Ursprünglich war die »rassische Neuordnung« des Generalgouvernements im Rahmen des »Generalplans Ost« erst für die Zeit nach dem »Endsieg« geplant. Doch der Lubliner SS- und Polizeiführer Odilo Globocnik regte beim Reichsführer SS, Heinrich Himmler, an, schon 1941 im Kreis Zamość (Bezirk Lublin) mit dem Aufbau eines Mustergaus »reichsdeutscher und volksdeutscher Wehrbauern« zu beginnen – als eine »Volksbrücke« zu Siebenbürgen und dem Baltikum und als Stützpunkt für den zu erobernden Ostraum. Die Stadt Zamość sollte zunächst in Himmlerstadt umbenannt werden, später sollte sie den Namen Pflugstadt tragen. Die Räumung polnischer Dörfer setzte im November 1941 ein und endete im August 1943. Aus 290 Dörfern wurden insgesamt 110000 Polen vertrieben. Ein erheblicher Teil der Polen konnte der SS durch Flucht entkommen, über die Behandlung der übrigen entschied eine »rassische Musterung«: Kinder, Kranke und Alte über sechzig wurden in sogenannte »Rentendörfer« abgeschoben; 16000 »rassisch Minderwertige« kamen in das Konzentrationslager Majdanek, 2000 in das KZ Auschwitz. Arbeitsfähige Menschen zwischen 16 und 60 Jahren ersetzten als Rüstungsarbeiter die in die Vernichtungslager abtransportierten Juden; 4500 Kinder gelangten zur »Germanisierung« ins Reich.
Die Ansiedlung der Deutschen im Kreis Zamość – die meisten kamen aus Bessarabien – begann im Sommer 1942. Im Unterschied zu den Volksdeutschen im Warthegau lebten diese Siedler in ständiger Todesgefahr, denn trotz harter Vergeltungsaktionen gelang es weder der SS noch den zusätzlich abgestellten Einheiten von Polizei und Wehrmacht, die deutschen Kolonisten vor den Angriffen polnischer Partisanen zu schützen. Die »Aktion Zamość« scheiterte vollständig: Im Frühjahr 1943 musste sie vorübergehend eingestellt, am 15. August 1943 vollständig abgebrochen werden. Odilo Globocnik wurde im September 1943 abgesetzt. Anstatt der geplanten 60000 Deutschen hatten gerade einmal 9000 Menschen in 121 der geräumten Dörfer angesiedelt werden können. Die Frauen und Kinder wurden angesichts des Vormarsches der Roten Armee im Frühjahr 1944 evakuiert; den Männern wurde der Abzug erst im Juli 1944 erlaubt, als bereits der Geschützdonner von der Front zu hören war.
aus:
Entwurzelt
Vom Verlust der Heimat zwischen Oder und Bug
Erschienen in
der edition Körber-Stiftung
ISBN 978-3-89684-065-3






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