Letztes Jahr feierten die Filmfestspiele von Cannes ihr sechzigstes Jubiläum. Dieses Jahr hätte man höchstens den vierzigsten Jahrestag der Annullierung der Veranstaltung im Mai 68 begehen können ... stattdessen wurde für die Ausgabe 2008 ein „Neubeginn“ angekündigt.
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| © Thierry Frémaux par P. Quaisse |
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Präsident der Festspiele 2008 ist
Gilles Jacob;
Thierry Frémaux, der am 11. März in Paris zum Ritter der Ehrenlegion ernannt wurde, bekleidet das Amt des Generaldirektors, spielt aber weiterhin die Rolle des künstlerischen Leiters, der maßgeblich an der offiziellen Auswahl der Beiträge beteiligt ist.
Diese Auswahl kann auf den ersten Blick sicherlich nicht als „epochemachend“ gelten – allerdings muss man wissen, dass einige große Filmemacher (z.T. wahre „Stammgäste“ in Cannes) diesmal nicht dabei sind, da sie kein Projekt anzubieten hatten oder ihr Film nicht rechtzeitig fertig wurde. Dennoch wird Thierry Frémauds Team von Jahr zu Jahr mit einer steigenden Anzahl von Bewerbungen aus aller Welt konfrontiert: Dieses Jahr waren es 1792 Spielfilme aus 96 verschiedenen Ländern und über 2200 Kurzfilme aus 80 Ländern.
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| © "Conte de Noël" d'Arnaud Desplechin |
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Den französischen Film vertritt erstmals
Philippe Garrel mit seinem neuesten Werk, „
La Frontière de l’aube“ (mit
Louis Garrel und
Laura Smet), sowie erneut
Arnaud Desplechin mit „
Un Conte de Noël“ (mit
Catherine Deneuve,
Melvil Poupaud und
Chiara Mastroianni). Ebenfalls dabei ist „
Entre Les Murs“ von
Laurent Cantet, in dem es um die Erfahrungen eines jungen Französischlehrers an einer Problemschule geht, und ein Dokumentarfilm von
Raymond Depardon, „
La vie moderne: profil paysan III“.
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| © "De la Guerre" de Bertrand Bonello |
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Zur Auswahl im Rahmen der „
Quinzaine des réalisateurs“ gehören „
Voyage aux Pyrénées“ der
Gebrüder Larrieu, „
Les Bureaux de Dieu“ von
Claire Simon, „
De la Guerre“ von
Bertrand Bonello und „
Dernier Maquis“ von
Rabah Aimeur-Zaïmeche.
Auch der lateinamerikanische Film ist stark vertreten („
La mujer sin cabeza “ von
Lucretia Martel, „
Linha de Passe“ von
Walter Salles, „
Leonera“ von
Pablo Trapero, „
Los Bastardos“ von
Amat Escalante), und Italien startet sozusagen aus der Poleposition („
Gamorra“ von
Matteo Garrone, „
Il Divo“ von
Paolo Sorrentino, „
Sangue Pazzo“ von
Marco Tullio Giordana mit
Monica Bellucci).
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| © "Indiana Jones et le royaume du crâne de cristal" |
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Die 61. Ausgabe des Festivals zeichnet sich durch einen hohen Dokumentarfilmanteil aus („
Waltz with Bashir“ von
Folman, „
La vie moderne: profil paysan III“ von
Raymond Depardon, „
Tyson“ von
James Toback (Un certain Regard), „
Maradona“ von
Emir Kusturica (Mitternachtsvorstellung), „
Of Time and City“ von
Terence Davis, „
C’est dur d’être aimé par des cons“ von
Daniel Leconte, „
Roman Polanski: Wanted and Desired“ von
Marina Zenovich), doch auch der populäre, vornehmlich amerikanische Film mit seinem internationalen Staraufgebot ist sehr präsent:
Julianne Moore und
Danny Glover im Eröffnungsfilm „
Blindness“ von
Fernando Meirelles,
Robert De Niro (der auch die Goldene Palme übergeben wird) im Abschlussfilm „
What Just Happened?“ von
Barry Levinson,
Joaquin Phoenix und
Gwyneth Paltrow in „
Two Lovers“ von
James Gray,
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| "The Changeling" von Clint Eastwood |
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Angelina Jolie und
John Malkovich in
Clint Eastwoods „
The Changeling“. Außerdem stellen
Harisson Ford und
Steven Spielberg „
Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ vor,
Penélope Cruz und
Scarlett Johansson sind in „
Vicky Cristina Barcelona“ von
Woody Allen zu sehen, und
Mike Tyson spielt sich selbst in
James Tobacks Dokumentarfilm. Schließlich wird noch ein verrückter Western des Koreaners
Kim Jee-woon („
The Good, the Bad, and the Weird“) angekündigt, sowie ein Trickfilm-Panda, der Kung-Fu kann („
Kung Fu Panda“ von
Mark Osborne und
John Stevenson)! An Glanz und Glamour wird es also auch dieses Jahr in Cannes nicht mangeln!
Olivier Bombarda