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Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

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Kinostart 17. April 2008 - 21/04/08

Actrices - oder der Traum aus der Nacht davor

Ein Film von Valeria Bruni Tedeschi


Mit ihrem zweiten überwältigenden und urkomischen Film erhebt Valeria Bruni Tedeschi die Tragikomödie in den Rang der schönen Künste und geht damit weiter ihren Weg als Regisseurin auf den Spuren des großen Woody Allen.

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(Frankreich, 2007, 110 Min.)
mit Valeria Bruni Tedeschi, Louis Garrel, Valeria Golino, Noémie Lvovsky, Matthieu Amalric, Maurice Garrel…

Synopsis: Umgetrieben von ihrer Rolle der Natalia Petrovna, der Heldin in Turgenjews „Ein Monat auf dem Lande“ und den schwierigen Proben, versucht die Schauspielerin Marcelline ihre Ängste beim Schwimmen und der Musik von Glenn Miller zu verdrängen. Doch es hilft alles nichts: Nichts hindert die Zeit daran, davonzurasen und Marcelline nicht nur ihre vierzig Lebensjahre vor Augen zu halten, sondern auch die Tatsache, dass sie noch immer kinderlos ist. Verwundert geht sie durchs Leben, zu dem ihr der richtige Schlüssel zu fehlen scheint, wobei sie doch unablässig versucht, mit ihrer Umwelt zu kommunizieren. Doch wer oder was kann Marcelline wirklich verstehen helfen, was sie überhaupt auf Erden macht? Das Zwiegespräch mit der heiligen Jungfrau oder der wunderbare Geist ihres Vaters auf dem hübschen Sofa, der verschrobene Blick ihrer Mutter, die so gerne Boot fährt, oder ganz einfach der Kuss, den sie eines Abends vom jüngsten der jugendlichen Theaterhelden bekommt?

Valeria Bruni Tedeschi über den Film


Kritik: Es fällt schwer auszudrücken, wie ergreifend diese Frau ist. Auf der Leinwand wirkt Valeria Bruni Tedeschi mit ihrer flüchtigen Grazie so zerbrechlich wie ein Kristall. Die Tollpatschigkeit ihrer Figur Marcelline hat etwas Rührendes, geradezu übernatürlich verkörpert sie die Rolle, so dass die Bilder direkt ins Herz gehen. Als Regisseurin gelingt es ihr, die Tragikomödie, das Metaphysisch-Absurde und die Respektlosigkeit in den Rang der schönen Künste zu erheben. Lange glaubte man, dass es für einen Franzosen oder einen Europäer unmöglich sei, erhobenen Hauptes in die Fußstapfen eines Woody Allen zu treten. „Actrices“ beweist das Gegenteil. Im Geiste von „The purple rose of Cairo“ tritt die Figur der Natalia Petrovna, die Heldin in Turgenjews „Ein Monat auf dem Lande“ aus der erdachten Welt heraus und erscheint Marcelline, die sie im Stück verkörpert, in den Kulissen des Theaters – so wenig greifbar wie das weiße Kaninchen bei Lewis Carroll. Es folgt eine erstaunliche, ebenso überraschende wie bedeutsame Unterhaltung zwischen einem Trio Verliebter, nämlich Marcelline, Natalia und Eric, dem jungen Schauspieler. Auch die Beziehung Marcellines zu ihrer Mutter könnte direkt aus Allens genialem Kurzfilm „Ödipus ratlos“ stammen: Wie die Annie Hall aus „Der Stadtneurotiker“ versucht sie das unmögliche Unterfangen, die Irrungen und Wirrungen ihres Lebens und ihrer Gefühlswelt zu ordnen. Doch alles gerät ihr durcheinander, sie rennt gegen die Glaswände ihrer Existenz, hält ihre Gynäkologin für ihre Psychiaterin, die heilige Jungfrau für ihre Mutter und ihre Vergangenheit für die Zukunft...

Mehr als einmal finden sich dabei autobiographische Anklänge, und auch das ist wie ein Spiel für Valeria Bruni Tedeschi. Wie vor einem Spiegel spielt sie eine Schauspielerin auf der hoffnungslosen Suche nach dem Sinn des Lebens, sie vergräbt sich in ihre Trauer, ihre eigene Mutter spielt ihre Mutter, sie erzählt von einem Erlebnis aus dem Theater, das schief gegangen ist, und von ihrem Wunsch nach einem Kind, der sie beinahe zerreist. Das Drehbuch zu „Actrices“ basiert vollständig auf doppeldeutigen Dialogen und ist ein Wunderwerk, das nur schreiben kann, wer zehn Jahre lang genau beobachtet und analysiert hat. Noémie Lvovsky und Valeria Bruni Tedeschi haben hinter der Fassade der Komödie ihre Gedanken zu tiefgreifenden, existenziellen Fragen über das Muttersein, die Einsamkeit, den Platz der Eltern oder den Tod von Geliebten aufgeschrieben. Ein Walzer der Schatten. Marcellines Vater, gespielt vom großartigen Maurice Garrel, kehrt für einige Minuten aus dem Reich der Toten in sein Wohnzimmer zurück, als ob er nie weg gewesen wäre. Sanft sagt sie zu ihm: „Du machst dich breit“, und er antwortet lächelnd: „Aber das Sofa ist groß.“

In einer anderen Nacht, einem anderen Traum erscheint ihr ihr erster Schwarm (Robinson Stevenin), den sie damals nicht bekam und der ihr nun von den Ästen eines Baumes herab den Hof macht. All diese spontanen Wiederauferstehungen ermüden Marcelline nicht nur, sondern treiben sie auch in die ewige Zerrissenheit zwischen Kunst und Leben, der all jenen Schauspielern zum Verhängnis wird, die mit zu großer Leidenschaft ihrer Passion nachgehen und sie wie in Michael Powells „Die roten Schuhe“ der Wirklichkeit entfremdet. So spielt Marcelline auf der Bühne ihr eigenes Leben und vergisst darüber, es auch in der Realität zu leben. Ihre Fantasiewelt hat sich ihrer bemächtigt. Und durch Zufall erfährt sie die Verbitterung, die aus der entgegengesetzten Richtung kommt – gewissermaßen als ihr umgekehrtes Double – in Person der Regieassistentin, einer alten Freundin aus der Studienzeit, die ebenfalls Schauspielerin werden wollte, sich dann aber ins Familienleben gestürzt hat. Und nun frustriert ist. Der Titel „Actrices“ („Schauspielerinnen“) klingt denn auch wie eine Forderung: derjenigen, die es nicht sind, derjenigen, die es sein wollen und derjenigen, die es zu sehr sind. Letztlich führt das Spiel nicht zum Glück. So schwimmt Marcelline also zur Musik von Glenn Miller in gechlortem Fruchtwasser um zu vergessen. Doch sie kann ihre Träume nicht preisgeben, koste es, was es wolle. Obwohl ihre Mutter sie von Anfang an gewarnt hat und sie einmal mehr verletzte, indem sie ihr an den Kopf warf: „Das Fräulein will pure Liebe – das Fräulein will den Mond!“ Aber Marcelline bleibt einfach ein entzückendes, hypersensibles kleines Mädchen, gequält von ihren Träumen und Idealen – wie alle Menschen, diesen alten egoistischen Kindern vor dem Ewigen. Und daher ist dieser Film mit seiner unendlich rührenden Marcelline-Valeria paradoxerweise atemberaubend, bewegend, zutiefst erschütternd und urkomisch zugleich. Er ist wie ein schönes Geschenk an uns alle, von Valeria, unserer Schwester.

Delphine Valloire

Erstellt: 15-04-08
Letzte Änderung: 21-04-08