Mit Milan Peschel, Eberhard Kirchberg, Marie Gruber, Simone Frost
Synopsis: Der geistig behinderte Hagen sucht seinen Onkel, der sich in Zukunft um ihn kümmern soll. Stattdessen findet er den alkoholabhängigen Domühl, der im „Alten Lager“, einem ehemaligen Militärstützpunkt der sowjetischen Armee, mehrere Stunden südlich von Berlin sein Dasein fristet. Bald stößt noch die frisch aus dem Knast entlassene Ina zu ihnen. Das ungleiche Trio versucht, das triste und unfaire Leben zu überlisten.
Kritik: "Es hat mich interessiert, was passiert, wenn jemand, der selbst kaputt ist und in einer materiell ausweglosen Situation steht, Verantwortung für einen anderen übernimmt", erklärt Pepe Plenitzer. Eine interessante Ausgangssituation, für die der Regisseur drei überzeugende Charaktere und hervorragende Schauspieler gefunden hat. Der Theaterschauspieler der Berliner Volksbühne, Milan Peschel, hat sich erneut auf ein filmisches Abenteuer eingelassen, für das er keinerlei Gage erhalten hat. Bereits in NETTO und SCHWARZE SCHAFE spielte er sehr überzeugend Außenseiter. Domühl ist ein gescheiterter Idealist. Von seinem Vater hat er das "Alte Lager" geerbt, auf dem seltsame Dinge aus Holz herumstehen, die Domühl für Spielplätze fertigt. Im lebensgroßen Holzmodell eines Sportwagens sitzt er selbst ganz gern, stets mit einer Flasche Alkohol als treuem Begleiter. Domühl ist ein typischer Wendeverlierer, einer, der den Aufbruch ins kapitalistische Wirtschaftssystem nicht geschafft hat. Nebenbei erzählt uns ALLE ALLE all dies, ohne aufdringlichen Zeigefinger. Nach kurzer Eingewöhnungszeit nimmt den Zuschauer die ruhige und unaufdringliche Geschichte über drei gesellschaftliche Außenseiter gefangen. Da ist Hagen, dieser freundliche, gestrandete Riese, der sich rührend um seine kleine Ratte kümmert, die er in einem Käfig mit sich herumschleppt. Domühl und Hagen freunden sich an, auf eine ganz eigentümliche Weise. Domühl philosophiert unter dem Einfluss des kühlen Nasses stundenlang, Hagen hört zu. Geduldig, ohne einen Kommentar von sich zu geben. Als die frisch aus dem Gefängnis entlassene Ina – souverän verkörpert von Marie Gruber - ihr Wohnrecht im Haus auf dem „Alten Lager“ einfordert, verliebt sich Domühl in die patente Frau in den Fünfzigern. Aber eine Annäherung ist schwierig, sind sie doch beide geschundene Kreaturen, für die sich das Versprechen von Nähe oder gar Liebe nicht einfach so einlösen lässt. Gerne hält man sich auf bei diesen drei verlorenen Seelen inmitten der öden Landschaft, einige Autostunden südlich von Berlin. Die Hauptstadt bleibt Sehnsucht, der Fernsehturm aus Holz kündet davon.
Pepe Plenitzer - der selbst genauso wenig redet wie seine Figuren - gelingt ein eindringlicher berührender Film, der nie kitschig, pathetisch oder oberflächlich wirkt. Das liegt am gelungenen Casting wie auch der unaufdringlichen aber stimmungsvollen vorsichtigen Filmmusik und an den Totalen, die zeigen, dass die wilde Natur dort durchaus auch ihre schönen Seiten hat. "Bei aller Traurigkeit, die da so weht, auch in der Landschaft, wo das ganze stattfindet, irgendwo im Nirgendwo, da ist jemand, der aufrecht steht", sagt der Regisseur, und dieser eine Satz beschreibt seinen Film sehr gut. Inspiriert wurde Plenitzer von dem Roman und Theaterstück BURNOUT von Oliver Bukowski. Eberhard Kirchberg, der mit stoischer Miene den Hagen spielt, hat diesen bereits erfolgreich auf der Bühne verkörpert. ALLE ALLE zeigt Menschen, wie wir sie heute selten finden, vor allem nicht in westdeutschen Filmen. Menschen, die selbst ganz unten sind, aber die Hoffnung nie ganz aufgeben und bereit sind, sich gegenseitig zu helfen. Plenitzer hat ein wichtiges, Mut machendes Anliegen: "Ich will Leute zeigen, die die Kraft haben, solidarisch zu handeln, wo andere sich mit Ignoranz abwenden." Das ist ihm hervorragend und eindringlich gelungen.
Nana A.T. Rebhan






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Sozialdrama aus deutschen Brachlandschaften
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