- Synopsis
Eine nukleare Katastrophe hat alles menschliche Leben auf der Erdoberfläche ausgelöscht. Paris wurde ausradiert, und nur ein paar Menschen haben in den unterirdischen Gängen von Chaillot überlebt. Die „Sieger“ dieses Atomkriegs suchen nach einer Möglichkeit, die menschliche Rasse zu erhalten. Zu diesem Zweck führen sie Experimente mit Gefangenen durch und versuchen, sie in eine andere Zeit zu schicken. Ziel dieser Experimente: Abgesandte durch die Zeit zu schicken, die die Vergangenheit und die Zukunft um Hilfe für die Gegenwart bitten sollen.(Auszug aus dem Text von La jetée).
Nach zahlreichen Misserfolgen entscheiden sie sich für einen Gefangenen, der besessen ist von einer Kindheitserinnerung, dem Gesicht einer jungen Frau an einem Sonntagnachmittag an einem Flugsteig des Flughafens Orly. Es gelingt ihnen, den Geist dieses Mannes in die Vergangenheit zu schicken und ihn der Frau begegnen zu lassen, an deren Bild er sich erinnert. Im Laufe ihrer Begegnung entwickelt sich eine Liebesgeschichte zwischen den beiden.
Doch es gelingt den Menschen, die das Experiment leiten, den Geist ihres Gefangenen zu manipulieren, so dass er zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit hin und her springt. Schließlich entreißen sie ihn dieser Frau, weil sie versuchen wollen, ihn in die Zukunft zu schicken.
Der Versuch gelingt, und der Mann begegnet den Menschen in der Zukunft. Er geht über einen verwandelten Planeten, durchquert das wieder aufgebaute Paris und zehntausend unüberschaubare Straßen. Die anderen Menschen haben ihn erwartet. Es kommt jedoch nur zu einer kurzen Begegnung, da sie die Überbleibsel aus einer vergangenen Zeit offensichtlich ablehnen. Er berichtet von seinen Erlebnissen. Da die Menschheit überlebt hatte, konnte sie ihrer eigenen Vergangenheit die Mittel für deren Überleben nicht verwehren. Diesen Scheinbeweis verstanden sie als eine Maskierung des Schicksals. Man gab ihm eine Energiequelle, die ausreichend stark war, um die gesamte Industrie des Menschen wieder in Gang zu bringen. Und die Pforten zur Zukunft wurden wieder geschlossen.
(Auszug aus dem Text von La jetée)
Der Gefangene wusste, dass er nach Erfüllung seiner Mission von den Gefängniswärtern getötet werden würde. Darum hatten die Menschen, denen er in der Zukunft begegnet war, ihm angeboten, in ihrer Zeit zu bleiben. Der Gefangene bat sie jedoch, ihn in eine frühere Vergangenheit zurückzuschicken, und zwar in seine Kindheit und in die Zeit der Frau, die er liebte.
Er wurde also in seine Kindheit zurückgeschickt, auf den Flughafen Orly. Als er die Frau sieht und auf sie zulaufen will, stirbt er. In diesem Moment versteht er, dass man nicht aus der Zeit ausbrechen kann und dass dieser Augenblick, in den man ihn zurückgeschickt hatte und von dem er so besessen gewesen war, der Augenblick seines eigenen Todes war.
(letzter Satz des Textes von La Jetée)
- Zum Film
La jetée ist sehr stark von Alfred Hitchcocks Vertigo geprägt, und es gibt sogar offensichtliche Parallelen zu diesem Film, wie zum Beispiel eine Szene, die sich im botanischen Garten vor einem uralten gefällten Mammutbaum abspielt (in Vertigo deutet Madeleine auf einen gefällten Mammutbaum und sagt: „Hier wurde ich geboren und hier starb ich“).
La jetée hat selbst wiederum viele andere Regisseure inspiriert.Twelve Monkeys von Terry Gilliam (1995) ist sogar eine direkte Adaption dieses Films. Die Handlung setzt im Jahr 2035 ein; eine Epidemie, die durch einen terroristischen Anschlag ausgelöst wurde, hat die Menschheit stark dezimiert. Die Überlebenden leben unter der Erde, und ein Mann, James Cole, gespielt von Bruce Willis, wird die Versuchsperson für eine Zeitreise ins Jahr 1996. Er wird beauftragt, Informationen über die Vorbereitungen für diesen Anschlag zu beschaffen und die Katastrophe zu verhindern.- Chris Marker
Chris Marker wird 1921 in Neuilly-sur-Seine geboren. Er arbeitet zunächst als Fotograf, bevor er 1945 mit einem mit einer von André Bazin geliehenen 16-mm-Kamera gedrehten Dokumentarfilm über das Nachkriegsdeutschland ins Regiefach wechselt. 1950 arbeitet er bei dem Film Les statues meurent aussi Seite an Seite mit Alain Resnais, der vom Talent des Nachwuchsregisseurs so begeistert ist, dass er ihm den Spitznamen „Der Magier“ gibt. Zur selben Zeit schreibt Chris Marker für die Filmfachzeitschrift Cahiers du Cinéma, die damals von André Bazin geleitet wurde, der ihn den „ersten Essayisten des Kinos“ tauft. Diesem Titel macht Chris Marker während seiner gesamten Karriere als Filmemacher immer wieder Ehre, indem er zahlreiche Essays über das Kino veröffentlicht.
Chris Marker war Drehbuchautor und Regisseur bei etwa dreißig Filmen, darunter La jetée (1962), Le fond de l’air est rouge (1977), Sans soleil (1982), Le tombeau d’Alexandre (1993) und Une journée d‘Andreï Arsenevitch (2000), um nur einige zu nennen.
Chris Marker hat eine deutliche Vorliebe für jegliche Form von Revolution, die auf der Welt stattfindet, und richtet sein besonderes Augenmerk darauf. Im kommunistischen China dreht er 1956 „Dimanche à Pékin“ und unterstreicht damit, dass dies vielleicht „der Sonntag der Erde“ ist. 1958 dreht er Lettre de Sibérie in Yakutien, wo er „weder ein unabwendbares Schicksal noch Unheil“ sieht, „sondern nur Kräfte, die es zu bezwingen gilt“.
1960 dreht er in Israel Description d’un combat, einen Film, in dem man seine Sympathie für die Existenzberechtigung eines Märtyrervolkes spürt. Und in Havanna, wo seit Castro „Maschinengewehre auf den Dächern“ an der Tagesordnung sind, während die Menschen „auf der Straße tanzen“, dreht er 1961 Cuba si!.
Chris Markers Filme verbinden dokumentarische und ethnographische Elemente mit denen des avantgardistischen Films. Gleichgültig, ob er politische Konflikte analysiert, einen Künstler ehrt oder ein Land erforscht, er verbindet stets den Ansatz eines Poeten mit der Sichtweise eines engagierten Intellektuellen.
Da er stets auf der Suche nach einer geeigneten Ausdrucksmöglichkeit für seine Zwecke ist, zögert Chris Marker nicht, neue audiovisuelle Verfahren auszuprobieren. So entsteht 1990 eine interaktive Videoinstallation mit dem Titel Zapping Zone im Rahmen der Ausstellung Passages de l’image im Centre Georges Pompidou. 1997 entwickelt er die CD-Rom Immemory, mit der er den Zuschauer anhand von Texten, Bildern, Filmausschnitten, Computeranimationen sowie graphischen und musikalischen Elementen auf eine Reise durch seine Erinnerungen schickt.
In seinem Buch Chris Marker, écrivain multimédia ou Voyage à travers les médias bemerkt Guy Gautier:
„Die Filmographie von Chris Marker liest sich wie ein Schnelldurchlauf durch die Geschichte der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, ihrer Ideologien, intellektuellen Bewegungen, vor allem aber der audiovisuellen Verfahren, die in dieser Zeit entstanden sind. Von der Fotografie über sämtliche Filmformate, Video, das Fernsehen, virtuelle Bilder bis hin zur CD-Rom beschäftigte er sich stets sofort mit allen Innovationen, welche die Bilderkunst revolutionierten und ihr Fortbestehen sicherten.“







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