Das goldene Kino-Zeitalter begann aber erst so richtig in den 50er Jahren, mit Streifen wie „Mother India“ von 1957, ein „Vom Winde verweht“ made in Bollywood. Das Rezept ist immer das Gleiche. In jedem der Filme, die im Schnitt drei Stunden dauern, sind mindestens drei Tanzszenen und sechs brandneue Songs. Die Aufnahmen finden meistens im Studio statt. Die großen Produktionen sind für ein breites Publikum bestimmt und daher immer jugendfrei, was ihre Export-Chancen erhöht. „Indian Love Story“ spielte allein in den Kinos der USA über drei Millionen Dollar ein. Aber es existiert noch ein anderes Bollywood, das derber und schärfer ist als die klassischen Schinken. „Bride and Prejudice“, von der englischen Regisseurin indischer Herkunft Gurinder Chadha, schlug kürzlich ein Brücke zwischen Bolly- und Hollywood. Gurinder Chadha: "Die Filme sind wie ein festliches Gelage, bei dem man die Vor-Haupt- und Nachspeise in einem Gang serviert bekommt. Das Geld für den Eintritt bereut man nie, denn man bekommt was dafür geboten."
Doch auch Indiens Kino-Industrie leidet unter dem Boom des Satelliten-Fernsehens. Immer mehr Zuschauer bleiben von den Kinos fern. Konsequenz: 90 Prozent aller Bollywood-Produktionen verbuchen heutzutage ein Defizit. Die Drehbuchautoren waren gezwungen zu reagieren. Neue Konzepte wurden ausgetestet, mit Erfolg. 2003 wurde erstmals ein Horror-Film zum größten Kassenknüller des Jahres in Indien. „Bollywood Masalla“, nennt man das neue Kino-Genre. Seitdem Indien die Zensur gelockert hat lassen sich die Produzenten von Hollywood-Schockern inspirieren. In sogenannten „Skin Flicks“ Filmen wagen sie sich sogar an die Tabus der indischen Mythologie. Oft werden die Drehbücher aber einfach radikal von großen Klassikern, wie „der Exorzist“ kopiert.
Mischungen von Filmstilen haben in Indien schon lange Tradition. Mit neuen Zutaten wie Manga, Video-Spielen und Ultra-Gewalt à la John Woo, spielen die neuen indischen Filme nicht selten das Fünffache der Produktionskosten ein. Der lockere Umgang mit den Zwängen und Verboten des Alltags turnt die Inder besonders an. Da ist es ihnen egal, ob der Film gerade mal 20.000 Euro gekostet hat.
Bleibt nur eine Hürde zu nehmen, das Thema Erotik.
Die in der Reportage gezeigten Filmausschnitte
« Raaz » - Vikram Bhatt
« Mother India » - Mehboob Khan / DVD Carlotta films
« La famille indienne » - Karan Johar / DVD Carlotta films
« Sometimes happy, sometimes sad » - Karan Johar
« Rakht » - Makesh V. Manjrekar
« Bride & Prejudice » - Gurinder Chadha
« Bhoot » - Ramgopal Varma
« A Story of Call Girl »
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Die indische Woche bei ARTE
Mittwoch, den 23. Februar 2005, um 22.50 Uhr
Spielfilm: Von ganzem Herzen (Dil Se)
Donnerstag, den 24. Februar 2005, um 20.45 Uhr
Spielfilm: Das Liebesdreieck (Chori Chori Chupke Chupke)
Freitag, den 25. Februar 2005, ab 22.30 Uhr
Themenabend: Planet Bollywood
Dokumentation: Bollywood Remixed
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Eine Reportage von Aldo Lee
Donnerstag, den 24. Februar 2005 um 23.25 Uhr
Wiederholung am Samstag, den 26.02 um 17.50 Uhr
Redaktion: ARTE France, Program33
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