Kritik: "Milk" wurde gerade für acht Oscars nominiert, u.a. für den Besten Schauspieler, Sean Penn. Mehr als 30 Jahre ist es her, dass Harvey Milk erschossen wurde. Aber viele der Menschen, die ihn kennen gelernt haben, erinnern sich dank seiner strahlenden Persönlichkeit noch heute lebhaft an ihn. Tom Ammiano etwa, der damals als Lehrer tätig war, ist heute Stadtrat von San Francisco, wie damals Milk. Er ist fasziniert von Penns Darstellung und erinnert sich an die Dreharbeiten: "Jedes Mal, wenn ich Sean wieder am Set begegnete, sah er Milk ähnlicher und klang auch immer mehr wie er, mit seinem charakteristischen New Yorker Akzent." Dank der Tonbänder, die Harvey Milk für seine Nachwelt - nur im Falle eines gewaltsamen Todes anzuhören - besprochen hat und dank der genialen Verkörperung durch Sean Penn steht einer der ersten schwulen Pioniere erneut zum Leben auf.

USA 2008, 128 Min.
Regie: Gus Van Sant
Mit Sean Penn, Emile Hirsch, Josh Brolin, Diego Luna

Sean Penn trägt "Milk" in jeder Minute, aber auch die Nebenrollen, etwa sein späterer Mörder, der Stadtrat Dan White sind hervorragend besetzt. Gut ist, dass Josh Brolin diesen als widersprüchliche Figur angelegt hat, der nicht nur auf seine dämonische Seite reduziert wird. Überzeugend ist auch, dass Harvey Milk nicht als Held von übermenschlicher Stärke gezeigt wird, sondern dass er ein Mensch aus Fleisch und Blut ist, der auch Fehler macht. Seine beiden Beziehungen etwa scheitern, Scott Smith (James Franco), den er ein Leben lang lieben wird, verlässt ihn, und sein späterer Freund, der viel jüngere Latino Jack Lira (Diego Luna) wird sich in seiner Einsamkeit und Verzweiflung umbringen, weil Harvey ihn völlig vernachlässigt.
Es ist wohl Dustin Lance Black zu verdanken, dass die Lebensgeschichte von Harvey Milk über 30 Jahre nach seinem Tod und 25 Jahre nach dem Oscar für den Dokumentarfilm "The Times of Harvey Milk" endlich als Biopic adaptiert wurde. Die Zeit war reif. Zum guten Buch fand sich der passende Regisseur, der mit seinen Filmen "Elephant", "Last Days" und einigen anderen bereits mehrfach gezeigt hat, dass er es versteht, komplexe Charaktere auf die Leinwand zu bringen - ohne übertriebenes Pathos. Harvey Milk ist und bleibt unvergessen, und "Milk" setzt seinem Leben und Wirken ein angemessenes filmisches Denkmal. Dustin Lance Black: "Für mich ist Milk ein charismatischer Anführer, geradezu eine Vaterfigur für seine Leute. Sein Erbe ist es, den Leuten zu sagen: Wenn ihr schwul seid, versteckt euch nicht. Ihr seid anders, aber ihr seid auf eure Weise großartig und ihr solltet versuchen, es zu etwas zu bringen."
Nana A.T. Rebhan









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( Arte Bewertung: 4 )




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