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Tracks, das Magazin für Popkultur ! Themenvorschau und Archiv, Bonusmaterial und Links zu den Themen der Sendungen.
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Ausstrahlung am 06. Juni 2003 um 19.00 Uhr
Redaktion: ZDF, Kobalt
Backstage - Arabische Musikszene
Naher Osten? - Da denkt der Europäer direkt an Krieg, und Fundamentalisten, - an Terror und Menschenrechtsverletzungen. Kurz: an eine notorische Krisenregion. - Und wie steht's mit der Musik? - Fehlanzeige! - Zugegeben: Für's westliche Ohr wirkt er oftmals schräg und schrill - der arabische Sound. Aber zwischen großer klassischer Tradition und Oriental Pop hat sich eine spannende Musikszene im Nahen Osten gebildet.
Dazu gehört die libanesische Band Soapkills, längst Kult in Beirut. Ihre Musik: Eine Verbindung aus elektronischem Sound mit arabischem Klangerbe. - "Trip Hop à l'Oriental".
Zaid / Soap-Kills
Der Libanon ist ein Mix aus so vielen Kulturen. Wir sprechen arabisch, hören englische Musik und lernen Französisch in der Schule. Unsere Musik ist nur ein Ausdruck von dem, was wir täglich leben - ganz natürlich und ohne den Versuch, zu mixen. Ich höre Bands wie Radiohead, Portishead, ABBA oder auch Kraftwerk. Aber gleichzeitig höre ich auch Umkulzum, Asmahan oder Ombrediab, wenn ich gerade in ein Taxi springe.
Iraks Popstar Nr. 1 Kazem Al Saher trifft Lenny Kravitz. Und raus kommt ein Antikriegssong. - Traurig nur: Eine der wenigen musikalische Kooperation zwischen Westen und Nah-Ost. Erst der Irak Krieg machte es möglich.
Den Spagat zwischen Orient und Okzident schaffen nicht viele. Sie schon: Natacha Atlas. Eine der wenigen Musikerinnen, die auch international Erfolg hat. Sie selbst ist so multikulturell wie ihre Musik: ägyptische Vorfahren, aufgewachsen in Brüssel und London. Heute lebt sie in Kairo.
Natacha Atlas
Viele meiner Fans sind junge, arabische Frauen. Für sie bin ich die Verkörperung zweier völlig gegensätzlicher Seiten - allein schon, weil ich diese unterschiedlichen Wurzeln in mir vereine. Außerdem symbolisiere ich für sie die Dualität der Frau von heute, nämlich: unabhängig und stark, dabei aber weiblich zu sein.
Der Mainstream Pop beherrscht die Charts in den Zensur-freieren Staaten. Vor allem aus dem Libanon und den Emiraten am Golf werden immer mehr arabische Musikprogramme per Satelliten-TV gesendet. Die Videoproduktion boomt. Und man staune: Auch der Orient sucht den Superstar. Mehr als 8000 Bewerber - aus Syrien und Kuwait, aus dem Libanon und Ägypten - sogar aus dem Irak; ob Christ oder Moslem. Eine Fernsehshow steht für den Aufbruch einer ganzen Generation - ein Bruch von Tabus und Konventionen.
Wer Arabiens Superstar wird: Die Entscheidung fällt diesen Monat.
Trotz Pop-Musik-Hype: Die arabische Klassik ist weiterhin populärer Bestandteil der Musikszene des Nahen Ostens. Künstler wie Ilham Al-Madfai nehmen eine Mittlerrolle zwischen traditionellen und neuen Musikstilen ein.
Ilham Al Madfai
Ich nenne meine Musik "Die Musik der Erde", weil sie so authentisch ist. Wir Iraker sind nie in politische Dinge mit einbezogen worden. Deshalb sind wir immer die Verlierer. Ich habe soviel Zeit in diesem Teil der Welt verloren. Wer Kritik üben wollte, hätte sich einen guten Ort suchen müssen, an dem Demokratie herrscht und wo Menschen Ideen austauschen können. Und ehrlich gesagt, ich wollte es nicht darauf ankommen lassen. Wenn man den Krieg im Irak betrachtet - dieser Krieg war in uns 40 Jahre lang und hat praktisch die ganze Kultur ruiniert.
Erstellt: 27-05-04
Letzte Änderung: 03-06-03