Mit Philippe Harel, Jose Garcia, Philippe Bianco, Cathérine Monchet, Cécile Reigher
- Synopsis
Ein Softwarespezialist Anfang 30 führt ein einsames Singledasein. Er fährt für einige Wochen mit seinem Kollegen, dem 28-jährigen Loser Tisserand auf Geschäftsreise, was ihm seine Einsamkeit noch viel plastischer und drastischer vor Augen führt.
- Der Kommentar zum Film
Dem französischen Regisseur Philippe Harel gelingt es ausgezeichnet, die melancholische, leicht verbitterte, etwas zynische Stimmung des namenlosen Helden des Buches von Michel Houellebecq einzufangen, die dessen Debütroman zu einem der besten Bücher der 90er Jahre werden ließ. Gemeinsam mit dem scheuen Autor Houellebecq schrieb Harel das Drehbuch und spielte auch noch die Hauptrolle. Mit minimalem Mienenspiel schaut der Held fast teilnahmslos auf sein Leben, das zwar direkt vor ihm liegt, sich aber kaum greifen lässt. (Off-Ton: „Die Ausweitung der inneren Leere nimmt zu – als würde man in einem leeren Raum hängen, von jeder wirklichen Handlung gleich weit entfernt.“) Anfangs stellt sich seine innere Stimme, die als Off-Monolog über den Bildern liegt noch zahlreiche Fragen. Woran es etwa liegt, dass die Frauen vor ihm fliehen, wenn er sie ansieht? Empfinden sie seinen Blick als flehend? Als jähzornig? Als pervers? Er findet keine Antworten. Bald stellt er sich die Fragen nicht mehr, findet sich ab mit seinem Leben ohne Sex. Vor zwei Jahren war er zum letzten Mal mit einer Frau zusammen. Seine innere Verbitterung wächst. Als er mit seinem Kollegen, dem Loser Tisserand – der mit 28 Jahren noch immer Jungfrau ist – auf mehrwöchige Geschäftsreise gehen muss, führt dieser ihm sein eigenes Versagen plastisch vor. Er kann nicht ausweichen, muss sich seinem eigenen Problem erneut stellen.
Regisseur Harel findet für diese zumeist inneren dramatischen Vorgänge eine passende visuelle Umsetzung. In entsättigten Farben, mit ruhiger Kameraführung (der Kameramann von den Bergman-Filmen, Sven Nykvist zeichnet verantwortlich) treibt der Film ganz gemächlich seiner unaufhaltsamen Entwicklung – dem Abgrund – zu. Die Ausweitung der Kampfzone schreitet für den namenlosen Helden stetig voran – doch im Gegensatz zu Tisserand kämpft er nicht einmal. Dieser macht sich zwar ständig lächerlich, etwa vor den Mädels im Club, mit denen er gerne tanzen würde – doch immerhin versucht er es. Währenddessen macht sich „unser Held“ abstrakte bis philosophische Gedanken darüber, dass der Wirtschaftsliberalismus und sexueller Liberalismus letztlich die gleiche Sache seien, um sich anschließend auf dem Klo zu übergeben.
Ab und zu schneidet Harel Hardcore-Porno-Szenen zwischen seine Handlung, den Gedankengängen des Helden folgend. Diese wirken nie erotisch, sie reduzieren Sex auf seine reine Mechanik. Die Entfremdung des Helden von seinem Körper, von Sex ist weit vorangeschritten. Erst will er Tisserand zum Mord anstiften, später lernt er von ihm das Kämpfen. Selbst für den namenlosen Helden ist es nicht zu spät, die Hoffnung stirbt zuletzt.
Nana A.T. Rebhan






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Hervorragende Literaturverfilmung
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