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Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

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Kino-News - 26/02/07

CESAR 2007 : Lady Chatterley

Ein Film von Pascale Ferran


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  • Großer Gewinner der Césars-Verleihung 2007

Die ARTE Koproduktion gewann insgesamt fünf Césars in den Kategorien:
- Bester französischer Film
- Beste Hauptdarstellerin (Marina Hands)
- Beste Adaptation (Pascale Ferran, Roger Bohbot, Pierre Trividic)
- Beste Kamera (Julien Hirsch)
- Beste Kostüme (Marie-Claude Altot)



2etoiles.jpg.imageData Klassisch-romantische Romanadaption und ein schönes Plädoyer für die Kraft der erotischen Leidenschaft.

artekoproduktion.gif.imageData (Frankreich/Belgien 2006), nach der Romanvorlage „Lady Chatterley’s Lover“ von D.H. Lawrence.
Mit: Marina Hands (Lady Constance Chatterley), Jean Louis Culloc’h (Olivier Parkin), Hippolyte Girardot (Sir Clifford Chatterley)

  • Synopsis

img_moy_cache_right_lady.jpg.imageData Die junge Constance heiratet 1917 den Minen- und Waldeigentümer Sir Clifford Chatterley, der bald seinen Militärdienst antritt und gelähmt aus dem Krieg heimkehrt. Constance pflegt ihn liebevoll, aber sie fühlt sich im ländlichen Milieu einsam und langweilt sich. Als sie einen Schwächeanfall hat, wird für Clifford eine Pflegerin eingestellt, Constance beginnt nun in langen Spaziergängen die Natur ihrer Umgebung zu entdecken. Dort trifft sie auf Parkin, den Jagdaufseher ihres Mannes, den sie zunächst zufällig beim Waschen beobachtet. Der Anblick seines nackten, virilen Oberkörpers löst heftige erotische Phantasien aus, die sie lange verdrängt hat. Unter Vorwänden besucht sie Parkins nun öfter in seiner Waldhütte, zwischen beiden beginnt gegen alle gesellschaftlichen Regeln eine leidenschaftliche Beziehung.


  • Kommentar

Die Romanvorlage löste zu ihrer Zeit einen Skandal aus, zu heftig war der Tabubruch dieser unstandesgemäßen Beziehung. Heute wird es kaum noch jemanden schockieren, dass eine junge Lady an der Seite eines gelähmten Mannes ihre sexuellen Bedürfnisse auslebt, selbst wenn es ein Bediensteter ihre Mannes ist. Aber Pascale Ferrand legt in ihrer neuen, klassisch-romantischen Adaption des Romans den Akzent auch gar nicht auf den gesellschaftlichen Tabubruch, sondern vor allem auf die – im doppelten Wortsinn – reine Leidenschaft der Lady Chatterley.

Mit einer fast naiven Unschuld erfreut sich Constance an der Entdeckung der körperlichen Liebe mit diesem einfachen, verschlossenen Mann, der sich aber durch und in dieser Beziehung auch langsam öffnet. Das sind zwar vorhersehbare und manchmal etwas simple Entwicklungen in der Psychologie der Figuren, aber sie sind mit großer Sensibilität und Glaubwürdigkeit gezeigt, was nicht zuletzt mit der hinreißenden Darstellung von Marina Hands zusammenhängt. Auch Jean-Louis Coulloc’h ist als wortkarger, naturverbundener Jagdaufseher eine gute Mischung aus Marlon Brando und Gérard Depardieu in ihren besten Jahren.

Leider verliert sich der Film manchmal in den weitgehend ausgetreten Pfaden der Naturgleichnisse: sich öffnende Blüten, fallende Blätter, Gewitterwolken oder der Genuss von frischem Quellwasser stehen allzu oft und allzu deutlich in langen Einstellungen und ästhetischen Bildern für die Seelenlandschaft der Menschen, man merkt die Absicht und ist verstimmt. Das ist zu viel des Guten und Schönen, auch wenn man sich gerne der subtilen und doch kraftvollen erotischen Atmosphäre hingeben möchte, die den ganzen Film durchzieht. Und man hat dem Film auch keinen Gefallen getan, auf der Berlinale die für einen Mehrteiler im Fernsehen gedachte Version von gut zweieinhalb Stunden zu zeigen und nicht eine etwas verdichtete Kinofassung. So schön der Glaube an die Kraft einer alle Schranken überwindenden Leidenschaft hier in Szene gesetzt ist, auch die stilsicher, dezent und ohne jeden Voyeurismus gezeigten erotischen Passagen wirken in der häufigen Wiederholung doch etwas ermüdend.

Dennoch gelingt es dem Film, dass man sich über weite Strecken in eine Zeit vor der sexuellen Reizinflation zurück versetzen kann, in der ein zufälliger Anblick eines nackten Oberkörpers noch ein ganzes Leben verändern konnte.

Thomas Neuhauser

Erstellt: 26-02-07
Letzte Änderung: 26-02-07