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07/10/05

Borreliose

Ein Artikel von unserem Partner Onmeda


Die Borreliose (auch: Lyme-Borreliose) ist eine vor allem durch Zecken übertragene Erkrankung. Krankheitserreger sind Bakterien, die sog. Borrelien. Das Risiko zu erkranken variiert regional und ist auch nach einem Zeckenstich eher gering. In Deutschland schätzt man, dass etwa 40.000 Neuerkrankungen pro Jahr auftreten. Das Risiko ist besonders hoch in den Gebieten, die eine große Anzahl an mit Borrelien infizierten Zecken aufweisen (Endemiegebiete, z.B. die deutschen Mittelgebirge). Die Erkrankung ist aber auch in großen Teilen Europas sowie in Nordamerika verbreitet.
Da sich die Bakterien sehr langsam vermehren, verläuft die Borreliose schleichend in mehreren Phasen ab. Als typisches Zeichen tritt bald nach der Infektion eine etwa handtellergroße Rötung mit Randbetonung im Bereich der Stichstelle (Stichstelle) auf, das Erythema chronicum migrans (ECM). In der Folge kann es nach Wochen, Monaten oder Jahren zur Beteiligung anderer Organe (Gelenke, Nerven, Hirnhäute, Herz, Auge, Haut) kommen. Der Verlauf ist jedoch bei einer rechtzeitigen und korrekten Therapie in der Regel gutartig. Die Diagnose wird durch Krankengeschichte, das typische ECM und eine Blutuntersuchung mit einer Antikörperbestimmung gestellt. Die Behandlung erfolgt durch Verabreichung eines Antibiotikums.

Erreger, Infektionsweg
Borrelien sind Bakterien aus der Klasse der Spirochäten, die vor allem durch den Stich der Zecke Ixodes ricinus ("Holzbock") übertragen werden. Da die Zecken zu den Spinnentieren gehören wäre es auch korrekt von einem Biss zu sprechen. Die Zecken, welche in Amerika und Mitteleuropa weit verbreitet sind, sind in unterschiedlichem Ausmaß mit Borrelien infiziert. In Deutschland ist das Risiko, durch einen Zeckenstich infiziert zu werden, in den Mittelgebirgen (wie dem Bayerischen Wald oder dem Kraichgau) am höchsten. Hier sind bis zu 20 % der Zecken mit Borrelien infiziert. Allerdings wird nur ein geringer Teil der Menschen, die von einer infizierten Zecke gestochen werden, selbst auch infiziert und dann krank. Sehr wichtig ist die Tatsache, dass nach allen Studien in Deutschland, auf Grund der hiesigen Zeckenart, die Bedingungen für eine Infektion erst nach einem 24-stündigen Saugen der Zecke erfüllt sind. Sofern die Zecke daher bereits nach einigen Stunden entfernt wird, ist nicht mit einer Infektion zu rechnen. In den USA ist auf Grund der dortigen Zeckenarten erst 48 h nach einem Kontakt mit der Zecke mit einer Infektion zu rechnen. Obwohl mittlerweile auch Nager und Vögel als Wirte der Borrelien identifiziert worden sind, kann der Mensch nur durch Zecken, und auch nicht durch andere Insekten, wie Bremsen oder Mücken, infiziert werden. Allerdings bleiben Zecken oft lange Zeit unbemerkt und viele Menschen werden infiziert, ohne je einen Zeckenstich bemerkt zu haben.
Borrelien können verschiedene Organe des Körpers infizieren. Die Erkrankung verläuft in verschiedenen Stadien, die - da sich die Borrelien nur langsam teilen - über Jahre andauern können.

Symptome
Die Borreliose ist eine Erkrankung mit ungewöhnlich vielfältigen Erscheinungen, die sich sehr unterschiedlich und in vielen verschiedenen Organen äußern kann. Man unterscheidet drei Stadien der Erkrankung.

  • Stadium I
    Wenige Tage und Wochen nach dem Stich durch eine infizierte Zecke kann im Falle einer Infektion eine ringförmige, zunächst etwa handtellergroße Hauterscheinung - die so genannte chronische Wanderröte (Erythema chronicum migrans) - auftreten, die sich allmählich um die Zeckenstichstelle ausbreitet und schließlich wieder verschwindet. Diese Hauterscheinung ist so typisch, dass man in solchen Fällen sicher von einer Infektion ausgehen kann und die betroffene Person unbedingt mit Antibiotika behandeln sollte. Nicht verwechseln sollte man damit jedoch die harmlose und häufige Rötung, die sich auf ca. 1-2 cm um die Stichstelle verteilt, meist stark juckt, nach einigen Tagen oder spätestens einer Woche wieder verschwindet und kein Zeichen einer Infektion darstellt.
    Gleichzeitig mit dem ersten Stadium der Infektion kann eine uncharakteristische Allgemeinsymptomatik mit Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, Fieber und Lymphknotenschwellungen hinzukommen. Eine zweite, seltenere Hauterscheinung in diesem Stadium der Erkrankung ist eine rot-bläuliche Schwellung der Haut, typischerweise an den Ohrläppchen, die so genannte Lymphadenosis cuti benigna.

  • Stadium II
    Im zweiten Stadium der Erkrankung, die Wochen bis Monate nach dem Zeckenstich auftritt, kann es zu verschiedenen Organbeteiligungen kommen. Bei der Gelenkbeteiligung (Lyme-Arthritis) tritt meist eine Entzündung eines oder einiger weniger Gelenke (Mono- und Oligoarthritis) auf, wobei die Kniegelenke besonders häufig betroffen sind. Die Beteiligung des Nervensystems verläuft in Form einer Hirnhaut- und Nervenwurzelentzündung (Meningopolyneuritis oder Bannwarth-Syndrom) oder der Entzündung eines meist einzelnen Nervs am Körper (periphere Neuropathie), die z.B. zur Lähmung eines Gesichtsnervs mit Herabhängen der Mundwinkel (Facialisparese) auf einer Seite führen kann. Darüber hinaus kann, wenn auch selten, auch das Herz betroffen sein, so dass eine Herzmuskel- und Herzbeutelentzündung (Peri-Myokarditis) zu Herzrhythmusstörungen führen kann (typisch: Überleitungsstörung vom Vorhof zur Kammer = AV-Blockierung). Aber auch die Augen können betroffen sein (Uveitis, Papillitis).

  • Stadium III
    Das Stadium III tritt erst Monate bis Jahre nach dem Zeckenstich auf. Neben der chronifizierten Gelenkbeteiligung können hier Hauterscheinungen auftreten, welche durch Blauverfärbungen und die Verdünnung der Haut an den Händen und Füßen gekennzeichnet ist (Akrodermatitis atrophicans).
    Ob durch die Borreliose tatsächlich Gelenkentzündungen verursacht werden, die viele Gelenke betreffen und diese eventuell auch zerstören (erosive Polyarthritis), also das Bild einer rheumatoiden Arthritis vortäuschen, ist noch umstritten. Schmerzen der Sehnen und Muskeln können vorkommen, sind aber oft nur sehr schwer von anderen Erkrankungen zu unterscheiden.

Therapie
Eine nachgewiesene Infektion (d.h. ein positiver Antikörpernachweis im Such- und Bestätigungstest, eine passende Symptomatik oder aber der direkt nachgewiesene Erreger) sollte mit Antibiotika, in der Regel über einen Zeitraum von mindestens 21 Tagen, behandelt werden. Dabei entscheidet die Art der Infektion darüber, ob zunächst ein Therapieversuch mit als Tabletten eingenommenen Antibiotika gemacht werden kann oder aber ob gleich Antibiotika über die Vene injiziert werden müssen.
Die Wirkung der Antibiotikatherapie tritt häufig erst sehr spät nach einigen Wochen oder sogar Monaten ein, d.h. nach einer Antibiotikatherapie sollte zunächst der Verlauf abgewartet werden. Eine Kontrolle der Antikörpertiter im Blut nach der Behandlung gibt zumindest in den Stadien II + III der Erkrankung keinen Aufschluss über den Behandlungserfolg und wird daher nicht empfohlen. Beim Versagen der Behandlung (bei intravenöser Therapie sehr selten) kann die Therapie noch einmal wiederholt werden. Es wurde auch über verlängerte Antibiotikagaben über Monate hinweg und höhere Antibiotikadosen berichtet. Der Stellenwert dieser Behandlung ist jedoch noch nicht gesichert.

Prognose
Meist verläuft die Erkrankung relativ gutartig, aber leider häufen sich auch Hinweise auf "therapieschwierige" bis nahezu therapieresistente Fälle, vor allem, wenn die Erkrankung erst sehr spät erkannt wurde. Chronische Verläufe sind auch möglich. Wie häufig diese sind, ist allerdings statistisch nicht befriedigend genug untersucht. Die größte Chance, sie zu verhindern, liegt in einer frühzeitigen Antibiotikatherapie.

Prophylaxe
Bedeckende Kleidung schützt vor Zecken. Dabei sollte aber beachtet werden, dass die Insekten auch bei langen Hosen von unten durch die Hosenbeine auf die Haut gelangen können. Falls doch eine Zecke gestochen hat, sollte diese möglichst rasch entfernt werden. Dazu packt man die Zecke möglichst nahe ihres Beiß- bzw. Stechapparates, und zwar am Besten mit einer festen dünnen Pinzette, und zieht sie aus der Haut heraus. Auch spezielle Zeckenzangen gibt es käuflich zu erwerben. Eine "Vorbehandlung" der Zecke mit Öl, Klebstoff u.ä. sollte unterbleiben, um einen dadurch verstärkten Ausstoß des erregerhaltigen Zeckenspeichels zu vermeiden. Derartige Manipulationen würden die Infektionsgefahr eher noch erhöhen.
Der weltweit bislang einzige Impfstoff gegen Borreliose wurde leider vom Hersteller aus wirtschaftlichen Gründen vom Markt genommen. Die Impfung gegen Frühsommermeningoenzephalitis (FSME) , eine virale Erkrankung, welche auch durch Zecken übertragen wird, schützt aber nicht gegen die viel häufigere bakterielle Borreliose.
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HIPPOKRATES - Gesundheitsmagazin
Dienstag, 17. Mai 2005 um 14.45
Redaktion: Heidemarie Petters Koproduktion ZDF -ARTE G.E.I.E.

Erstellt: 11-05-05
Letzte Änderung: 07-10-05