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21. Juli 2009 um 20.15 Uhr - 24/07/09

Betty Blue – 37,2 Grad am Morgen

Ein Film von Jean-Jacques Beineix


Kultfilm der 80er-Jahre: Die Geschichte eines leidenschaftlichen Liebesdramas, wunderbar inszeniert von Jean-Jacques Beineix, mit Béatrice Dalle als Shootingstar.

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Wenn Sie den Anfang versäumt haben …
Zuerst sieht man den blauen Hintergrund des Vorspanns, von dem sich das emblematische Bild von Betty (Béatrice Dalle) abhebt, untermalt von einer nostalgisch-bedrückenden Zirkusmusik. Als die Musik verstummt, hört man das Stöhnen eines umschlungenen Paares, das ausgestreckt unter einer Mona-Lisa-Reproduktion liegt. Die nackten Körper beim Liebesakt sind in wunderbares Morgenlicht getaucht. Die Lust steigert sich, die Kamera kommt näher, filmt den Orgasmus und verweilt. Aus dem Off erklingt die Stimme von Zorg (Jean-Hugues Anglade): „Ich kannte Betty seit einer Woche. Wir liebten uns jede Nacht. Für den Abend war ein Gewitter angesagt.“ Zorg in Großaufnahme: Freudig rast er im Abschleppwagen über den Strand, hält vor seinem Bungalow, stürzt hinein und rettet in letzter Minute das auf dem Herd schmorende Chili vor dem Anbrennen. Während er aus dem Topf isst, erscheint Betty in der Haustür, einen Koffer in der Hand und supersexy in ihrem gepunkteten Mini-Schürzenkleid. Sie hat soeben ihre Arbeit gekündigt und erklärt, sie erwarte von einem Typen nicht nur, dass er mit ihr schlafe. Betty wird Farbe, Feuer, Leidenschaft und Maßlosigkeit in Zorgs Leben bringen.

Was für’s Auge …
Zwischen 1980 und 1992 drehte Beineix sechs Langspielfilme. Verärgert über die oft vernichtenden Kritiken und vor allem über das schwerfällige Finanzierungssystem wandte er sich Dokumentarfilm, Produktion, Animationsfilm u.a. zu. Dabei war er mit „Diva“ (1981) sehr hoffnungsvoll gestartet, und „Betty Blue – 37,2 Grad am Morgen“ (1986) wurde ein enormer nationaler und internationaler Erfolg. Beineix vertritt einen sehr stilisierten, visuell sehr attraktiven Filmstil, der in Frankreich teilweise etwas argwöhnisch betrachtet wurde, ihm aber gute Chancen im Ausland eröffnete. So erhielt „Betty Blue – 37,2 Grad am Morgen“ eine Oscar-Nominierung für den Besten fremdsprachigen Film. Manche warfen ihm seine allzu auffällige Form vor, die auf Kosten des Inhalts gehe. Andere ließen sich von der bewegten Liebesgeschichte und den filmischen Einfällen überwältigen und bewunderten die satten Farben, die sorgfältigen Einstellungen, den ausgefeilten Soundtrack und den dynamischen Schnitt des Films.
 
Talentefinder
Mit „Betty Blue – 37,2 Grad am Morgen“ machte Beineix die Schauspielerin Béatrice Dalle über Nacht zum Star und Sex-Symbol. Auch dem Schriftsteller Philippe Djian, dessen gleichnamiger Roman ihm als Vorlage diente, verhalf er zum Durchbruch. Dalles natürlicher, manchmal ungesteuerter Ton, ihre unbekümmerte Erotik und erschreckende Heftigkeit waren genau das Richtige für die Rolle der Muse in diesem Liebespaar, dessen treibende und zugleich verbrennende Kraft sie ist. (Filmpartner Jean-Hugues Anglade, der schon in Luc Bessons Film „Subway“ beeindruckt hatte, ließ sich jedoch nicht von ihr an die Wand spielen, und die Nebenrollen waren auch sehr gut besetzt.) Philippe Djian hatte bereits einige Bücher veröffentlicht, darunter 1982 den Roman „Bleu comme l’enfer“ (deutsche Übersetzung: „Blau wie die Hölle“, 1990), der im selben Jahr 1986 von Yves Boisset verfilmt wurde (Titel der deutschen Fassung: „Das Blau der Hölle“). Aber erst Beineix’ Film machte Djian im In- und Ausland breiter bekannt. 2004 schrieb Dijan das Drehbuch zu Luc Bondys Film „Lass das sein“, aber Romane von ihm selbst sind seit „Betty Blue“ nicht wieder verfilmt worden.
 
Noch eine Runde?
Doch wer weiß, vielleicht nimmt Beineix eines Tages den Faden wieder auf: Als er seine Produktionsfirma Cargo Films gründete, um „Betty Blue – 37,2 Grad am Morgen“ nach seinen eigenen Vorstellungen drehen zu können, kaufte er die Filmrechte einiger Bücher, darunter die Rechte des 1986 erschienenen Fortsetzungsromans von „Betty Blue“, „Maudit manège“ (Deutsche Übersetzung: „Verraten und Verkauft“, 1988).
2006, zum 20. Jahrestag der Premiere von „Betty Blue“ („Auf deinen 20. Geburtstag, meine Liebste“, hört man Zorg zu Betty sagen), brachte Beineix eine DVD des Films heraus, eine um eine Stunde verlängerte Version des Originals. Doch auch die Kinofassung hat die Zeit gut überstanden und ist für viele bis heute Kult!
 
Jenny Ulrich
 

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Video

Auszug aus „Betty Blue – 37,2 Grad am Morgen“

Betty Blue - 37,2 Grad am Morgen
Montag 27. Juli 2009 um 00.50 Uhr
Keine Wiederholungen
(Frankreich, 1985, 116mn)
ARTE F

Erstellt: 26-06-09
Letzte Änderung: 24-07-09