Gesamtspielzeit: 598’ (23 x 26’), 16:9, Farbe
Sprachen: Deutsch, Französisch, Englisch (Dolby 2.0)
DVD 1: Walter Gropius: Das Bauhaus in DessauAlvaro Siza: Die Architekturfakultät Porto
André Godin: Das Familistère von Guise
Jean Nouvel: Nemausus 1 – sozialer Wohnungsbau der 80er Jahre
Richard Rogers & Renzo Piano: Das Centre Georges Pompidou
Otto Wagner: Die Postsparkasse Wien
DVD 2: Frank Lloyd Wright: Das Johnson-Verwaltungsgebäude
Emmanuele Rocco: Die Galleria Umberto I
Santiago Calatrava: Satolas TGV – Der Bahnhof auf dem Land
Peter Zumthor: Die Felsentherme von Vals
Félix Duban: Die Pariser Kunsthochschule
DVD 3: Daniel Libeskind: Das Jüdische Museum in Berlin
Charles Garnier: Die Pariser Opéra Garnier
Le Corbusier: Das Kloster La Tourette
Antoni Gaudí: Die Casa Mila
Sullivan & Adler: Auditorium Building
Alvar aalto: Das Gemeindezentrum von Säynätsalo
DVD 4: Claude-Nicolas Ledoux: Die Saline von Arc-et-Senans
Pierre Chareau: Das Glashaus
Frank O.Gehry: Bilbao Guggenheim Museum
Jean Prouvé: Das Haus von Jean Prouvé
Toyo Ito: Die Sendaï-Mediathek
Die Abtei Sainte Foy de Conques
Was ist Architektur? Wenn eine Reihe von funktionalen und ästhetischen Anforderungen an Bauauftrag und Standort zusammenwirken und ein komplexes Ganzes schaffen. So etwa formulierte der Architekturexperte und Filmemacher Richard Copans jene während der Dreharbeiten zu seinem ersten Film über ein Rem-Koolhaas-Privathaus gewonnene Erkenntnis, der ihn bei der Konzeption seiner Reihe über berühmte Bauwerke des 19. Und 20. Jahrhunderts inspirierte. Zusammen mit dem Musée d’Orsay, dem Centre Georges Pompidou, dem Louvre, dem französischen Architektur- und Denkmalamt hatten Copans und sein Partner Stan Neumann ihre Reihe von Architekturfilmen entworfen, die das Erfolgsrezept einer anderen ARTE-Reihe aufgreifen sollte – „Palettes“, jener Serie über berühmte Gemälde, die nicht nur das Kunstwerk selbst, sondern auch der historische Kontext, das Leben des Malers, die Maltechniken, die Probleme der Komposition, die Symbolik usw. beschrieben wurden.
Doch wie sollte man diese Herkulesaufgabe angehen? Wie den Begriff ‚Modernität’ definieren, entlang welcher Kriterien die Auswahl der Gebäude treffen, die Länder, in denen gefilmt werden sollte? Die Baukunst-Reihe geht einen sehr geschickten Mittelweg, der einerseits dem Qualitätsmaßstab Rechnung trägt, nur bekannte Architekten und ihre herausragendsten Arbeiten zu porträtieren, diesen andererseits aber nicht automatisch mit Großaufträgen gleichsetzt, die meist in Verbindung mit Museumsneubauten oder anderen monumentalen Prestigeprojekten vergeben wurden. So finden sich in der Reihe auch das unter bescheidensten Umständen zusammengebaute Fertighaus der Familie Prouvé, das der Architekturautodidakt Jean Prouvé nach der Pleite seines Aluminiumwerks aus Restbeständen seiner Fabrik zusammenschusterte oder Neumausus I, ein mit einfachen architektonischen Mitteln konzipierter sozialer Wohnungsbau des französischen Architekten Jean Nouvel. Auch gescheiterte architektonische Visionen werden in der Reihe berücksichtigt, wie etwa die stadtplanerisch gescheiterte ‚Galleria Umberto I’ von Emmanuele Rocco in Neapel, deren Untergeschosse nie in Betrieb genommen wurden oder das verwaiste Kloster La Tourette von Le Corbusier.
Zwar haben Copans und Neumann für ihre Baukunst-Reihe allgemeingültige Untersuchungskriterien aufgestellt (Architekt, Auftrag, Programm, Standort, Material, Konstruktion etc.), doch sind daraus keineswegs schematische 26-Minüter entstanden, die die Bauwerke nach bestimmten Qualitätsmerkmal-Strichlisten oder ähnlichem abarbeiten. Im Gegenteil – beide Filmemacher agieren als Filmkünstler, die auf das jeweilige Bauwerk mit großer stilistischer Feinfühligkeit, Kreativität und Präzision eingehen und so sowohl dem Laien als dem Architekturspezialisten unbekannte Sichtweisen auf das jeweilige Gebäude erschließen.
Martin Rosefeldt






per E-Mail verschicken
Facebook
Twitter
RSS

