Videoausschnitte der Reportage
Mitte der neunziger Jahre schwappte die DJ-Culture von Europa nach Indien über, und verwandelte die paradiesischen Strände von Goa in ein Mekka des Trance-Techno. Doch heute begnügen sich die Zauberer an den Turntables nicht mehr damit, unsere Sounds nachzuäffen, zu vielfältig ist dafür die Musik-Kultur im eigenen Land.
Der absolute Renner: Songs aus Bollywood-Klassikern, mit modernen Beats getunt. Einer der Ersten, der dafür den Mixer misshandelte: Harry Anand. Harry ist der Guru des Remix. In den Remixes made in Bollywood ist der Einfluss von MTV Asia deutlich zu spüren. Mit 25 Alben in den Charts, wovon sich das letzte über drei Millionen mal verkaufte, ist Harry ein Superstar, der durch die ganze Welt tourt.
Bhappi Lahiri gehört zu den Mitbegründern des indischen Electro und ist bereits seit 1972 im Geschäft. Schon mit 14 Jahren war er verantwortlich für die Musik in einem Bengali-Schinken. Die Achtziger Jahre waren der Höhepunkt seiner Karriere, als er, vom Gezappel der Bee Gees und John Travolta angeturnt, den Disco nach Indien importierte. Noch heute ist Bhappis Lebenslauf ein Vorbild für die neue Generation von DJs.
Masta Justy ist Teil eines Kollektivs von Djs, Künstlern und Organisatoren von Underground Parties in Bombay. Wie viele seiner Kollegen, findet Masta seine Inspiration in alten Vinyl Scheiben, die er in den Flohmärkten der Stadt ausgräbt, wie hier, dem Choor Bazar. Die Soundtracks der Bollywood Streifen stehen den Bildern in nichts nach. Wie in den schrägen Musical-Orgien Indiens üblich, wird einfach alles zusammengepanscht. Ein wahre Goldgrube in der sich die modernen Remixer austoben.
Masta Justy: "Ich besorge mir die Soundtracks von alten Streifen und Sample daraus Dialoge und Tabla-Rhythmen. Die mixe ich dann mit Breakbeats und elektronischen Sounds. Die Inder sind sehr sentimentale und emotionale Menschen. Also, so lange du einen Song über die Liebe schreibst oder etwas total trauriges, fahren sie garantiert drauf ab."
In einer kleinen Seitenstraße von Bombay produziert Pappu seine Jhankar Beats. Zur Musik aus alten Filmen auf analoger Kassette, mixt er digitale Beats aus dem Drumcomputer, die er in Echtzeit auf seinen Drumpads einspielt. Während in unseren Breitengraden ganze Songs gemütlich auf dem Flachbildschirm entstehen, legen die Soundtüftler in Indien Wert auf Handarbeit. Da muss schon mal der Equalizer eines Autoradios herhalten, dessen Platine vorher umgelötet wurde. Schon für ganze drei Euro zaubert Pappu euch eine Compilation eurer zehn Lieblingssongs. Obwohl Urheberrechtlich völlig illegal, fahren besonders die Rickshaw Fahrer total auf den Sound ab. In Bombay erkennt man ein gutes Taxi an seiner Soundanlage. Hier steht der Umsatz im direkten Verhältnis zum Disco-Feeling.
Taxifahrer: "Ein Rickshaw-Fahrer kann es sich nicht leisten, in Clubs zu gehen. Deswegen ist das Taxi seine Diskothek."
Harry Anand
Bhappi Lahiri
Masta Justy
Pappu
DJ Pearl gehört zu den wenigen Frauen die sich in dieser Männerbranche durchgemixt haben.
Notorious - Ruhm erlangte Notorious in Fernsehshows, dank seiner Verrenkungen hinter den Turntables.
Links
>> Harry Anand - Hörproben - http://www.musicindiaonline.com
>> Weiter Hörproben - http://store.indiatimes.com/music/
>> Suraksha, the movie - http://www.thehotspotonline.com
>> Jhankar Beats - http://www.chennaionline.com
>> Pearl of a DJ - http://www.hindu.com/
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TRACKS
Eine Reportage von Aldo Lee, JIGSAW company
Donnerstag, den 14. Oktober 2004 um 23.35 Uhr
Wiederhol. am Samstag, den 16. Oktober um 17.45 Uhr
Redaktion: ARTE France, Program33
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