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Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

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Kinostart 04. Mai 2006 - 02/05/06

Aaltra

Ein Film von Benoît Deléphine und Gustave de Kervern


Lakonisches Rollstuhl-Roadmovie
durch Nordeuropa

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Frankreich/Belgien 2004, 94 Min.
Mit: Benoît Deléphine, Gustave de Kervern, Jan Bucquoy, Pierre Carles, Michel de Garre

Synopsis: Zwei sich hassende Nachbarn eines belgischen Dorfes geraten in heftigen Streit miteinander. In Folge dessen haben sie einen schweren Unfall mit einem Traktor der finnischen Marke „Aaltra“. Beide überleben, doch sind sie von nun an querschnittsgelähmt. In Rollstühlen trampen sie gemeinsam nach Finnland, um von Aaltra Schadensersatz zu fordern.

Kritik: Benoît Deléphine und Gustave de Kervern haben das Buch ihres Debütfilms zusammen geschrieben, gemeinsam Regie geführt und auch noch die beiden Hauptrollen übernommen. Dies hat seine Vorteile, wirkt der fertige Film doch wie aus einem Guss. Sehr ruhig und ernst beginnt Aaltra. So richtet sich das Interesse des Zuschauers zuerst auf die schönen Bilder: Das Cinemascopeformat mit nachhaltig kadrierten Bildern in klassischem schwarz/weiß des Kameramannes Hugues Poulain beeindruckt. Erst nachdem die beiden Streithähne gelähmt im Rollstuhl sitzen, entwickelt sich ein vorsichtiger Humor, der sich zu einem bissigen Schwarzen auswächst. Hier darf ausnahmsweise auch mal über Behinderte gelacht werden. Politisch korrekt ist dies dennoch, denn über die nicht behinderte Umwelt der beiden rüpelnden Rolli-Fahrer macht sich Aaltra mindestens genauso lustig.

Außerdem bringt nicht ihre Behinderung sondern ihre sture und bisweilen ignorante Art die beiden in missliche Situationen, aus denen sie sich aber stets grade noch so retten können. Einmal etwa steht ihnen das Wasser buchstäblich bis zum Hals, als sie sich am Meer betrinken. Ihre Rollstühle haben sie im seichten Sand des Strandes geparkt. Der Alkohol macht müde und sie schlafen ein. Als sie aufwachen hat die Flut schon eingesetzt, die Räder des Rollstuhls drehen im nassen Sand durch und das Wasser geht ihnen schon bis zur Halskrause...

In Frankreich sind die beiden Regisseure als Stand-Up-Comedians bekannt geworden, in ihrem Debüt platzieren sie gut getimte Situationskomik. Der Film ist voll von Gastauftritten befreundeter Künstler. So ist etwa der Mann beisst Hund-Regisseur Benoît Poelvoorde, der Aktionskünstler Noël Godin, der für seine Tortenwurf-Aktionen auf Politiker bekannt geworden ist und nicht zuletzt Aki Kaurismäki, der am Ende des Films mit coolen Bemerkungen glänzen darf zu sehen. Einige Szenen wurden auch mit versteckter Kamera gedreht, etwa bei einem Motocross-Rennen, bei dem die beiden Nachbarn um Geld betteln, und dabei Männer in Anzügen an ihren Krawatten packen. Der belgische Motocross-Weltmeister Joël Robert scheint sich auch nicht der Kamera bewusst gewesen zu sein, wenn er die beiden Rollstuhlfahrer anpflaumt: „Jungs ihr müsst hier weg, ihr zerstört den Traum.“

Aaltra ist ein sehr sehenswertes lakonisches Rollstuhl-Road-Movie und ein Debüt in doppelter Hinsicht: Es ist der erste Film des Regieduos Benoît Deléphine und Gustave de Kervern, aber auch der erste Film des neugegründeten Filmverleihs Weltecho, der aus der Filmproduktionsfirma „Filmkombinat“ hervorgegangen ist. Weltecho will sich entdeckenswerten Filmperlen widmen, was ihm mit Aaltra schon einmal hervorragend gelungen ist.

Nana A.T. Rebhan

Erstellt: 02-05-06
Letzte Änderung: 02-05-06