Im Jahre 1970 findet in Wembley das erste große Reggae-Festival statt - mit über zehntausend Zuschauern. Unter Dutzenden von Bands tritt ein Duo auf "Bob and Marcy", das mit einer Neuvertonung von "Young, Gifted and Black" von Nina Simone eine halbe Million Alben verkauft. Bob Andy besingt bereits seit zehn Jahren den Black Pride, ganz nach Rastafari-Art. Seine Partnerin Marcia Griffiths, wird bald Chorsängerin bei Bob Marley sein.
Bob Andy ist einer der großen Pioniere jamaikanischer Musik. Eine Karriere von fast einem halben Jahrhundert, mit einem Meisterwerk, einem Vorboten des Roots-Reggae, aufgenommen im legendären Studio One: „Bob Andy' Songbook“. 1962 wird Jamaika vom Joch der englischen Kolonialmacht befreit, die die Insel drei Jahrhunderten besetzt hielt. Eine Welt, noch immer geprägt von der Sklaverei, deren Drehscheibe sie war. Der ganze Stolz Jamaikas sind die Maroons, die rebellischen Sklaven in den Bergen, die die afrikanischen Traditionen bewahrt haben. Die riesige Burru-Trommel steht im Mittelpunkt der Rasta-Musik und auch bald des Reggae. Bob Andy ist Mitbegründer einer neuen Musik, die bald dem Reggae den Weg bereiten wird. 1963 gründet er mit Studienkollegen eine Band, die die beliebteste Gesangsgruppe Jamaikas wird: The Paragons. Während die Paragons einen neuen Sänger verpflichten, den legendären John Holt, startet Bob eine Solokarriere. Als Rock Steady so richtig boomt, bringt er sein „Songbook“ heraus und schreibt Lieder für die Allergrößten, wie zum Beispiel Ken Boothe.
Er bleibt nicht lange allein. 1970 bildet er sowohl auf der Bühne als auch im richtigen Leben ein Paar mit einer der größten Reggae-Diven, Marcia Griffiths, die er 1964 im Studio One singen gesehen hat. Mit gerade mal 14 Jahren! 1975 wird Marcia Griffith Teil der I-Three, der Sängerinnen von Bob Marley. Bob Andy begibt sich auf Welttourneen, die ihn bis nach Japan führen. Dort eröffnet er das erste Sunsplash, eines der größten Reggae-Festivals der Welt. Doch plötzlich verschwindet Bob Andy.
Bob Andy: "Es ging mir auf den Wecker, morgens früh aufzustehen, an einen Ort zu sausen, an dem man mir Puder ins Gesicht tupfte, um dann schnell auf die Bühne zu springen. Bald wurde mir klar, dass mir dieser Teil des Musikbusiness‘ nicht gefiel. Ich hatte meine Illusionen, was das Musikgeschäft anging, verloren. Ich schrieb mich bei Theater-Workshops ein, nahm Tennisunterricht und tat Dinge, die mir Spaß machten, wie jeden Tag zu schwimmen."
Bob ändert sein Leben. 1980 ist er der Star eines jamaikanischen Films: „Children of Babylon“. Er spielt einen Rasta, der eine reiche amerikanische Touristin verführt und das schöne Leben genießt. Aber man wird immer von seiner Vergangenheit eingeholt! Während all dieser Jahre kämpft Bob an allen Fronten. 1989 spielt er in Danzig auf einem Konzert für die Gewerkschaft „Solidarität“.
Doch sein größtes Anliegen ist der Kampf für die Rechte der Musiker, für die er eine Schutzorganisation ins Leben ruft und Anwälte engagiert. Um nicht wieder übers Ohr gehauen zu werden, gründet er das Label I-Anka, das seit zwanzig Jahren seine Alben veröffentlicht.
Bob Andy : "Die Leute, die die Musik erfanden, aus der die berühmte jamaikanische Musik entstand, waren arm. Sobald diese Leute anfingen, Geld zu verdienen, hätten sie es mit anderen teilen müssen, doch das hätte ihren Aufstieg verlangsamt. Wir wussten es alle, wir hatten es von den Weißen gelernt: Je reicher du bist, desto mächtiger bist du. Ihnen war es egal, dass sie für Macht über Leichen gingen. Doch wozu das alles? Wie viel Essen kann ich in mich reinstopfen? Ich bin genau so reich wie jeder Milliardär!"







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