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ARTE Reportage

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ARTE Reportage - Samstag, 27. Oktober 2007 um 19.00 Uhr - 13/02/09

Besuchstour Guantanamo - das Camp "X-Ray"

Mit Unteroffizier Michael Owens


Ursprünglich war das Camp « X-Ray » in Guantanamo ein Lager für Gefangene. Eingerichtet wurde es im Januar 2002, und im April desselben Jahres wieder geschlossen. Drei Monate später wurde das Camp Delta in Betrieb genommen. Als X-Ray zugemacht wurde, gab es dort 300 Gefangene.

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Unteroffizier Michael Owens:

Damals waren die Türen mit einfachen Vorhängeschlössern verschlossen. Hier rechts das waren die Gebäude für die Lagerverwaltung. Das hier ist der Hauptwachturm. Von hier aus konnte man alles, was im Lager passierte, genau beobachten. Die Medien durften ausschließlich Aufnahmen von außerhalb des Camps machen…Aber, wenn sie die Erlaubnis hatten, das Lager zu betreten, konnten sie auch innerhalb filmen.

Das hier ist der Mittelgang. Von hier aus durften die Medien filmen. Wenn sie sich Bilder aus dieser Zeit anschauen, mit den Gefangenen in orangenen Overalls, die auf dem Boden knien und Wachen drumherum …all diese Aufnahmen sind von hier aus gemacht.

Wissen Sie, die islamische Religion wird hier durchaus respektiert. Die Gefangenen wollen immer sauber sein, denn in ihrer Kultur bedeutet Sauberkeit – Respekt vor Gott. Also hatten wir ihnen Wasser zur Verfügung gestellt, damit sie sich Hände und Füße waschen können, ihre rituellen Waschungen vor den Gebeten. Deswegen diese Schläuche/Rohrleitungen und Wasserhähne da hinten.

Hier waren die Duschen untergebracht. Die grössten Probleme, die wir hatten, gab es übrigens mit diesen Duschen unter freiem Himmel. Denn wegen ihrer Kultur wollen die sich nicht nackt vor anderen Männern zeigen. Nicht einmal vor ihren Brüdern. Die Duschen waren also der größte Streitpunkt mit den Gefangenen, denn sie wollten nicht, dass man sie nackt sieht.

Das Camp X-Ray war 1984 gebaut worden. Ursprünglich wurden hier – bei schlechtem Benehmen - die auf Guantanamo angestellten Bauarbeiter eingesperrt. Manchmal gab es Vorfälle zwischen den Arbeitern, nichts Gravierendes, aber die Schuldigen musste man halt ein paar Tage einsperren.

Dies hier sind die ursprünglichen Zellen – und sie werden den Unterschied bemerken zwischen diesen ersten Zellen und den später eingerichteten.
Hier sind wir in einer der anfänglichen Zellen aus den 80er Jahren. Wie sie sehen gibt es hier keine sanitären Einrichtungen. Die Gefangenen erhielten zwei Eimer: Einen mit Trinkwasser, um zu trinken und sich zu waschen. Einen anderen für ihre Bedürfnisse. Ein dickes Problem war, dass die Gefangenen den Inhalt dieser Eimer oft den Wachen überschütteten.
Wie Sie sehen, gab es hier auch keine Öffnung in der Zellentür. Also Klappen, durch die man das Essen durchreichen konnte oder den Gefangenen Handschellen anlegen konnte, bevor die Zelle aufgemacht wurde. Damals mussten die Wachen dafür noch in die Zelle reingehen – und liefen Gefahr angegriffen zu werden. Deshalb gab es immer zwei bis drei Wachsoldaten pro Zelle. Bevor das Holzdach gebaut wurde, lag hier oben nur eine Plastikplane als Sonnenschutz.

Nach der Erweiterung 2001 gab es einige Veränderungen – wie beispielsweise die bekannten Öffnungen in den Zellentüren. Es wurde außerdem auch eine Urinal-Anlage eingebaut, mit schrägen Ablaufrohren…Für dringende Fälle hat man ihnen aber auch die Eimer gelassen. Die beiden Hauptveränderungen waren also, wie gesagt, diese Urinale und die Öffnunglöcher in den Türen.

Wir zeigen das Camp hier, um zu beweisen, dass es tatsächlich nicht mehr in Betrieb ist. Denn gerüchteweise wird ja immer noch behauptet, dass X-Ray noch belegt ist. Wir können noch so viele Besuche organisieren, es gibt weltweit – auch in den USA- immer noch Leute, die versichern, es gäbe Gefangene hier in X-Ray.
Man wusste, dass die ursprünglichen Zellenanlagen natürlich nicht ideal waren. Man hat sie also im Nachhinein nachgerüstet – und um zu zeigen, dass es der US-Armee an einer Verbesserung der Haftbedingungen gelegen ist – hat man Camp Delta gebaut. Es ist viel besser als Camp X-Ray.


Soldat Wolff:

Ich kann nicht sagen, dass ich schockiert war, als ich diese Reste von Camp X-Ray hier gesehen habe. Es ist lediglich ein Gefangenenlager. Das einzige, was mich überrascht hat, war, dass es total zugewachsen war. Aber als ich hierher kam, war es ja eh schon längst geschlossen. Erst habe ich gedacht, man hätte es auch abreißen können. Aber im Nachhinein denke ich, ist es gut, es erhalten zu haben, so kann man es herzeigen. Und dann muss man auch sagen, dass es ja auch nur kurz in Betrieb war. Man hat schnell begriffen, dass man die Leute unter diesen Bedingungen nicht halten konnte und dass man sie an einen besseren Ort stecken musste.

Man will die Leute nicht misshandeln. Warum auch immer sie hier sind, man will sich korrekt um diese Leute kümmern. Als Soldat versteht man vielleicht besser was es heißt, „sich im Krieg zu befinden“. Wir wollen unsererseits ja auch keine schlechte Behandlung erfahren, falls wir vom Feind gefangen genommen würden. Also misshandeln auch wir niemanden.

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samstags um 19.00 Uhr
Wiederholung sonntags um 12.00 Uhr
und donnerstags um 08.50 Uhr

Erstellt: 25-10-07
Letzte Änderung: 13-02-09