Sendung vom 17. Mai 2009 - 17/05/09
der Ausdruck: die Retourkutsche
die Retourkutsche
Wissen Sie, woher der Ausdruck "Retourkutsche" kommt? Unüberhörbar handelt es sich um eine Mischung aus Deutsch und Französisch. Lena Grunwald erklärt uns die Bedeutung und den Ursprung, hören Sie:
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Wenn jemand im Deutschen den eigenartigen Ausdruck "Retourkutsche" verwendet, dann meint er damit – das wissen Sie als Deutsche sicher - nicht etwa wörtlich eine Karosse, die ausschließlich Rückfahrten ausführt, und auch keinen Wagen, der zum Hersteller zurückgeschickt werden muss, weil er einen Fehler hat. Es handelt sich auch nicht um einen Fachbegriff aus dem Pferderennen. Fehlanzeige. Eine Retourkutsche ist vielmehr die umgangssprachliche Bezeichnung für eine Vergeltungstat, eine Heimzahlung oder eine Revanche.
Hier ein perfektes Beispiel für eine Retourkutsche: Ein Angestellter, der von heute auf morgen entlassen wird, gründet sein eigenes Unternehmen und hat damit so großen Erfolg, dass er die Kunden seines alten Chefs abwirbt. Er hat ihm sozusagen die Entlassung heimgezahlt.
Warum sprechen wir Deutschen aber von einer Retourkutsche? Was hat eine Kutsche mit Rache zu tun? Hören Sie:
Die Kutsche, auf die der Ausdruck zurückgeht, haben Sie wahrscheinlich alle schon mal gesehen. Sie steht in Berlin, auf dem Brandenburger Tor, dem Wahrzeichen der deutschen Hauptstadt. Auf diesem Tor befindet sich ein 5m hohes, kupfernes Viergespann, das nach Osten gerichtet ist: Die Quadriga mit der geflügelten Siegesgöttin Viktoria. Sie wurde 1793 von dem Bildhauer Johann Gottfried Schadow gefertigt und hat seitdem eine bewegte Geschichte erlebt. Im Jahre 1806 marschiert Napoleon nach der Schlacht bei Jena und Auerstedt mit seinen Truppen siegreich in Berlin ein. Die Stadt wird zwei Jahre lang besetzt und Napoleon entführt die Quadriga des Brandenburger Tores als Kriegsbeute. Eine große Demütigung für die Berliner.
Das Viergespann gelangt zu Wasser nach Paris und soll dort aufgestellt werden. Doch im März 1814 wird Napoleons Armee bei Waterloo geschlagen und Feldmarschall Blüchers Truppen marschieren ihrerseits in Paris ein. Und was finden sie? 15 Holzkisten, die sie auspacken und siehe da… die Berliner Quadriga! Napoleon und sein Gefolge hatten bei den vielen Kriegen noch nicht einmal Zeit gehabt, die erbeutete Trophäe auszupacken. Blücher bringt das gute Stück dann wieder nach Berlin zurück, wo es restauriert wird und seitdem wieder auf seinem Ehrenplatz, dem Brandenburger Tor, thront.
Schon vor seiner Entwendung durch Napoleon hatten sich die Berliner angewöhnt, das Viergespann recht respektlos "Kutsche" zu nennen. Nach ihrer triumphalen Rückkehr geben sie ihr dann den saloppen Spitznamen "Retourkutsche", ein Wort, das an eine stolze Revanche der Deutschen erinnert, wobei Retour für Rückkehr beziehungsweise Rückfahrt steht.
Nach und nach ist die "Retourkutsche" dann in die Alltagssprache eingegangen und man benutzt sie für jegliche Form von Revanche, wobei die Deutschen oft ihre ursprüngliche Bedeutung vergessen. Dabei handelt es sich doch um eine hübsche deutsch-französische Geschichte, oder?
Text: Lena Grunwald
Bild: Sabine Allard
Erstellt: 15-05-09
Letzte Änderung: 10-01-11