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Filmfestival

Vom 7. bis 17. Februar findet die diesjährige Berlinale statt, Stars und Sternchen aus dem Filmgeschäft geben sich die Ehre am Potsdamer Platz.

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Filmfestival

Vom 7. bis 17. Februar findet die diesjährige Berlinale statt, Stars und Sternchen aus dem Filmgeschäft geben sich die Ehre am Potsdamer Platz.

Filmfestival

Internationale Filmfestspiele Berlin 2008 - Wettbewerb - 01/09/08

Avaze Gonjeshk-Ha

Ein Film von Majid Majidi


„Lied der Spatzen“, Wettbewerbsbeitrag des Iraners Majid Majidi, erzählt in poetischen Bildern vom Rollenverständnis eines Arbeiters im ländlichen Iran von heute.

Synopsis: Der dreifache Familienvater Karim hat sein Auskommen als Arbeiter auf einer Straußenfarm. Seine Existenz gerät ins Wanken, als eines der wertvollen Tiere entflieht und er dafür verantwortlich gemacht wird. Nun versucht er, sich und seine Familie im Moloch Teheran als Motorrad-Taxifahrer über Wasser zu halten. Der Spagat zwischen wirtschaftlichen Zwängen und seelischen Mangelerscheinungen wird für ihn zunehmend zur existentiellen Belastungsprobe.

Kritik: Ein Ballett stolz nach oben gestreckter Straußenhälse steht am Anfang des Films des Iraner Majid Majidi – ein seltsames, nie gesehenes Bild voller Anmut - welches die Hauptfigur Karim mit uns, dem Berlinale-Publikum teilt. Es steht auch für die Verwurzelung eines in die Jahre gekommenen Mannes mit der ihn umgebenden Natur, vom Einssein mit seiner Rolle als Ernährer und patriarchalisches Familienoberhaupt. KARIN (Reza Naji), ein durchaus repräsentativer Vertreter der in bescheidenen Verhältnissen lebenden iranischen Arbeiterklasse, übt diese Rolle ebenso streng wie zärtlich aus: als er erfährt, dass das Hörgerät der ältesten Tochter in einen Brunnen gefallen ist, setzt er alle Energien in Bewegung, damit dieses zum bevorstehenden Examen wieder funktionstüchtig ist. Doch ein Malheur folgt schnell das nächste – Karim verliert seinen Job, weil er schuld daran sein soll, dass ein Strauß entlaufen ist. Wie soll Karim nun bloß an die 400 Dollar Kommen, um seiner Tochter eine bessere Zukunft zu ermöglichen?

Wie in seinem letzten, Oscar® nominierten Film „Kinder des Himmels“, in dem sich ein Geschwisterpaar ein einziges Paar Schuhe teilen muss, gilt Majids ganze Aufmerksamkeit den Nöten der kleinen Leute. Dabei richtet er seinen Blick wieder auf die Kinder, die anders als die im täglichen ‚Survival-of-the-Fittest’-Kampf gefangenen Erwachsenen ihre Träume noch nicht begraben haben. Wie in diesem Fall Karims Sohn, der davon träumt, in dem Brunnen, in dem das Hörgerät der Schwester kaputt ging, Goldfische zu züchten – um es damit, wie er sagt, zum Millionär zu bringen. So naiv dieses Ziel zu sein scheint, so hartnäckig behauptet der Sohn seinen Traum gegenüber dem immer mehr im Existenzkampf versinkenden Vater.

Majidi ist alles andere als ein Schwarzmaler, der in der Tradition des italienischen Neorealismus das Scheitern der Arbeiterklasse im Zeitalter der Landflucht durchexerziert. Er ist ein fantasievoller Pädagoge hinter der Kamera, der zwischen den unterschiedlichen Gesellschaftsschichten vermitteln will – indem er mit poetischen, suggestiven Bildern die Fragilität des Zusammenlebens auf dem Land aufzeigt und sie der Überforderung des Einzelnen inmitten der Anonymität der heutigen Gesellschaft mit ihren absurden Dauerwettrennen gegenüberstellt. Wir alle sind auf die Gemeinschaft angewiesen, allein und unsolidarisch können wir unmöglich überleben, so seine Botschaft.

Karims unausweichlicher Zusammenbruch als rasender Motorradtaxler bedeutet für ihn auch die Chance eines Neuanfangs, der Besinnung auf das Wesentliche. Was ihn in seinem Innersten zusammenhält, begreift Karim von seinem Bettlager aus, ist die Solidarität seiner Nächsten und der Reichtum des Lebens direkt vor seinen Augen.

Martin Rosefeldt
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Avaze Gonjeshk-ha
The Song Of Sparrows
Iran, 2008, 96 Min.
Regie: Majid Majidi
Darsteller: Reza Najie, Maryam Akbari, Kamran Dehghan, Hossein Aghazi

Erstellt: 08-02-08
Letzte Änderung: 01-09-08