Dahinter steckt der Rapper Kalusha.
Kalusha: "Ja natürlich die Kugel. Ich muss dazu sagen ich hab noch nie ne echte Schusswaffe besessen und hab noch nie jemanden abgeknallt, würde ich auch nie tun, aber die Kugel passt zu den Texten und haben wir dazu gepackt um es spektakulärer zu machen auf jeden Fall."
Kalushas Geschichte ist echt. Der 23jährige Rapper sitzt wegen Raubüberfall in Berlin im Knast, sein Album hat er während seiner Freigang-Tage aufgenommen. Jetzt nutzt er seine Misere, um sich ins Gespräch zu bringen und findet nichts dabei. Kriminalität als Marketing-Tool - auch Kalushas Manager findet das völlig OK.
Jochen Kühling: "Ich glaube in der Musikindustrie ist viel zu oft Marketing für Sachen verschwendet worden die es inhaltlich gar nicht rechtfertigen. Es wurde soviel kreiert und Rhetorikkurse, bis Bands das sagen was Fans wollen. Schon fast Schimpfwort in Musikbiz und ich denke wir haben nichts zu erfinden. Wir nehmen das was ist und versuchen das verständlich zu machen und anderen nahe zu bringen."
Bloodhound Gang und ein Schnapshersteller
Als Band muss man sich heutzutage eben einiges ausdenken, um im Gespräch zu bleiben. Vielen ist es dabei ziemlich egal, wer die Eigenpromo finanziert und ob es noch irgendetwas mit der eigenen Musik oder Biographie zu tun hat. Eindrucksvoll demonstrierte das die "Bloodhound Gang" mit einer Strandparty. Hier promoten sich die US-Rüpelrocker gemeinsam mit einem Schnapshersteller auf dem tätowierten Rücken junger Mädchen. Gesucht wird das schönste Arschgeweih - 45 Mädels präsentieren freiwillig und freizügig ihre Tattoos. Die Boulevardpresse ist zahlreich erschienen - nackte Haut verkauft sich und die "Bloodhound Gang" als Juroren ebenfalls. Denen kommt der Klamauk ganz gelegen: seit fünf Jahren haben sie keine neue Platte gemacht, ihr Vertrauen in Plattenfirmen ist gering, sie schätzen die Zusammenarbeit mit der Schnapsfirma.
Bloodhound Gang: "Die Verträge sind sehr genau. Man bekommt 100.000 Euro, um am Sonntag vorbei zu kommen und 3 Stunden lang die Tattoos von Mädchen zu bewerten. Es ist viel besser als eine Plattenfirma, denn eine Plattenfirma verarscht dich nur."
Werden Markenartikler bei der Finanzierung von Bands bald die Plattenfirmen ersetzen?
So altruistisch sind die Verträge aber gar nicht: der Markenartikler lässt die Band nicht nur Mädels begutachten und Schnaps trinken, er sichert sich auch Rechte an ihren Songs , um daraus Klingeltöne zu machen. Ein ungewöhnliches Investment für eine Schnapsfirma, aber ein Beispiel, das Schule machen könnte, denn in harten Zeiten ist es vielen Gruppen egal, wer sie bezahlt.
Werden Markenartikler bei der Finanzierung von Bands bald die Plattenfirmen ersetzen? Eine Entwicklung, die den Major Labels angesichts der ohnehin schon riesigen Krise den Angstschweiss ins Gesicht treiben dürfte. Thorsten König ist Chef der internationalen Abteilung beim Plattenmulti Universal und somit auch der Plattenboss der "Bloodhound Gang". Er glaubt nicht, dass Geld allein reicht, um eine Band an sich zu binden.
Thorsten König: "Sie ersetzen dadurch mitnichten, dass jemand sich mit Band auseinandersetzt, ihnen beim texten hilft, beim Songwriting, der Komposition, Produktion. Sie geben den Künstlern auch kein Geld für Proberäume, Aufnahmen, Studioräume. Also der Weg, dass Konzerne als Konkurrenz zur Plattenfirma gesehen wird ist noch ein sehr sehr weiter."
Blixa liest Hornbach
Trotzdem: Die Berührungsängste mit der Industrie werden immer geringer. Nicht nur bei Mainstream-Bands. Bestes Beispiel : Die Einstürzenden Neubauten - Deutschlands krasseste Avantgarde-Band der Achtziger. Sogar ihr Frontmann wagt den Spagat. Sänger Blixa Bargeld verkauft sich an die Industrie, allerdings ohne sich zu prostituieren. Er verdient sich zusätzliches Bargeld als Werbeträger für einen deutschen Baumarkt. Exklusiv auf dem Musik-Kanal VIVA deklamiert er das Kleingedruckte aus dem Heimwerker-Katalog: Nicht peinlich, sondern Dada, eine Kunstform für sich. Auf bizarre Weise passt das Produkt sogar zur Band. Früher zerlegten die Neubauten Schlagbohrmaschinen, jetzt bewirbt Bargeld sie - Marketing als Kunstform, er findet es OK.
Blixa Bargeld: "Das ist nicht meine Idee gewesen, aber ich fand die Idee gut und deswegen hab ich es gemacht. Wenn ich nicht vorher auf ähnlich seltsame Art und Weise mit Texten verfahren wäre, dann hätte ich wahrscheinlich auch nicht die Möglichkeit gesehen, dass man es machen kann."
Marketing als Überlebens-Chance - angesichts der Krise der Musikindustrie bleibt Bands und Labels nichts anderes übrig. Tracks fürchtet: Der Arschgeweih-Contest war erst der Anfang.
>> Jägermeister und die Bloodhound Gang jagten nach der schönsten „Miss A****-Geweih" - http://www.backstage7.de/ankuendigung/rock_liga/index2.htm
>> Bloohound Gang bei Jägermusic.com - http://www.jagermusic.com
>> Kalusha - http://www.kalusha.de/
>> Blixa liest Hornbach - Alle Spots von Blixa Bargeld - http://www.viva.tv/blixa.php
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TRACKS
Eine Reportage von Birgit Herdlitschke
Donnerstag, den 16. September 2004 um 23.15 Uhr
Wiederhol. am Samstag, den 17. September um 17.45 Uhr
Redaktion: RB, Kobalt
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