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DVD-News - 04/11/05

Broadway Danny Rose

Ein Film von Woody Allen


  • Synopsis

Danny Rose (Woody Allen) versucht sich am Broadway als Agent für drittklassige Varietékünstler, bis sich eines Tages einer seiner Karteileichen, dem abgehalfterten Sänger Lou Canova (Nick Apollo Forte), unverhofft die Chance zu einem lukrativen Engagement eröffnet. Doch Lou Canova hat ein Herzensproblem – seine Geliebte, die Mafia-Braut Tina (Mia Farrow) zickt und verweigert ihren Besuch beim Eröffnungskonzert. Als sich Danny aufmacht, um Canovas Geliebte zu besänftigen, gerät er in Teufels Küche.

  • Der Kommentar zum Film

Beinahe wie in einem Dokumentarfilm geht es zu, wenn Regisseur Woody Allen und sein genialer Kameramann Gordon Willis am Anfang von „Broadway Danny Rose“ den kleinen Agenten und Varietékünstlern auf dem Broadway beim Feierabendplausch zusehen und -hören. Ob in der Bar, beim Essen oder beim Saufgelage – hier tauscht sich ein ganzer Berufsstand aus über die Tücken und Absonderlichkeiten des Showgeschäft, wenn man wie sie das Pech hat, in der zweiten oder dritten Liga mitspielen zu müssen. So natürlich und selbstverständlich in ihrer Berufsehre lässt Allen sie zu Wort kommen, dass der Zuschauer die Varietékünstler und ihre Agenten für echt hält, obwohl es sich doch um Schauspieler handelt. So findet Woody Allen über das Milieu einen wunderbaren Einstieg in das Leben und Wirken seines fiktiven Protagonisten Danny, der in den Gesprächen der Varietékünstler den Stoff für eine der groteskesten Anekdoten lieferte, die sich jemals auf dem Broadway zugetragen haben.

Dabei ist dieser Broadway Danny Rose durchaus ein respektierter Mann, weil er sich seiner Aufgabe mit großer Hingabe widmet. Nur hat er eben keine ‚big shots’ unter Vertrag, sondern einen blinden Xylophon-Spieler, Klavier spielende Vögel, einen Mann mit Pinguin und einen einarmigen Jongleur. Damit lassen sich auch bei größtem Einsatz nun mal einfach keine Dollars verdienen. Woody Allen verleiht diesem Danny dennoch große Würde – unermüdlich und klaglos ist er im Einsatz und versucht für seine schwer zu vermittelnden Showkräfte ein Engagement zu finden.

Doch all diese Details liefern nur die Hintergrundmusik für ein verhängnisvolles, tragikomisches Beziehungsdreieck, in dem der gewohnt tragische Held Woody Allen zu großer schauspielerischer Form aufläuft. Allen vermag vor allem dadurch zu berühren, dass die von ihm verkörperte Figur einfach nicht hinnehmen mag, dass die Welt durch gutes Zureden und seine Vermittlungskünste nicht zum Besseren zu bewegen ist. In diesem Sex-, Macht- und Geld-fixierten Milieu ist für einen ehrlichen, leicht neurotischen, kleinen Kerl wie ihn einfach kein Platz. Doch jemand, der um sein wirtschaftliches Überleben strampelt, hat für solche selbstmitleidigen Überlegungen keine Zeit. Unaufhaltsam steuert Allen, je richtiger er alles machen will, um vielleicht doch noch seine Chance zu bekommen, ins Schlamassel. Allen gelingt hier sowohl als Regisseur als auch als Schauspieler eine wunderbare Balance zwischen Slapstick, beißender Gesellschaftssatire und philosophischem Statement. Dass anders als sein Alter Ego Danny Rose der empfindsame Regisseur Woody Allen im brutalen Showgeschäft nicht unter die Räder geriet, sondern bis heute mehr als 20 weitere erfolgreiche Filme realisieren konnte, das dürfte dem Berufspessimisten 1984 alles andere als selbstverständlich erschienen sein.

  • Martin Rosefeldt


Broadway Danny Rose
Buch & Regie: Woody Allen
Darsteller: Woody Allen, Mia Farrow, Nick Apollo Forte
USA, 1984’, 80’, 1,85:1, s/w
Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch (Mono, Dolby Digital 2.0)
Untertitel: Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Niederländisch, Schwedisch, Norwegisch, Dänisch
Extras: keine

Erstellt: 11-10-05
Letzte Änderung: 04-11-05