Kritik: Der südkoreanische Regisseur Park Chan-wook macht es weder sich noch seiner Fangemeinde einfach. Nach seiner allseits sehr geschätzten Rache-Trilogie ("Sympathy for Mr. Vengeance", "Old Boy" und "Sympathy for Lady Vengeance") schockte er seine Fans, indem er mit "I'm a Cyborg, But That's OK" das Genre wechselte und eine versponnene, sympathische Geschichte aus einer geschlossenen Anstalt erzählte. Nun überrascht er mit seinem neuen Film "Thirst" mit etwas völlig Anderem.
Park Chan-wook findet eine schöne Analogie, wenn er seine letzten fünf Filme mit einem Menü: vergleicht: Die Rache-Trilogie sind die drei Hauptgänge, "I'm a Cyborg, But That's OK" ist das Dessert und "Thirst" entspricht der Rechnung.
Tatsächlich ist "Thirst" eine Art Abrechnung, nicht nur eine Vampir-Romanze, wie man dies auf den ersten Blick vermuten könnte. Immerhin wird Sang-hyun zu Beginn als selbstloser Mensch eingeführt, ein Vorzeige-Priester der katholischen Kirche. Dass ausgerechnet dieser sich nun zu einem Vampir mit gleich vielerlei Gelüsten verwandelt ist sicher kein Zufall.
In Zeiten der Rezession treibt das Vampirfilmgenre stets neue Blüten. Den Anfang setzte Murnau mit seinem großartigen expressionistischen Film "Nosferatu" (1922) mit Max Schreck in der Hauptrolle. Damals war der Vampir noch zahm und zumindest in erotischer Hinsicht geradezu jungfräulich, in den 70er Jahren durfte Klaus Kinski in Herzogs Verfilmung "Nosferatu - Phantom der Nacht" (1979) dann endlich voll offensichtlicher Leidenschaft zubeißen.

Südkorea 2009, 133 Min.
Regie: Park Chan-wook
Mit Eriq Ebouaney, Kang-ho Song, Ha-Kyun Shin, Mercedes Cabral, Ok-bin Kim
Offizieller Wettbewerbsbeitrag

Park Chan-wook schlachtet gerade die sexuelle Konnotation des Vampirmythos genüsslich aus - und stößt dabei an Grenzen der koreanischen Freizügigkeit - der Film ist in seinem Entstehungsland erst ab 18 Jahren frei gegeben. Eine ganz kurze Szene, in der man das Geschlechtsteil des Hauptdarstellers – Song Kang-ho ist einer DER Stars des koreanischen Kinos - für einige Sekunden sieht, hat für grosses Aufsehen gesorgt. Über exzessive Gewaltszenen würde sich dort niemand so schnell beschweren - aber das ist ein ganz anderes Thema.
Visuell ist "Thirst" extrem verlockend, und trägt deutlich die Handschrift seines Regisseurs. Die schwebende, sich stets langsam auf die Figuren zu bewegende Kamera entwickelt eine Art Sog, von dem man sich gerne mitnehmen lässt. Jedes einzelne Bild wirkt gut komponiert, besitzt eine Stimmigkeit und Harmonie, die einen spannenden Kontrast zur Handlung bietet. Die Geschichte selbst ist mit ihren 133 Minuten etwas zu lang geraten, aber die Hauptfiguren sind prominent besetzt und gut gespielt.
Nana A.T. Rebhan







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