérôme Pavlosky und Luc Golfin – ARTE GEIE / Sunset Press – Frankreich 2007
In jedem Herbst schließen die Ärzte Patrick Knipper (Plastischer Chirurg), Christophe Carré (Zahnarzt) und Patrick Antoine (Anästhesist) ihre Praxen in Paris für die Dauer von zwei Wochen. Dann ist das Trio unterwegs in Afrika: sie besei- tigen Hasenscharten, operieren Tumore und Missbildungen. Ihr Auftraggeber ist die franzö- sische Nichtregierungsorganisation "Interplast France", mit ihren Spendengeldern finanziert sie die Missionen der Ärzte.Im vergangenen Herbst besuchten die Mediziner eine entlegene Region am Fluss Niger im nördlichen Benin. In diesem verlassenen, 150 Kilometer langen Landstrich leben 50.000 Menschen. Nur ein einziger praktischer Arzt versorgt diesen Teil der Bevölkerung. Wer einen Zahnarzt braucht, muss schon eine Strecke von 400 Kilometern zurücklegen, Chirurgen sind nur mit dem Flugzeug zu erreichen. In ihrem Gepäck transportieren die Ärzte 200 Kilogramm medizini- sche Geräte. Der Operationstisch wird unter freiem Himmel aufgebaut, ein Generator installiert, alle, die sich für eine Untersuchung entkleiden müssen, werden gleich von Dutzenden Schaulustigen begafft.
Auch in diesem Teil Afrikas glauben die Menschen, dass jede Krankheit und jede Missbildung bösen Geistern zu verdanken sind. Die europäischen Ärzte haben bei vielen Aufenthalten gelernt, dass sie sich ohne ein Zusammenwirken mit den örtlichen Heilern keinem Patienten vollständig nähern dürfen, nur diese geheim- nisvollen Männer können eine Verbindung zwischen moderner Medizin und afrikanischer Tradition herstellen. Weil sie die Sprache der Geister verstehen, verfügen nur diese Heiler über den Schlüssel zu einer vollständigen Genesung der Kranken, ohne ihre Einwilligung würde sich kein Afrikaner von den Fremden behandeln lassen.
Gegen den Strich - Courrier International
Jeden ersten Samstag im Monat in ARTE Reportage: die Rubrik „Gegen den Strich“ – ein Blick auf die markantesten Karikaturen der letzten Zeit. Eine Partnerschaft mit der Zeitschrift „Courrier International“.Fünf Minuten, um das Weltgeschehen aus einem anderen Blickwinkel zu sehen, illustriert durch die Federn der Cartoonisten der internationalen Presse.
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