Schriftgröße: + -
Home > Comix > Interviews > Benoît Peeters

Von 21.01.08 bis 27.01.08 - 11/08/08

Benoît Peeters

Weitere Artikel zum Thema

Der Titel der Filmreihe - Comix book – verweist auf die Geschichte des Comic-Genres, aber „comix“ mit „x“ klingt auch ein bisschen nach modernem Touch, oder ?
Nach allgemeinem Verständnis hat das Wort „comix“ zwar eine gewisse humoristische Komponente. Wichtig war uns aber, dass bei dem, was dabei herausgekommen ist, die Betonung auf dem „Mix“ liegt: Ich verwende das Wort im gleichen Sinn wie Art Spiegelmann, um zu unterstreichen, wie „gemixt“ diese künstlerische Ausdrucksform daherkommt. „Co-mix“ kann man ja auch verstehen als eine Kombination von verschiedenen Elementen – Zeichnungen und Bildern -, Bildern, die zueinander in eine Beziehung gebracht werden. Wir fanden, dass dieser Titel ebenso universell wie für ein breites Publikum attraktiv ist, wobei er gleichzeitig die internationale Dimension des Comics in einer Serie aufzeigt, zu der Werke von Autoren aus Amerika, Belgien, Italien und einigen Ländern mehr gehören.

Die Vielfalt der Autoren ist in der Tat bemerkenswert. Wie haben Sie Ihre Auswahl getroffen?
Unsere Serie soll keine museale Sammlung sein, sondern vielmehr ein Überblick über die aktuelle kreative Szene. Comics erleben derzeit als künstlerische Ausdrucksform – nicht nur kommerziell - ein goldenes Zeitalter. In dieser Hinsicht ist die Asterix gewidmete Folge eher ein atypisches Beispiel, denn wir haben sie aufgenommen, weil Asterix gewissermaßen die Geburtsstunde des modernen Comics repräsentiert und in Frankreich ebenso ein Begriff ist wie in Deutschland. Diese Asterix-Folge soll speziell auch die deutschen Zuschauer ansprechen. Die sechs weiteren Folgen sind von ihrem Stil her eher aktueller und Beispiele für sehr unterschiedliche Trends. Die Stärke der heutigen Comics liegt ja gerade darin, dass sie sich nicht auf ein Genre beschränken: Sie sind eine eigene Kunstform, ganz ähnlich wie da Kino oder die Literatur. Ein Autor wie Joann Sfar ist das beste Beispiel für die neue Generation der Comics-Zeichner: Er macht etwas für Kinder, Jugendliche und Erwachsen gleichermaßen, experimentelle Sachen genauso wie Comics für den breiten Publikumsgeschmack. Das ist eine neue Sicht des Comics. Chris Ware oder Mattotti haben einen pointierteren Ansatz, während andere, wie etwa Fred und Taniguchi, sehr breite Publikumskreise ansprechen.

In den einzelnen Folgen der Serie geht es sowohl um ein Porträt des Autors als auch um die Darstellung des jeweiligen Trends, der von diesem Autor verkörpert wird.
Bei der Folge über Sfar haben wir beispielsweise als Titel „Sfar - Zeichnen gegen den Fluss der Zeit“ [dt. Titel ?] gewählt, als Hinweis auf die anderen Autoren dieser Gruppe, die auch diese Richtung repräsentieren. Die Gefahr bei einer Reihe wie dieser ist, dass man sie zu monolithisch anlegt. Uns lag daran, vor allem die Vielfalt herauszustellen – sowohl bei der Auswahl der Autoren als auch bei deren stilistischen Mitteln – und trotzdem ein kohärentes Ganzes entstehen zu lassen. Ich war übrigens begeistert von der Zusammenarbeit mit ebenso unterschiedlichen wie talentierten Regisseuren wie Jérôme de Missolz oder William Karel, wobei sich letzterer eher durch seine filmischen Recherchen im politischen Milieu (Le monde selon /The World According to Bush) einen Namen gemacht hat. Aber er hat es wunderbar verstanden, sich in die Welt von Sfar hineinzudenken, obwohl er eigentlich kein besonderer Comics-Kenner ist. Diese Vielfalt folgt aber auch bestimmten Grundregeln: Es ging uns nicht nur um Porträts von Autoren, sondern darum, durch einzelne Menschen verkörpertes kreatives Schaffen zu zeigen. Jemand wie Spiegelman ist zum Beispiel nicht nur ein sehr bedeutender Autor, sondern auch einer, der in den USA neue Türen aufstößt. Sein Buch Mauss hat als erstes und einziges Comic-Werk den Pulitzer-Preis bekommen – für viele Menschen ist es der einzige Comic, den sie je gelesen haben – und er hat ihnen gezeigt, dass Comics durchaus mehr sein können als ein limitiertes Genre. Er ist der Autor eines Werks - A l’ombre des tours mortes –, das den Comic als Genre auf spektakuläre Weise neu definiert und schließlich auch für das Magazin Raw als Talent-Scout unterwegs. Er hat Chris Ware entdeckt, Tardi ein Entrée in den USA verschafft usw. Mit dem Porträt eines Autors wie Spiegelman wollte ich die Comic-Szene in ihrer ganzen Vielfalt und Bandbreite abbilden und gleichzeitig auch den Blick für andere Autoren öffnen. Die dem japanischen Manga gewidmete Folge ist thematisch enger gefasst: Sie konzentriert sich zwar auf Taniguchi, zeigt aber die Geschichte der japanischen Comic-Produktion, die zunächst rein kommerziell war, dann aber unabhängiger wurde, wie etwa das Beispiel der jungen Zeichnerin Kiriko Nananan, Autorin von Blue (erschienen in der Kana-Kollektion bei Casterman), zeigt. Ich darf in diesem Zusammenhang erwähnen, dass wir selbstverständlich auch mehrere Folgen über weibliche Comic-Autoren geplant haben. Jeder dieser Autoren vermittelt etwas über die Art und Weise, wie Comics entstehen, mit seiner eigenen Arbeitsweise, seinem Stil, seiner besonderen Sorgfalt: Chris Ware ist zum Beispiel jemand, der jede einzelne Planche langsam, minutiös, fast wie besessen ausgestaltet; Joann Sfar scheint da schon sehr viel ungezwungener an die Arbeit heranzugehen, denn er zeichnet einfach weiter, während er mit uns während der Aufnahmen spricht. In diesen unterschiedlichen Herangehensweisen teilt sich auch etwas Wesentliches über die Entstehung von Comics mit: Der Comic-Zeichner ist gleichzeitig Autor, Regisseur, Szenenbildner, Beleuchter, Kolorist und Maler. Diese vielseitigen Begabungen versetzen ihn in die Lage, sein eigene Welt frei zu erschaffen. Er ist in dieser Hinsicht gegenüber dem Film oder Theater in einer privilegierten Situation, weil er auch weniger finanziellen Zwängen ausgesetzt ist. Ein Autor kann ganz für sich allein komplizierte Experimente wagen, so wie es Chris Ware bei Jimmy Corrigan gemacht hat, oder eine ganze Saga erschaffen, wie Taniguchi. Die Asterix-Welt verdanken wir der Energie eines eng zusammengeschweißten Autoren-Duos. Fred hat sich ein eigenes Universum geschaffen, eine Welt, in die er seine Leser entführt –er hätte wahrscheinlich große Probleme gehabt, einen Filmproduzenten davon zu überzeugen, ein solches Universum wie in Philémon für das Kino umzusetzen!

Sie haben für diese Reihe im Vorfeld gewisse Rahmenbedingungen vorgegeben. Welche Entscheidungsfreiheit haben sie den verschiedenen Regisseuren bei der Erstellung ihrer Beiträge gelassen?
Ich habe ein Pflichtenheft ausgearbeitet, von dem ich aber selbst als erster abgewichen bin. Mir war der individuelle Charakter der Filmbeiträge und die Freiheit der Filmemacher bei ihrer Arbeit einfach wichtiger. Dem Sender ging es vor allem um die Kohärenz der Reihe.

Trotz verschiedener Filmemacher und unterschiedlicher Herangehensweisen haben alle Folgen doch gemeinsam, dass sie selbst nach dem Schema von Comics gestaltet sind: Die Bilder sollen ihre eigene Sprache sprechen, der Autor wird selbst zu einer Comic-Figur.
Am weitesten in diese Richtung gehen meiner Meinung nach die beiden Asterix-Filme. In der Asterix-Folge gibt es kein Interview, der Regisseur lässt die Bilder selber sprechen, der Film ist fast ausschließlich um die Zeichnungen herum konzipiert und zeigt die Schönheit der vergrößerten oder einzeln stehenden Zeichnungen. Häufig wird ja Goscinny als genialer Texter gelobt, aber der Erfindungsreichtum und der Witz der Zeichnungen von Uderzo sind mindestens genauso bemerkenswert. Außerdem habe ich für die Manga-Folge eine dreiminütige Sequenz gefilmt, die wie ein kleiner Clip gestaltet ist, mit der Stimme eines Schauspielers, mit Musik etc.. Für diejenigen, die noch nie in einen Manga-Band hineingeschaut haben und dementsprechend massive Vorurteile haben, bietet sie eine gute Einführung in die Welt von Taniguchi, weil sie sich davon überzeugen können, dass diese Geschichte einer literarischen Erzählung oder einem Film sehr nahe kommt. Ich wende mich vor allem an diese Nichtkenner unter den Zuschauern. Daneben gibt es aber auch noch diejenigen, die sich vielleicht mal für Comics interessiert haben, aber seit 10 oder zwanzig Jahren keinen mehr angeschaut haben und deshalb immer noch die selben Vorstellungen im Kopf haben. Ihnen will ich zeigen, wie vielfältig die Comic-Szene mittlerweile geworden ist. Die Schwierigkeit dabei ist, zwar das Medium in den Vordergrund zu stellen, aber dennoch zu verdeutlichen, dass Comic-Zeichner vor allem Geschichtenerzähler sind, Romane in Bildern schreiben. Dem Arte-Publikum sind künstlerische Betätigungsfelder wie das Theater, der Film oder die Musik sicherlich meist besser vertraut, weshalb wir zeigen wollen, dass die Comic-Kunst kein monolithischer Block ist, kein abgeschotteter Bereich, der ausschließlich einem Publikum von Kennern und Liebhabern vorbehalten ist. Es gehört auch zur Rolle des Fernsehens, Werke zu präsentieren, die nicht unbedingt auf der Linie dessen liegen, was man seit 20 Jahren schon kennt – wie Blake und Mortimer, Lucky Luke oder der kleine Comic-Held Titeuf, die ja im Moment eine Art Renaissance erleben. Diese Serien sind natürlich absolut beachtenswert, aber daneben gibt es noch vieles mehr zu entdecken!

Sie fahren gewissermaßen zweigleisig: Der Chris Ware-Fan wird sich freuen, etwas über dessen Zuhause und Privatleben zu erfahren, während der Comic-Neuling von einer Off-Stimme an die Hand genommen wird und die notwendigen Informationen über diesen Autor erhält.
Wir haben uns wirklich sehr darum bemüht, mit dieser Reihe nicht nur die Insider anzusprechen – die Serie wird um 20.15 Uhr laufen, also zu einer attraktiven Sendezeit, in der sonst Formate wie „Palettes“, „Kontaktabzüge“ oder „Architektur“ zu sehen sind. Also kein in das Spätprogramm verbannter Sendeplatz nur für das Fachpublikum. Ich bin sicher, auch der Comic-Fan, der zufällig über die Sendung „stolpert“, wird sie sich mit Vergnügen anschauen – und sei es auch nur, weil sie so etwas wie einen „Masterclass“-Touch hat, eine Art Comic-Lehrstunde auch für Fortgeschrittene ist. Dem Zuschauer macht sie deutlich, dass das Comic-Zeichnen keine Arbeit ist, die man einfach so nebenher macht, sondern dass sich die Comic-Autoren wirklich hundertprozentig in ihr Werk hineingekniet haben. Comic-Zeichnen setzt zunächst einmal sorgfältiges Überlegen voraus, denn in jeder Szene gilt es, etwas zu inszenieren: Der Zeichner muss sich Gedanken machen über den Bildausschnitt, das Licht, den Bezug zwischen Bild und Text, die Anordnung der Frames auf der Seite, der Doppelseite, ja sogar im ganzen Album usw. Mit dieser Form der Analyse beschäftige ich mich auch in meinem Buch Lire la bande dessinée. Und genau das tue ich auch in dieser Serie mit Hilfe des Mediums Fernsehen, das einen emotionalen Zugang zu den Geschichten bietet, weil es Menschen – die Autoren – zeigt. Die Filmbeiträge liefern gewissermaßen nach und nach Vokabeln zum Verständnis der Comic-Sprache, mit der sich anschließend jeder nach Belieben weiter beschäftigen kann. Wir hoffen, dass wir bald auch DVDs zum Thema anbieten können, die dann zum Beispiel die Interviews in voller Länge oder zusätzliche Informationen über die Sprache der Comics enthalten werden.

Sie haben sich ja auch speziell Gedanken zur Darstellung einzelner Comic-Frames gemacht , also zur Umsetzung der Arbeit des Künstlers auf dem Fernsehbildschirm ...
Comics werden oft schlecht abgefilmt. In dieser Hinsicht sind die üblichen Sendungen über Comics enttäuschend. Es gibt zwei Typen: Die einen stellen das Gespräch mit dem Künstler in den Vordergrund und holen sich mehrere Comicautoren ins Studio, wo diese aber eine Sprache sprechen müssen, die nicht die ihre ist und Diskussionen über Themen führen, mit denen sie nichts anfangen können. Die eigentliche Arbeit der Zeichner findet darin nicht ihren Ausdruck. Die anderen geben sich alle Mühe, einzelne Frames schön abzufilmen, ohne aber über deren jeweilige Bedeutung vorher nachzudenken. Da sieht man dann schon mal Sprechblasen nur zur Hälfte usw. Man muss dazu wissen, dass sich ein Comic-Frame nicht so ohne weiteres mit dem Bildausschnitt einer Kamera einfangen lässt. Das erfordert eine beträchtliche Vorarbeit. Wenn ich die riesigen Planchen im Album A l’ombre des tours mortes von Spiegelman abfilmen will, muss ich mit einer ganzen Reihe von Tricks arbeiten, um einige Sequenzen– z.B. mit Hilfe einer Off-Stimme parallel zu dem von der Kamera gezeigten Ausschnitt – überhaupt lesbar zu machen und gleichzeitig den Eindruck der ganzen Seite als komplette Bildtafel zu vermitteln. Ich habe beispielsweise Art Spiegelman dabei gefilmt, wie er die Planchen mit ausgestrecktem Arm vor sich hält und betrachtet. Manche Sequenzen kann man auf dem Bildschirm rüberbringen, andere nicht. Diese Dinge muss man sich unbedingt vorher überlegen, wenn man dem zeichnerischen Werk gerecht werden will. So habe ich mich zum Beispiel entschieden, bei dem Manga „Quartier lointain“ von Taniguchi alle weißen Ränder der Planchen wegzulassen, weil man so einen direkten Einstieg in die Bilder bekommt. Bei Chris Ware hätte ich das nicht machen können. Eine kleine Überraschung war, dass das Album Jimmy Corrigan ein Format hat, dass exakt die gleichen Größenverhältnisse aufweist wie der Kamerabildausschnitt. Es passte also komplett ins Bild hinein. Bei Joann Sfar liegen die Dinge noch einmal anders: Seine Frames sind viereckig, aber im oberen Teil steht der Off-Kommentar. Man muss bei jedem Zeichner aufs Neue erfinderisch sein, um sein zeichnerisches Werk getreu wiederzugeben. Am schönsten und gleichzeitig am telegensten ist dabei die Entstehung einer Zeichnung: Man sieht den Zeichenvorgang, sieht die Hand, die eine Figur zeichnet, die Kontur einer Sprechblase, dann den Rand des Frames usw. Die Arbeit eines Zeichners lässt sich häufig besser darstellen, wenn man ihn mit der Kamera beim Schaffensprozess beobachtet und nicht nur fertige Bilder statisch abfilmt.

Die Machart der einzelnen Folgen trägt jeweils Züge der persönlichen Handschrift des präsentierten Autors: Die Folge über Sfar erinnert an Comics von Sfar, wirkt etwas frecher, genau wie der Stil des Autor selbst ...
Es sollte unbedingt so sein, dass nicht alle Folgen eine ähnliche Machart haben. Die Folge über Mattotti zeigt die Persönlichkeit anhand der Thematik der Farbgebung, die ihm wichtig ist, aber anderseits bei den Comiczeichnern immer so etwas wie ein ungeliebtes Kind, weil man sie mit der Kolorierung gleichsetzt. Bei diesem Autor kann man wirklich von einem künstlerischen Einsatz der Farbe sprechen, ganz in der Tradition eines Bonnard oder Degas. Es gibt heute sehr viele unterschiedliche Ansätze: Schauen Sie sich die Arbeit von Marjanne Satrapi bei ihrer Autobiografie an, reinste Schwarz-Weiß-Zeichnungen, ein minimalistischer Zeichenstil, der auf bewundernswerte Weise nachempfinden lässt, wie sich ein in einem fundamentalistischen islamischen Land aufwachsendes junges Mädchen wohl gefühlt haben muss. Oder nehmen Sie als anderes Beispiel den gezeichneten Roman Blankets: Da ist eine ganze neue Generation von Geschichtenerzählern am Werk, die in der Lage sind, mit ihren Zeichnungen sämtliche Publikumskreise anzusprechen.

Die Autoren selbst berufen sich häufig auf ihre Vorläufer. Die Idee einer in ihren Werken erkennbaren Künstlertradition kommt auch in den Filmbeiträgen zur Geltung.
Bei Comics wird häufig der Bezug zur Vergangenheit vergessen. Die japanischen Zeichner haben eine sehr lange Tradition, sehr viel länger als man denkt, denn Mangas sind ja erst sehr spät bei uns bekannt geworden, und zumeist auch noch durch Werke von eher dürftigerer Qualität. In der Geschichte des amerikanischen Comics gibt es schon einige Meisterwerke aus den ersten Jahren des vergangenen Jahrhunderts, wie Crazy Cats oder Little Nemo. Letzteren haben wir für den Vorspann der Serie verwendet, und zwar deshalb, weil der Autor gleichermaßen der Erfinder des Comics, der Zeitungsbildgeschichten und der Trickfilmzeichnung war. Für die meisten der heutigen Autoren ist er eine Referenz ersten Ranges. Das Comiczeichnen kann sich auf seinem weiteren Erfolgsweg durchaus auf seine Vergangenheit besinnen.


Dem Bezug zwischen Text und Bild räumen Sie einen wichtigen Platz ein – die Sendungen beschäftigen sich nicht nur mit dem gezeichneten Bild, wie in den meisten anderen Fällen ...
Ein großer Teil der besten Comic-Schöpfungen stammt von Autoren, die selbst über beide Talente verfügen – auch wenn einige, wie Sfar oder Mattotti auch weiterhin gern mit Textern zusammenarbeiten. Auch dafür, wie man alle Komponenten eines Comics synchron erlebbar machen kann, gibt es natürlich eine Vielzahl unterschiedlicher Methoden.

Welche Autoren sind in den weiteren Folgen vorgesehen?
Die Auswahl steht noch nicht ganz fest. Ich habe rund ein Dutzend Namen auf meiner Liste, möchte aber zunächst einmal abwarten, wie die Reihe beim Zuschauer ankommt. Ich würde gern etwas über deutsche Comics machen – die Szene der Independent-Serien ist in Deutschland ausgesprochen aktiv. Einen Zeichner wie Ralf König beispielsweise, der vom Genre her so etwas wie das deutsche Pendant zu Brétecher ist, finde ich absolut interessant. Auch die nordamerikanischen, insbesondere die kanadischen Produktionen sind durchaus beachtenswert: Adrian Tomine, Seth, Chester Brown oder Joe Sacco, um nur einige zu nennen, könnte ich mir durchaus in einer Sendung vorstellen. Oder in einem anderen Genre den großen Drehbuchautor Alan Moore mit seinen Comics Watchmen oder From Hell. Er hat das Genre der Comic Books wieder aufgegriffen und durch einen politischen Blickwinkel bereichert, ebenso wie er sich kritisch mit dem Superhelden-Mythos auseinandergesetzt hat. Daneben gibt es natürlich auch noch eine Unmenge überaus talentierter frankophoner Zeichner, wie Möbius, Tardi, Bilal, oder, um ein paar jüngere zu nennen, Satrapi, Trondheim, Blain. Aber jede Folge soll ja nicht nur eine Person präsentieren, sondern auch eine Richtung, einen künstlerischen Stil, eine Entwicklung.

Das Gespräch führte Tibo Bérard
........................................................................
Comix
Dokumentationsreihe von Benoît Peeters
Frankreich 2004, ARTE F, INA
Wiederholung
...........................................................................

Erstellt: 29-12-04
Letzte Änderung: 11-08-08