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Im Gespräch... - 29/04/08

Bernard Farcy

Hauptdarsteller im zweiteiligen Fernsehfilm „Charles de Gaulles“ (auf ARTE am 9. Mai 2008)


Präzise Gesten, eine imposante Statur und lachende Augen – so sieht der Mann aus, der es nach eigener Aussage wagt, in die Rolle des Mannes zu schlüpfen, der „Nein“ sagte. In Frankreich ist Farcy längst ein Star (La Lune dans le caniveau, Pacte des loups, Notre histoire, Les trois frères u.a.). Jeder kennt ihn als den durchgeknallten Kommissar aus Taxi Taxi. Mit seiner Rolle in Charles de Gaulle – Ich bin Frankreich! vollzieht Farcy eine Kehrtwende um 180 Grad. Wie wird aus einem Kommissar der große Staatsmann Charles de Gaulle?

Wie kommt man zu einer solchen Rolle?
Man beklagt sich als Schauspieler oft, dass man immer die gleichen Rollen kriegt. Das stimmt auch. Und dann bietet man mir eines Tages so eine großartige Rolle an! Als man mir die Rolle anbot, ging es mir weniger um die Frage, ob ich die Rolle annehmen kann oder nicht, sondern ob ich in der Lage wäre, sie glaubwürdig zu spielen. In der ersten Phase war ich begeistert, dann völlig sprachlos und schließlich wäre ich am liebsten davongelaufen. Nach dem Kommissar in der Taxi-Reihe bedeutet diese Rolle für mich eine Kehrtwende um 180 Grad. Ich bewundere Jean-Pierre Guérin und Bernard Stora für ihren Mut, sich an diesen Stoff heranzuwagen und ausgerechnet mir, der bislang auf der Leinwand nur in Komödien zu sehen war, die Hauptrolle anzutragen. Mit ihrem Angebot gaben sie mir einen großen Vertrauensvorschuss. Offenbar trauten sie mir durchaus andere Rollen zu als die, die ich bis dahin gespielt hatte. Das hat mich enorm motiviert. Ich habe mir gesagt, „Junge, du musst das schaffen!“ Es waren wohl 50 % Eitelkeit und 50 % Leichtfertigkeit, die mich dazu verleitet haben, „Ja“ zu sagen.

Worin liegt die besondere Schwierigkeit, eine historische Persönlichkeit zu spielen?
Normalerweise gibt ein Drehbuch für die einzelnen Figuren nur ein grobes Raster vor und überlässt es den Schauspielern, ihre Fantasie einzusetzen, um sie zu formen und ihnen Gestalt zu verleihen. Das ist bei Charles de Gaulle natürlich nicht möglich. Also musste ich es anders herum versuchen, d.h. den „erfundenen“ Teil an die Realität anpassen. Zum Glück handelt der Film von einer Zeitspanne im Leben de Gaulles, von der die Öffentlichkeit nicht allzu viel weiß, sodass genügend Raum für Fantasie bleibt. Abgesehen von einigen wenigen Freunden und Angehörigen weiß niemand, wie de Gaulle seine Tage auf seinem Landsitz La Boisserie verbrachte, wie er dort lebte; ich meine nicht sein Privatleben, sondern seinen Alltag. Das Spannende an diesem Projekt liegt in dem Versuch, sich den Alltag eines so außergewöhnlichen Menschen wie de Gaulle auszumalen.

Stellte die ständige Konfrontation mit den Archivbildern für Sie als Schauspieler eine zusätzliche Herausforderung dar?
Mit dem Original kann ich natürlich nicht mithalten! Ich habe mich vor allem darauf konzentriert, das feierliche Gebaren abzulegen, zu dem ich aus Ehrfurcht vor dieser großen Persönlichkeit tendierte, und ihn in seinem Alltag selbstverständlicher darzustellen, seine Gesten, seinen Tonfall, seine Sprechweise usw., ohne zu versuchen, ihn direkt nachzuahmen oder zu überzeichnen. Mit vereinten Kräften ist es uns, so glaube ich zumindest, gelungen, etwas zu produzieren, das ich als „überzeugende Illusion“ bezeichnen würde.

Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?
Die Vorbereitungen waren relativ langwierig. Ich habe viel gelesen, mir alte Aufnahmen angeschaut, Gespräche geführt. Das hat mir geholfen, der Figur „Farbe“ zu verleihen. Von seinem Sohn habe ich zum Beispiel erfahren, wie de Gaulles typische Köperhaltung beim Sitzen war: etwas steif, die Arme auf Höhe der Armlehnen bewegend. Solche Detailinformationen nehme ich auf, verinnerliche sie, denke dann nicht mehr darüber nach, aber am Set sind sie plötzlich wieder da und ich kann sie umsetzen. Das ist nur eines von unzähligen Beispielen. Am wichtigsten war jedoch das detailgenaue, äußerst sorgfältig recherchierte und sagenhaft gut geschriebene Drehbuch von Bernard Stora. Wir haben gemeinsam unzählige Stunden am Text gearbeitet. Im Grunde habe ich den Part exakt so gespielt, wie Bernard ihn geschrieben hat.

Welchen Einfluss hatte die Maske?
Da Sie mir das Stichwort zuwerfen, gestatten Sie mir kurz den beiden Maskenbildnern Dominique Colladant und Pascal Thiollier für ihre hervorragende Arbeit zu danken. An jedem einzelnen Drehtag saß ich morgens volle drei Stunden in der Maske. Ich habe zwar in etwa de Gaulles Statur, doch ansonsten besteht keine natürliche Ähnlichkeit zwischen uns. Dass ich im Film wie de Gaulle aussehe, habe ich ausschließlich ihrem Talent und ihrer Kunstfertigkeit zu verdanken. Die physische Veränderung durch die Maske war eine große Hilfe für mich. Das andere Aussehen half mir, noch stärker in der Rolle aufzugehen. Auch die Arbeit mit Alain Zaepffel war außerordentlich hilfreich. Zaepffel unterrichtet Schauspiel am Conservatoire national supérieur d’art dramatique. Mit ihm habe ich einige Basics wie Atmung, Stimm- und Sprechübungen usw. wieder aufgefrischt, die man im Alltag vernachlässigt.

Erstellt: 29-04-08
Letzte Änderung: 29-04-08