- Synopsis
Die unschuldige hübsche Eugenie wird von Madame de St.Ange für ein Wochenende auf deren einsame Mittelmeerinsel gelockt. Dort soll sie für die okkulten Zusammenkünfte einer de-Sade-Sekte zur Verfügung stehen, der auch Madame de St.Ange und ihr Bruder Mirvel angehören.
- Kritik zum Film
Es ist nicht besonders verwunderlich, dass dieser Film in verschiedenen Ländern unter verschiedenen Titeln erschienen ist: In Deutschland ist er bekannt unter DE SADE 70, dem hier verwendeten EUGENIE – DIE JUNGFRAU UND DIE PEITSCHE und WILDKATZEN. In den USA startete er unter EUGENIE...THE STORY OF HER JOURNEY INTO PERVERSION, in Spanien unter LA ISLA DE LA MUERTE – DIE TODESINSEL und in Frankreich unter LES INASSOUVIES – DIE UNERSÄTTLICHEN.
Dies sagt einiges aus über die unterschiedliche Perspektive, mit der die Verleiher des jeweiligen Landes sich an den Film herantasteten. Heute, 36 Jahre nach seiner ersten Veröffentlichung ist der Blick auf diesen Film wiederum ein anderer. Reichte der Kuss zwischen Maria Rohm und dem schwarzen Darsteller Anney Kablan damals noch zu einem Skandal mittlerer Größe, betrachten wir heute DE SADES EUGENIE – DIE JUNGFRAU UND DIE PEITSCHE als Edeltrash.
1970 hat der Film zwar die Freigabe ab 16 Jahren erhalten, aber das liegt vor allem daran, dass Franco keine Großaufnahmen der Orgienszenen zeigt, und sich das Geschehen so vor allen Dingen im Kopf des Zuschauers entfaltet. Christopher Lee (DER HERR DER RINGE; NACHTS, WENN DRACULA ERWACHT) der in wenigen Szenen den Zeremonienmeister Dolmance spielt, war im Nachhinein entsetzt, dass der Film in Pornokinos zu sehen war. Davon habe er nichts gewusst...Maria Rohm (RUF DER WILDNIS; BLACK BEAUTY), die Lebensgefährtin des Produzenten und Autors Harry Alan Towers spielt Madame St.Ange. Was zuerst für die Crew wie ein Gefallen des Produzenten aussah, entpuppte sich später jedoch als Glücksfall. Rohm spielt ihre Rolle der dominanten und gleichzeitig sehr galanten Gastgeberin - die Lust und Schmerz mit dem gleichen Vergnügen austeilt - extrem überzeugend.
Die damals 19-jährige Schwedin Marie Liljedahl (INGA; DAS BILDNIS DES DORIAN GRAY) verkörpert die unschuldige aber neugierige Eugenie aus gutem Hause. Die Verführungsszenen zwischen der Madame und ihr in der Badewanne sind hübsch anzusehen. Der Hollywood-Reporter fragte sich damals: „Was macht ein nettes Mädchen wie Marie in einem schmutzigen Film wie diesem?“
Der spanische Regisseur Jess Franco gehört zu den umtriebigsten Regisseuren überhaupt, er hat ca. 140 bis 200 Filme geschaffen. Man weiß nicht genau wie viele Filme es wirklich sind, denn er hat oft unter Pseudonymen gearbeitet. Er hat viel Trash gedreht, Filme wie KILLER BARBYS VS. DRACULA oder EINE JUNGFRAU IN DEN KRALLEN VON ZOMBIES. Bei allen seinen Filmen ist Erotik im Spiel.
Qualitativ gesehen gehört DE SADES EUGENIE – DIE JUNGFRAU UND DIE PEITSCHE sicherlich mit zu seinen besten Werken. Man könnte diesen auch als Experimentalfilm beschreiben. Der Kamera gelingt es hypnotische Bilder zu schaffen, die Orgiensequenzen sind gänzlich rot eingefärbt. Eine Grenzerfahrung für Cineasten, ein Experiment, das man wenigstens einmal eingehen sollte. Mit anderen De-Sade-Verfilmungen, wie etwa dem künstlerisch weitaus interessanteren Film Pasolinis DIE 120 TAGE VON SODOM (1976) hat DE SADES EUGENIE – DIE JUNGFRAU UND DIE PEITSCHE allerdings wenig zu tun.
Nana A.T. Rebhan

De Sade Eugenie - Die Jungrfrau und die PeitscheEin Film von Jess Franco
Spanien/Deutschland 1970, 83 Min.
Mit Marie Liljedahl, Maria Rohm, Jack Taylor, Christopher Lee








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