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ARTE KULTUR - 22/01/07

Abu Dabi will "seinen" Louvre

In wenigen Wochen wird der französische Kulturminister mit den Vereinigten Arabischen Emiraten einen Vertrag unterzeichnen, der den Bau einer Louvre-Zweigstelle in Abu Dhabi vorsieht. Die Rechte am berühmten Namen sowie die Leihgaben aus dem Pariser Museum würde sich der kleine Wüstenstaat dreistellige Millionen-Beträge kosten lassen. Doch der Unmut gärt in Frankreich schon länger: bereits im vergangenen Oktober wurde ein amerikanischer Louvre in Atlanta eröffnet. Kulturschaffende befürchten nun eine Vermarktung des nationalen Erbes, 3000 Personen haben eine Petition gegen den sogenannten "Wüstenlouvre"
unterschrieben. Geschäftemacherei oder Kulturdialog?

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Abu Dabi will "seinen" Louvre und scheint bereit, dafür zu zahlen: zwischen 700 Millionen und einer Milliarde Euro. Die Franzosen zögerten zunächst, ließen sich dann aber überzeugen. Kein Wunder bei solchen Summen. Wenige Wochen vor dem Unterschriftstermin steht der Vertrag im Wesentlichen fest: Das neue Museum wird "Louvre" heißen. Und: Frankreich garantiert ihm in den nächsten zehn Jahren rund 400 Leihgaben aus staatlichen Sammlungen, für eine Leihdauer Dauer zwischen zwei Monaten und zwei Jahren.
Ein Kulturexport diesen Ausmaßes ist für Frankreich Neuland. Entsprechend hoch schlagen die Wogen in Kulturkreisen. In einer Petition, die seit Dezember aufliegt, wird der Staat der Habgier und der Gefährdung des Kulturerbes beschuldigt. Die Leitung der staatlichen Museen kontert: Das Geld sei wichtig und es ginge, um einen Dialog der Zivilisationen. Die Positionen scheinen unvereinbar.

Francine Mariani-Ducray, Leitung der französischen Museen : "Wir leeren ja nicht unsere Museen, um eine Dependance in Abu Dabi zu füllen. Absolut nicht. Es geht hier um eine Anzahl von Leihgaben, die sehr viel niedriger ist als die, die unsere Museen für gewöhnlich im Jahr zugestehen."

Umstritten ist auch, welche Werke nach Abu Dabi gehen sollen. Angesichts der investierten Summen steht zu befürchten, dass die Auftraggeber zahlreiche Meisterwerke erwarten, und zudem für ein so gut wie unbekanntes Publikum. Bleibt eine besonders heikle Frage: Was ist mit den Nacktdarstellungen und den religiösen Motiven, die einen guten Teil unserer Kunstgeschichte ausmachen.
Der Erlös aus der Zweigstelle dürfte bei den Staatlichen Museen bleiben. Kein befriedigendes Argument für jene, die fürchten, dass Frankreich seine Seele verkauft mit einem Projekt, das ihrer Ansicht nach mehr mit Kommerz und Diplomatie zu tun hat, als mit Kultur.
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Links
>> Petition auf der Website La tribune de l'art
>> Offizielle Website des Louvre
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ARTE Kultur
November 2006

Erstellt: 19-01-07
Letzte Änderung: 22-01-07