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Im Gespräch mit... - 08/02/08

Axel Prahl

Interview: Jana Idris


Liebenswerter Loser
Der erfolgreiche Schauspieler spricht über seine Rolle in Hartmut Schoens „Der Grenzer und das Mädchen“ (auf ARTE am 16. 2. 2008), den Reiz von Verliererfiguren sowie seine Sicht auf Grenzüberschreitungen.

© WDR/CineCentrum Berlin
Ob als wortkarger Kommissar Thiel im Münsteraner Tatort, leidenschaftlicher Darsteller auf der Bühne oder authentischer Schauspieler im Film: Der mit dem Adolf-Grimme-Preis sowie dem Preis der deutschen Filmkritik ausgezeichnete Axel Prahl gehört nicht nur zu den beliebtesten deutschen Darstellern, er verkörpert in seinen Filmen immer wieder den klassischen Verlierertypen. Anlässlich der Ausstrahlung des Films „Der Grenzer und das Mädchen“ am 16. Februar auf ARTE sprach das ARTE Magazin mit dem 47-Jährigen.

ARTE: Herr Prahl, in „Der Grenzer und das Mädchen“ spielen Sie den spröden deutschen Grenzbeamten Hans-Werner Müller, der die polnischen Kollegen bei der Sicherung der Grenze zur Ukraine auf EU-Stand bringen soll und sich in die ukrainische Schlepperin Lippa verliebt. Die EU-Ost-Erweiterung ist ein hochaktuelles Thema.
Axel Prahl: Die weitere Öffnung der Grenzen durch das Schengener Abkommen. Ja, das ist natürlich einerseits löblich. Andererseits hat sich die eigentliche Grenzproblematik aber nur verschoben. Und das Thema, das der Film letztlich behandelt, ist ja, dass die Deutschen nach Polen zogen, um den Polen beizubringen, wie man im europäischen Sinne die Grenze zu führen hat.

ARTE: Hans-Werner Müller wirkt in seiner Rolle als Grenzer etwas verloren und eher unglücklich …
Axel Prahl: Bei ihm kommt natürlich auch die grauenvolle familiäre Situation dazu. Er wurde an die polnisch-ukrainische Grenze versetzt und fühlt sich dort einsam. Vor allem, weil er weiß, dass seine Frau Claudia ihn verlassen will. Er muss an zwei Fronten kämpfen.

ARTE: Müller ist ordnungsbewusst und gleichzeitig rebellisch. Er liebt die brave Deutsche Claudia, aber fühlt sich auch von der extrovertierten ukrainischen Schlepperin angezogen. Wie erklären Sie sich das?
Axel Prahl: Müllers Problem ist eigentlich seine insgeheim tiefe Sehnsucht nach einem Abenteuer, das sich ihm erst durch die Situation an der Grenze eröffnet. Vorher hätte er diese Situation wohl nie kennengelernt, weil er mit Vorurteilen behaftet war.

© WDR/Marc Meyerbroeker
ARTE: „Der Grenzer und das Mädchen“ hat 2005 den europäischen CIVIS-Preis für Integration bekommen. Inwiefern kann der Film die interkulturelle Verständigung fördern?
Axel Prahl: Ich befürchte, dass der Film in der Ukraine oder Russland nie gezeigt werden wird. Prinzipiell könnte er ein gegenseitiges Verständnis bewirken und dazu beitragen, Vorurteile abzubauen.

ARTE: Hans-Werner Müller kann sich trotz Uniform nicht richtig durchsetzen. Spielen Sie gerne den liebenswerten Loser?
Axel Prahl: Eine gebrochene Figur ist immer interessanter, weil sie meist eine Wandlung vollzieht und man sie dabei begleitet. Donald Duck ist das Paradebeispiel des sympathischen Verlierers. Zudem mag ich es generell doppelbödig, denn kein Mensch ist geradlinig.

ARTE: Sie haben Ihre Schauspiellaufbahn im Theater begonnen. Was bedeutet Ihnen die Bühne?
Axel Prahl: Das Theater ist etwas, was ich auf gar keinen Fall missen möchte. Es ist für mich die Grundlagentechnik und bietet mir die Möglichkeit, eine Rolle in einer Tiefe auszuloten, für die ich beim Film äußerst selten die Zeit habe.

ARTE: Sie sind Schirmherr von IKARUS und zeichnen mit diesem Preis herausragende Inszenierungen im Kinder- und Jugendtheater aus. Weshalb engagieren Sie sich in diesem Bereich?
Axel Prahl: Naja, was Hänschen nicht lernt … Wenn man Kinder, die sich relativ leicht für dieses Genre begeistern lassen, nicht früh ans Theater heranführt, ist es irgendwann zu spät. Das Jugendtheater ist zudem eine ganz eigenständige Kunstform mit einem sehr gnadenlosen Publikum. Das ist eine besondere Herausforderung. Bei einem Auftritt wurden wir auch schon mit Gummibärchen beworfen.

ARTE: Am Berliner GRIPS-Theater haben Sie bereits oft vor jungem Publikum gestanden. Welche Themen behandeln Sie dort?
Axel Prahl: Da war zum Beispiel ein sehr schönes Stück namens „Vorsicht Grenze“. In dem Stück geht es um einen einsamen Grenzbeamten, über dessen Grenze keiner gehen will. Da kommt eines Tages ein kleines Mädchen zu ihm, das die Grenze nicht versteht. Am Ende finden beide eine Lösung, wie die Grenze beachtet und dennoch überwunden werden kann. b

Das Interview führte Jana Idris für das ARTE Magazin.

ARTE PLUS
AXEL PRAHL: geb. 1960 in Eutin, Schleswig-Holstein; Musik- und Mathematikstudium; Besuch der Schauspielschule Kiel; u.a. Engagements am GRIPS-Theater und Deutschen Theater Berlin
FILMOGRAFIE (Auswahl):
„Du bist nicht allein“ (2007, Kino); „Der Grenzer und das Mädchen“ (2005, TV); „Willenbrock“ (2004, Kino); „Halbe Treppe“ (2002, Kino);, „Die Hoffnung stirbt zuletzt“ (2001, TV); „Die Polizistin“ (2000, Kino); seit 2002 Tatortkommissar
LINK: www.axelprahl.de

Erstellt: 08-02-08
Letzte Änderung: 08-02-08