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Geschichte am Mittwoch, Salazar: Porträt - 22/11/05

Antonio de Oliveira Salazar

(Santa Comba Dão 1889 – Lissabon 1970)

Ursprünglich bäuerlicher Herkunft, studiert Salazar zunächst am Priesterseminar, tritt jedoch nicht in einen Orden ein, sondern wendet sich den Rechtswissenschaften zu. Als Professor für Wirtschafts- und Politikwissenschaft an der Universität von Coimbra (seit 1916) wird er 1921 zum Abgeordneten gewählt, betrachtet die parlamentarische Politik jedoch nur mit Abneigung und nimmt seinen Sitz nicht einmal in Anspruch.

  • Konservativ-autoritäre Diktatur
Nach dem Militärputsch vom 28. Mai 1926 liegt es an ihm, sein Land aus der katastrophalen wirtschaftlichen Lage zu führen. Nach wenigen Tagen zieht er sich jedoch zurück, weil man ihm uneingeschränkte Handlungsfreiheit verweigert. 1928 wird er als Finanzminister in die Regierung geholt und schafft es, den Staatshaushalt auszugleichen (zum ersten Mal seit 1854!) und die Währung zu stabilisieren. Im Juni 1932 wird er Premierminister und regiert Portugal von nun an 36 Jahre lang. Er errichtet eine konservativ-autoritäre Diktatur und ruft den „Estado Novo“, den „Neuen Staat“, aus. Eine Einheitspartei, die „Uniao Naçional“, diverse Korporationen, die Kirche, der eine privilegierte Stellung zugesichert wird, eine Armee sowie eine Geheimpolizei bilden von nun an die Grundlagen eines patriarchalischen Staatsapparates. In einem Land, das allein zwischen 1910 und 1926 nicht weniger als 16 Revolutionen erlebte, konnte sich das diktatorische Regime vor allem wegen der relativen wirtschaftliche Prosperität und der stabilen öffentlichen und sozialen Ordnung an der Macht halten.

  • Franco-Befürworter
Während des Spanischen Bürgerkrieges unterstützt Salazar Franco und steht den Einheitsambitionen der Volksfront auf der Iberischen Halbinsel äußerst skeptisch gegenüber. Er öffnet den spanischen Rebellen die portugiesischen Grenzen und lässt die Waffenlieferungen aus Italien und Deutschland passieren. Zudem wirkt die Propaganda der Franco-Anhänger auf die Portugiesen. Viele spanische Republikaner, die in der Hoffnung auf Schutz nach Portugal fliehen, werden von den portugiesischen Behörden verhaftet und verschleppt. Für Francos Sieg 1939 ist Salazars Unterstützung in den ersten sechs Monaten des Konfliktes von entscheidender Bedeutung.

  • Neutralität
Während und nach dem Zweiten Weltkrieg bemüht sich Salazar darum, das traditionelle Bündnis Portugals mit Großbritannien aufrecht zu halten.
Nachdem er 1939 die Neutralität Portugals verkündet hatte, stellt er den Alliierten 1943 die Azoren als Militärbasis zur Verfügung. Auf welcher Seite er jedoch wirklich steht, bleibt unklar. Den Achsenmächten zugeneigt, versorgt er die Kriegsindustrie der Nazis mit seltenen Metallen, besonders mit Wolfram. Als Hitler 1945 Selbstmord begeht, sitzen Portugals Flaggen auf Halbmast … Vor der Kulisse des Kalten Krieges treten die internationalen Vorbehalte gegen Franco, „den Feind des Kommunismus“, in den Hintergrund, und Salazar kann sich ganz offen für die Miteinbeziehung Spaniens in den Marshall-Plan (1947) einsetzen. Salazar will aus der Iberischen Halbinsel eine einheitliche Verteidigungszone machen und besteht deshalb sofort nach der Aufnahme Portugals 1949 ins Atlantikbündnis vehement auf derjenigen Spaniens – jedoch ohne Erfolg.

  • Anti-Modernität
Obwohl das moderne internationale Recht die Unabhängigkeit ehemaliger Kolonien zum Ziel hat, hält Salazar als Gegner jeglicher Entkolonisierung kategorisch an den portugiesischen Kolonien fest und stürzt damit Portugal 1961 mit Angola, 1963 mit Guinea-Bissau und 1964 mit Mosambik in den Krieg. Diese afrikanischen Unruheherde bleiben über den Tod Salazars hinaus Relikte einer autoritären und absolut antimodernen Diktatur. Die Präsidentschaftswahlen von 1958, bei denen die Opposition General Humberto Delgado als Kandidaten aufstellt, kennzeichnen den Anfang einer innenpolitischen Krise. Mehr aus symbolischen als aus realistischen Gründen führt Salazar Reformen durch. Die Methoden der Regierung ändern sich allerdings nicht - im Gegenteil: Die politische Repression erreicht 1965 mit der Ermordung von Humberto Delgado, der zum Symbol der anti-salazaristischen Opposition geworden war, und seines Sekretärs durch die portugiesische Geheimpolizei ihren Höhepunkt.

Im September 1968 erleidet Salazar einen Schlaganfall und er übergibt die Führung der Staatsgeschäfte seinem ehemaligen Mitarbeiter Marcello Caetano. Das Land ist politisch isoliert und wirtschaftlich geschwächt. Salazars Regime wird 1974 von der Revolution gestürzt.

Erstellt: 21-11-05
Letzte Änderung: 22-11-05