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Leben im Mittelalter

ARTE widmet der mythischen Epoche einen Schwerpunkt mit Spielfilmen, Dokumentationen und zwei Themenabenden vom 2.2.2009 bis 15.2.2009

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Leben im Mittelalter

ARTE widmet der mythischen Epoche einen Schwerpunkt mit Spielfilmen, Dokumentationen und zwei Themenabenden vom 2.2.2009 bis 15.2.2009

Leben im  Mittelalter

Leben im Mittelalter - 17/02/09

Alle brauchen Artus

Auf der Spur des mittelalterlichen Helden. Fotoreportage


Wenig ist bekannt über den historischen König Artur: Ein Krieger von außergewöhnlichem Format soll er gewesen sein, Verteidiger der Briten gegen die vordringenden Angelsachsen im 5. Jahrhundert, ein edler Ritter. Nur eines ist sicher: Er ist ein Held, den sich das westliche Mittelalter erfand und der auch heute noch immer fasziniert.

Die Orte, an denen er gewirkt haben soll, verraten wenig über den großen Mann, aber viel über die Menschen, die ihn verehrten oder seinen Ruhm instrumentalisierten. Alle brauchten ihn: Ritter, Mönche, Könige, Literaten – viele entwickelten den Artus-Mythos weiter, viele wussten ihn für ihre Zwecke zu nutzen. Man benötigte den mutigen König, um seine Position zu festigen, Kriege zu rechtfertigen, Pilger anzulocken oder um sich an seinem Vorbild zu orientieren.

Artus wurde immer wieder neu erfunden, nicht nur in England. Kommen Sie mit auf eine Reise durch das mittelalterliche Europa auf den Spuren von König Artus.

>> Zur Fotoreportage
"Alle brauchen Artus"


Regardez ici le documentaire "Arthur - L'invention d'un Roi" dans son intégralité.

Alle Fotos von Wilfried Hauke aus der Dokumentation
"Arthur - Die Erfindung eines Königs"
am 15.02.09 um 22.35 Uhr

Wer noch mehr zu Artus/Arthur wissen möchte, dem empfehlen wir folgende Bücher:

"Malory" von Christina Hardyment (in englischer Sprache),
Verlag: HarperCollins Publishers, Juni 2007
ISBN-13: 9780060935290

und

"Ritter und Einhorn" von Jacques Le Goff
Verlag C. H. Beck, München 2005

Ein großes Thema des französischen Historikers Jacques Le Goff ist die Bildwelt des Mittelalters. In Fortführung seiner Bilderstudien („Das Mittelalter in Bildern, deutsch 2002) orientiert er sich am mittelalterlichen Begriff der imago. Neben materiellen Bildern betrachtet er so auch Gedanken- und Sprachbilder, Bilder der Fantasie. Im Mittelpunkt steht jedoch nicht die Bildinterpretation im einzelnen, vielmehr zeigt Le Goff im Anschluss an die moderne Bildforschung, wie stark Bilder das Denken und Handeln der mittelalterlichen Gesellschaft beeinflussten.

Mit einer Fülle unterschiedlicher Motive lässt der Verfasser so eine farbenprächtige Welt lebendig werden, die uns zugleich in schönen Illustrationen vor Augen tritt. Er befaßt sich mit historischen Personen wie Karl dem Großen oder El Cid, mit Gestalten der Legende wie Ritter Artus, der Päpstin Johanna oder Melusine, dazu mit Fabelwesen wie dem Einhorn oder mit besonderen Sozialgruppen wie den Rittern, Troubadouren oder Jongleuren.

Ein Produkt der Fantasie ist etwa das Schlaraffenland. Diese Vorstellung geht auf ein um 1250 enstandenes Urmanuskript zurück. Der darin erzählte Traum vom Überfluss ist als Spiegel einer von Hungersnöten und kirchlichen Verboten heimgesuchten Welt zu verstehen und wurde später von Pieter Brueghel dem Älteren in seinem Gemälde „Kampf zwischen Fasching und Fasten“ eindrucksvoll in Szene gesetzt.

Am Beispiel von Burg, Kathedrale und Kloster erläutert Le Goff, warum diese zu Idealbildern des Mittelalters werden konnten. Dem mittelalterlichen Menschen galten sie als Erzeugnisse göttlichen Wirkens auf Erden, die die Allgegenwart göttlicher Macht und die gottgewollte weltliche Ordnung symbolisierten. Neben dieser Ebene schildert Le Goff jedoch auch präzise den sozialgeschichtlichen Kontext, in dem die Bauwerke und ihre Entwicklung stehen, und geht damit über mentalitätsgeschichtliche Überlegungen hinaus.

Die große Stärke des Bandes, der außereuropäische Bildwelten bewusst ausklammert, ist die Darstellung der Rezeption: Souverän vermag Le Goff das machtvolle Fortwirken der mittelalterlichen Bildwelt über die Romantik bis heute zu zeigen und zu erklären, warum das Mittelalter noch immer fasziniert.

Von Manuela Ziegler

Jacques Le Goff,
Ritter, Einhorn, Troubadoure.
Helden und Wunder des Mittelalters.
Verlag C. H. Beck, München 2005,
240 Seiten, E 29,90.

Wir bedanken uns bei unserem Kooperationspartner Damals

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Erstellt: 27-01-09
Letzte Änderung: 17-02-09