DVD-News - 19/09/07
Borat - Eine skurrile Reise - quer durch Amerika
Ein FIlm von Larry Charles
Kulturelle Lernung von Amerika um Benefiz für glorreiche Nation von Kasachstan zu machen
USA 2006, 82 Min.
Regie: Larry Charles
Mit Sacha Baron Cohen, Ken Davitian, Pamela Anderson
Synopsis: Der kasachische Fernsehreporter Borat Sagdiyev wird von seinem Innenministerium beauftragt, in die USA zu reisen, um die Gebräuche und Gewohnheiten der Menschen dort zu studieren, um in seinem Heimatland davon berichten zu können.
Kritik: Halbdokumentarisch gedreht beschert dieser Spielfilm einen ungewöhnlichen Blick auf Amerika, aber auch auf Kasachstan. Der Film schlug Wogen bis ganz nach oben. Der kasachische Präsident Nursultan Nasarbajew beschwerte sich sogar bei US-Präsident George W. Bush über die provokativen Äußerungen von Sacha Baron Cohen. Später allerdings lenkte Kasachstan ein und lud den Film sogar ein. BORAT spaltet die Gemüter, wobei die meisten Zuschauer ihn durchaus sehr komisch finden.
Nicht ganz so begeistert allerdings sind einige der treuesten Fans des Komikers, die seine britische TV-Comedy "Die Ali G. Show" regelmäßig sehen. Darin spielt er einen Goldketten behängten Rapper, der schon auch mal einige betrunkene Skins fragt: "Stimmt es eigentlich, dass alle Skins schwul sind?" Diese werfen ihm vor, dass nicht wirklich viele neue Gags Eingang in seinen ersten Spielfilm gefunden hätten. Aber allen, die Sacha Baron Cohen erst jetzt kennen lernen, steht eine skurrile Reise quer durch Amerika bevor, mit einem Huhn im Gepäck - später ist es für kurze Zeit auch mal ein Bär. Seine antisemitische und frauenfeindliche Grundhaltung verbirgt Borat keineswegs. Im Gegenteil: Sie soll seine Gesprächspartner provozieren und sie dazu bringen, selbst unzensiert ihrer wahren Meinung freien Lauf zu lassen.
So lässt sich etwa ein Rodeoorganisator dazu hinreißen zu sagen, dass "Schwule am besten hinter Gitter gebracht werden sollten", und das bleibt nicht die einzige Bemerkung ihrer Art. Dann nimmt Borat das Mikro und gratuliert vor einem gut gefüllten texanischen Rodeo Stadion zum "Krieg für den Terror". Das Publikum applaudiert begeistert. Borat fügt hinzu, dass er hofft, dass "George W. Bush das Blut von allen Männern, Frauen und Kindern im Irak trinken werde." Dann beginnt er, die Melodie der amerikanischen Nationalhymne mit dem vermeintlichen Text der kasachstanischen Nationalhymne zu singen: „Kasachstan, Kasachstan, großartigstes Land der Erde. Alle anderen Länder werden von kleinen Mädchen geführt.“ Die Menge beginnt zu buhen, Borat kann sich grade noch in Sicherheit bringen. Dies ist nicht die einzige gefährliche Situation, in die sich der britische Komiker begibt.
Einer der Höhepunkte der Geschmacklosigkeit ist sicher das Ringen mit seinem Produzenten Azamat Bagatov, der stets mit ihm reist. Nackt ringen sie erst im Hotelzimmer, um dann - immer noch nackt - mitten in eine stattfindende Tagung im Hotel zu rennen. Azamat wiegt sicher gut drei Zentner und am Ende des Kampfes sitzt Azamat mit seinem haarigen Hinterteil auf dem Kopf Borats. Will man so etwas sehen? Gerade in New York angekommen, will Borat im Fahrstuhl einziehen, weil er glaubt, das sei bereits sein Zimmer. Er steckt den Kopf in die Kloschüssel, um sich zu erfrischen, und starrt stundenlang auf den Fernseher, auf dem nichts flimmert, weil er nicht mit der Fernbedienung umzugehen weiß.
BORAT erregte jede Menge Gemüter. Einige der eher unfreiwilligen Darsteller klagten, sie seien unter falschen Tatsachen überredet worden mitzumachen, so etwa der Fahrlehrer oder die Studenten, mit denen sich Borat ein Pamela Anderson Sexvideo ansieht. Erlan Idrissov, kasachischer Botschafter in London bezeichnete Cohen in einem Brief an den "Guardian" als ein "Schwein von einem Mann." Nach einer privaten Vorführung des Films lenkte er jedoch ein. Als er die kasachische Nationalhymne in der Version von Borat hörte, konnte er sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Übrigens: Das Internet-Lexikon Wikipedia sperrte seine britische Seite der zentralasiatischen Republik Kasachstan. Nutzer können diese jetzt nicht mehr selbständig bearbeiten. Einige Scherzbolde hatten Sacha Baron Cohen zum Staatsoberhaut Kasachstans gemacht, den Text der Nationalhymne geändert und hinzugefügt, dass in Kasachstan Frauen seit 1978 auch Busse benutzen dürfen.
Nana A.T. Rebhan
Erstellt: 23-04-07
Letzte Änderung: 19-09-07