Sonntag 11. September 2005 um 17.35 Uhr - 08/07/05
Bulgarien
Weinprobe (10/12)
Magazin, Deutschland 2005, ZDF, Erstausstrahlung
Regie: Jean Boué
Nirgendwo gibt es mehr Weinspezialisten als in Bulgarien – behaupten jedenfalls die Bulgaren, die alle irgendwo ihr eigenes Rebfeld besitzen. Zu siebzig Prozent produziert die Bevölkerung ihren Wein selbst, der am Haus, im Hof oder auf dem Acker nebenan wächst. Für die heimischen Weinproduzenten bleibt der Absatzmarkt damit begrenzt, denn man trinkt am liebsten, was man selbst gekeltert hat. Nur jeder dritte Bulgare erwirbt seinen Wein auch mal käuflich. Trotzdem ist die Weinwirtschaft in Bulgarien seit jeher ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, der Export relativ hoch. Denn die bulgarischen Weine haben Qualität, liegen preislich aber meist deutlich unter dem Niveau der Produkte der großen, bekannteren Weinländer.
Früher produzierten die Bulgaren für die Warschauer-Pakt-Staaten, in gigantischen Mengen wurden die Weinwaggons in die Sowjetunion gekarrt. Der Geschmack war nicht so wichtig, Hauptsache der Alkoholgehalt stimmte. In einer solch ehemals sozialistischen Weinfabrik in Damianitza werden heute die teuersten Weine des Landes hergestellt, von einem Verleger, der vor allem heimische Trauben für den bulgarischen Markt abfüllt. Direkt an der griechischen Grenze wachsen seine Reben, im Niemandsland, wo ehemals der eiserne Vorhang war.
Der Markt ist klein in Bulgarien, und jeder sucht seine Nische. Ein anderer Winzer hat sich auf Eliteweine für die High Society des Landes konzentriert. Seine Tropfen werden in den Restaurants des Parlaments und von den Diplomaten in den Auslandsbotschaften des Landes getrunken. Mehr noch als der Geschmack, ist es das Image, das diese Weine interessant macht.
Vor allem englische Discounter lassen ihre Hausmarken in einer der modernsten Weinfabriken des Balkans abfüllen. In Riesenmengen wird mit Technik aus der Neuen Welt Wein produziert, der so billig ist, dass er auch den Konkurrenten aus Australien und Chile Paroli bieten kann. Von all diesen Marktkämpfen unberührt bleibt allerdings der wichtigste Winzer des Landes – und das ist der Bulgare selbst: Vesselin Uzunov, Soldat im Ruhestand, weiß, wo es den besten Wein der Welt gibt: Den eigenen Wein, geerntet vor der Haustür.
Erstellt: 08-07-05
Letzte Änderung: 08-07-05