Geboren am Dienstag, 24. Juni 1930Geboren in Paris, Frankreich
Selten hat ein Filmemacher, der über einen eigenen Stil und eine eigene Sprache verfügt, so viele Wandlungen und Veränderungen durchgemacht wie der Franzose Claude Chabrol. Trotzdem blieb er immer ein Geschichtenerzähler, ein Mann des Action-Kinos, einer, an dessen Filmen man immer spürte, dass sie ihm Spaß machen, dass er nicht eine lästige Pflicht absolviert.
Als Sohn eines Pariser Apothekers wuchs Chabrol bei den Großeltern in Sardent auf. Noch als Student der Literaturwissenschaften, Jura und Pharmazie besuchte er die Cineastenzirkel im Café de la Comédie und wurde bald Kritiker der "Cahiers du Cinema", oft schrieb er unter dem Pseudonym "Charles Eitel" und "Jean-Yves Goute". Gemeinsam mit Eric Rohmerveröffentlichte er eine Monographie über Alfred Hitchcock.
Chabrol beschäftigte sich aber auch jahrelang mit der Rose. Er betrachtete sie von allen Seiten, untersuchte sie und schilderte, die Rose entspräche die französische Bourgeoisie und an ihr fände er keinen neuen Reiz mehr. Danach wandete er sich einer neuen Blume zu, diesmal einer giftigen Blume. Wie in seinen Filmebn also: auf Sozialgeschichten und Sozialsatiren folgten Probleme der Abwegigkeit in den Beziehungen zwischen Menschen.
Als im August 1958 beim Festival in Locarno das Spielfilmdebüt des Filmkritikers Chabrol "Die Enttäuschten" vorgestellt wird, ist der zweite Film "Schrei, wenn du kannst" schon abgedreht. Es wird der erste große Kinoerfolg der "nouvelle vague". Von da ab geht es eine Weile bergab mit der Qualität seiner Filme bis Chabrol mit "Landru - Der Frauenmörder von Paria" ein Terrain betritt, mit dem er sich später noch ausführlich auseinandersetzen wird: Horror und Schrecken hinter der Fassade bürgerlicher Wohlanständigkeit. Es ist die Geschichte vom kleinen Biedermann und Familienvater, der ein paar einsame arme Frauen vom Leben "befreit".
In "Die untreue Frau" (1968) dagegen präsentiert Chabrol eine Wunschfamilie wie aus der Fernsehwerbung, in die das Unheil einbricht, im "Der Schlachter" (1969) einen Mörder, der zugleich Opfer ist. Mit Filmen wie "Alice" (1976) nach Lewis Carroll und der Story über die Vatermörderin "Violette Nozière" (1977), mit der man Mitleid hat, entfernt sich Chabrol von der klar formulierten Sozialkritik am Bürgertum. Eine Flucht? "Flucht will ich das nicht nennen, obwohl die Wirklichkeit in Frankreich heute schon sehr bedrückend ist", sagte Chabrol 1978.
Immer wieder stehen bemitleidenswerte Schuldige im Mittelpunk seiner Filme: der Mörder und sein Schatten in "Die Fantome des Hutmachers" (1982), der traurige Entertainer in "Masken" (1986). Der versteckt hinter der Maske des Biedermanns die Untiefen des Bösen. Schließlich die lebenslustige Frau, die in "Eine Frauensache" (1988) mit zwei Kindern recht und schlecht in einem Rattenloch haust und durch Zufall zur Engelmacherin wird. Böses und Gutes, Verdauliches und Unverdauliches verschwindet im Riesenrachen der Familie, der alles verschlingt. Aber die "Biester" (1995), Isabelle Huppert und Sandrine Bonnaire, räumen damit auf und verbreiten abgründig boshaftes Lachen.
Ein französischer Kritiker hat einmal gesagt, Hitchcock schaffe ein Maximum an Spannung mit einem Minimum an Humor, Chabrol indes produziere ein Minimum an Spannung und umgebe es mit einem Maximum an Spaß.
Neben seiner Tätigkeit als Regisseur, Autor und Produzent hatte Chabrol diverse Gastauftritte in seinen Filmen. Manchmal übernahm er auch Darstellerrollen bzw. Cameo-Auftritte bei Kollegen: "Le Coup du berger" (1956), "Les jeux de l'amour", "Paris gehört uns", "Speisekarte der Liebe" (alle 1960), "Amour in St. Tropez", "Les ennemis" (beide 1961), "Les durs à cuire" (1964), "Kalte Augen" (1968), "Et crac" (1969), "Aussi loin que l'amour" (1971), "Mord bleibt Mord", "The Other Side of the Wind" (beide 1972), "Le permis de conduire" (1973), "Ein irrer Typ" (1977), "Les voleurs de la nuit", "Polar - Ein Detektiv sieht schwarz", "Homicide by Night" (alle 1984), "Ein Tag in Paris", "Ich hasse Schauspieler!" (beide 1986), "Schmutziges Schicksal", * "Jeux d'artifices","L'Été en pente douce" (alle 1987), "Sueurs froides" (TV-Serie, Gastgeber), " Alle Vöglein sind schon da" (beide 1988), "Sam suffit" (1992), "Le fils de Gascogne" (1995), "Tu devrais faire du cinéma" (2002), "La deuxième vérité" (2003) und " Die Brautjungfer" (2004).






per E-Mail verschicken
Facebook
Twitter
RSS

