Familienforschung leicht gemacht – Anleitungen, Methoden, Tippsvon Helmut Ivo
Piper 2004
Genealogie ist in erster Linie ein Handwerk, das wie jedes andere gelernt sein will. Der Journalist Helmut Ivo bietet einen guten Einstieg. Er erklärt, an welche Ämter man sich wenden soll und mit welchen Informationsquellen man am effizientesten weiterkommt und er weiß Tipps und Tricks, wie man den Tücken der Materie ein Schnippchen schlagen kann. Wenn ein Vorfahre entgegen aller Erwartung nämlich einmal partout nicht aufzuspüren ist, kann dies an ganz profanen Dingen liegen – dass Familiennamen nach nicht immer logischen Regeln eingedeutscht wurden etwa, oder dass man sie früher häufig frei nach Gehör interpretierte. Ivo warnt auch vor unseriösen, profitorientierten Anbietern und hilft mit konkreten Adressen sowie Musterbriefen in verschiedenen Sprachen weiter. Ein äußerst praktischer Ratgeber – unterhaltsam und übersichtlich.
Opa war kein Nazi – Nationalsozialismus und Holocaust im Familiengedächtnisvon Harald Welzer, Sabine Moller und Karoline Tschuggnall
Fischer, 2002
Ginge es nach dem Familiengedächtnis der Deutschen, dann wäre das Land im Zweiten Weltkrieg ein einziger Hort von Hitler-Gegnern gewesen. Nach zahlreichen Familiengesprächen und Einzelinterviews kommen die Autoren dieser sozialpsychologischen Studie zum Schluss, dass zwischen der öffentlichen und der privaten Erinnerungskultur in Deutschland eine Riesenlücke klafft. Während sich Politik, Schule und Kultur um Aufklärung bemühen, wird im Familienkreis fleißig verschwiegen, beschönigt und umgedeutet. Über die Generationen hinweg werden so Nationalsozialisten zu Widerstandskämpfern, Antisemiten zu Judenbeschützern und grausame Täter zu hilflosen Opfern. Die Beschreibung dieses „kumulativen Heroisierungsprozesses“ wird ergänzt durch Überlegungen zum Geschichtsbewusstsein im Ost-West-Vergleich sowie einige erstaunliche Beispiele dazu, wie Medien das eigene Gedächtnis formen können. Ein überraschendes, anschaulich geschriebenes und äußerst lehrreiches Buch über Tradierung von Geschichte und die Macht familiärer Bande.
Die vergessene Generation – Die Kriegskinder brechen ihr Schweigenvon Sabine Bode
Piper, 2005
Kinder leiden im Krieg oft am meisten. Das war in Deutschland nicht anders, doch über das Schicksal dieser Kinder wird bis heute kaum gesprochen. Überschattet vom nationalen Kampf mit Schuld und Scham, von Naziverbrechen und Holocaust blieb für eine Aufarbeitung weder Zeit noch Raum. Erstaunt stellt die Journalistin Sabine Bode fest, dass es den meisten ehemaligen Kriegskindern trotz grausamster Erlebnisse, extremer frühkindlicher Verluste, Flucht und Vertreibung völlig fern liegt, sich selbst als Opfer zu sehen. Statt zurückzuschauen haben sie gelernt, konsequent nach vorn zu blicken. Sie halfen, Deutschland wieder aufzubauen, gründeten eine Familie und sind heute wohlhabende Rentner – eine durch und durch tüchtige, pragmatische Generation, die um die eigene Befindlichkeit kein Aufheben macht. Bodes Buch ist ein Plädoyer dafür, sich den eigenen Traumata zu stellen und sie so zu überwinden – nicht zuletzt deshalb, weil sie auch an die nächste Generation weitergegeben werden können. Ein sehr berührendes Buch, das nicht nur den Betroffenen selbst, sondern auch ihren Nachkommen helfen kann zu verstehen, warum sie so sind, wie sie sind.
Wie aus Familiengeschichten Zukunft entstehtvon Rosmarie Welter-Enderlin
Carl-Auer, 2006
Die erfahrene Familien- und Paartherapeutin Welter-Enderlin ist überzeugt: Der zentrale Schlüssel für die Lösung von Paar- und Familienkonflikten liegt in deren historischem Aspekt. Durch den Blick auf die eigenen Familiengeschichten, die sich oft auf weitaus weniger zufällige Weise miteinander verquicken, als den Beteiligten bewusst ist, werden destruktive Dynamiken plötzlich nachvollziehbar. Und nicht selten stößt man so auf überraschende Lösungswege. Um objektive Wahrheit geht es dabei nicht. Jeder Beteiligte hat seine eigene Version des Erlebten und das ist auch gut so. Schließlich sollen nicht Schuldige gefunden werden, sondern der Blick für den anderen geschärft, unheilsame Verstickungen gelockert und letztlich vielleicht gar gelöst werden. Ein ungewöhnlicher Ansatz, der gängige Formen der Familientherapie sinnvoll erweitert und durch die vielen Beispiele aus der Praxis sehr konkret fassbar wird.
Die sieben Töchter Evasvon Bryan Sykes
Lübbe, 2001
Dies ist ein Buch für Leute, die sich weit über ihre eigene Familiengeschichte hinaus für ihre Wurzeln interessieren. Die Geschichte, die der Humangenetiker Bryan Sykes erzählt, reicht an die 45 000 Jahre zurück. Geschrieben ist sie nicht auf Pergament oder in Stein, sondern in der DNA eines jeden Menschen. Sykes und sein Team stellten fest, dass sich alle Europäer genetisch auf nur sieben Grundtypen zurückführen lassen, also von nur sieben Urmüttern abstammen. Das Buch ist eine fundierte Einführung in ein Kapitel der molekularen Evolutionsforschung, das auch über die Besiedlungsgeschichte der Erde erstaunliche Aufschlüsse gibt. Durch den Entwurf sieben potenzieller Lebensläufe unter ganz unterschiedlichen klimatischen, geografischen wie kulturhistorischen Bedingungen nimmt Sykes den Leser mit in die klirrende Kälte der Eiszeit, auf die Jagd nach wilden Tieren oder zu den Anfängen der Landwirtschaft. Eine fesselnde Zeitreise, die Biologie- und Geschichtsunterricht lustvoll verbindet.






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