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Berlinale 2009 - Panorama - 15/02/09

Das Vaterspiel

Ein Film von Michael Glawogger


( Arte Bewertung: 2 ) Was hat ein Nazi im Keller mit einem Computerspiel zu tun, bei dem es gilt, den eigenen Vater zu erschießen?

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Synopsis: Ratz ist Langzeitstudent und Sohn, aber einer, der seinen Vater, einen erfolgreichen Politiker, hasst. Nächtelang sitzt er vor seinem Computer und entwickelt ein Spiel, bei dem man den eigenen Vater töten kann. Die mysteriöse Mimi, ein Schwarm aus früheren Tagen ruft ihn nach New York. Er folgt ihrem Ruf sogleich. Auch in der Hoffnung, dort sein Spiel "Kill Daddy Good Night" zu verkaufen, und baut dort für ihren Großvater, einen alten Nazi, der sich im Haus versteckt hält, den Keller aus.

Kritik: Michael Glawogger hat sich mit seinen monumentalen, aufwendig gefilmten, global kritischen Dokumentarfilmen "Megacities" (1995), Workingman's Death (2005) und dem provokant-zynischen Spielfilm "Slumming" (2006) einen Namen gemacht in der internationalen Filmszene. Seine neuer Film gilt allerdings zu Recht als umstritten: Zu viele unterschiedliche Handlungsstränge nimmt "Das Vaterspiel" auf. Erst spät führt er sie alle zusammen, die verschiedenen Teile. Doch sie reiben sich aneinander und wollen sich nicht recht fügen.
Das Vaterspiel
Österreich/ Deutschland/ Frankreich, 2008, 117 Min.
Buch und Regie: Michael Glawogger
Mit Jeremy Strong, Ulrich Tukur, Christian Tramitz, Franziska Weisz, Sabine Timoteo
ARTE- Koproduktion

Da gibt es etwa die Kunstfigur Mimi, artifiziell aber passend von Sabine Timoteo ("Der Freie Wille") in Szene gesetzt. Sie leidet an einer seltsamen Krankheit, der Alocepia Congenita und besitzt deshalb kein einziges Körperhaar. Dies zwingt sie dazu, Perücken zu tragen. Sie nimmt es mit Gelassenheit und experimentiert mit diversen Looks. Ganz zur Freude von Ratz, der ein großer Fan von ihr ist. Als sie Ratz anruft und seine Hilfe braucht, zögert er nicht.

Ratz ist der untätige Sohn eines Politikers, dessen größte Antriebskraft der Hass auf seinen Vater ist, der die Familie vernachlässigt, weil er immer nur arbeitet. Ratz ist schockiert, als er in New York eintrifft und von Mimi den Auftrag bekommt, das Versteck ihres Großvaters, eines Nazis auszubauen, denn sein eigener Großvater ist im KZ ermordet worden. Dann gibt es noch eine Parallelhandlung, in der ein Zeuge Aussagen über ein Naziverbrechen macht. Es geht um brutale Morde an litauischen Juden, in die Mimis Großvater verstrickt ist.

Glawogger lässt seine verschiedenen Ebenen aufeinander prallen. Besonders elegant ist das nicht. Dennoch sind die einzelnen Teile gut besetzt und gespielt, und sind für sich genommen bisweilen auch atmosphärisch. Da kämpft sich Ratz etwa mit seinem Auto durch dichtes Schneetreiben auf dem Weg zum Flughafen nach München und immer wieder laufen animierte Vaterfiguren in seiner Fantasie neben dem Auto her, die er alle am liebsten sofort abschießen würde.

Seine geliebte Schwester hat ein Reh überfahren, er trifft auf sie mitten im Schneetreiben. Sie hat Liebeskummer, und so gerne würde er sie trösten, mehr als sie dies wahrscheinlich gut fände, denn er fühlt sich stark zu ihr hingezogen. So schwankt Ratz getrieben von der Liebe zur Schwester und der Sehnsucht nach Mimi, dem Hass des Vaters, der Verachtung für den Nazi. Das alles passt nicht recht zusammen, vor allem als die ödipalen Fantasien auf grausame Fakten stoßen. Der Mann im Keller ist ein fieser Nazi, das leugnet keiner. Trotzdem gelingt es ihm nach und nach, Ratz auf seine Seite zu ziehen. Bis dieser die Vernehmungsprotokolle liest, die im anderen Strang der Geschichte erzählt wurden. Dann aber gelingt es Ratz wenigstens, mit seinem Computerspiel erfolgreich zu werden, das er mit einem Vermittler für 5 $ pro Spiel anbietet, diesen Strang gibt es ja auch noch. Sogar sein Politikervater spielt mit und ist das erste Mal stolz auf seinen Sohn. Durch das schlecht verhakte Nebeneinander der Geschichten verwässert die Ernsthaftigkeit der Naziepisode fast zur Belanglosigkeit. „Vaterspiel“ ist eine kaum gelungene filmische Adaption des 600-seitigen Romans von Josef Haslinger.

Nana A.T. Rebhan

Erstellt: 15-02-09
Letzte Änderung: 15-02-09