- 1979
Ich fahre zum ersten Mal nach Cannes zum Filmfestival. Fragen über Fragen: Ist dieses Festival wirklich so altmodisch, wie allgemein behauptet wird? Wer weiß. Im Zug denke ich über all das nach. Natürlich bin ich auch aufgeregt: Cannes, das ist die ganze Welt des Films, etwas Unvorstellbares.Mein erster Spaziergang auf der Strandpromenade. Im Radio läuft ein altes französisches Chanson der 30er- oder 40er-Jahre, ich kann mich nicht mehr genau erinnern… und dann packt mich die Begeisterung. Cannes, das ist großartig altmodisch und dieses großartige Altmodische passt wunderbar hierher. Ich finde alles phantastisch und zumindest der erste Eindruck entspricht dem Mythos.
Dennoch beschwingt mich dieser Gesamteindruck. In Cannes vermischen sich die Genres. Es ist wie ein großer kitschiger Basar, eine Mixtur unterschiedlichster Dinge. Wir sind hier, um Super-8 Filme im Haus der Jugend zu zeigen und einen Abend über die Zukunft des französischen Films zu veranstalten. In Cannes sind Sicherheitskräfte, Demonstranten, Streikende, Produzenten, Stars und Starlets… Ich wollte zu den „Starlets“ von Cannes gehören, aber ich muss zugeben, dass ich nicht weit gekommen bin.Der Strand, ein Moment der Ruhe.
- 1980
Ich bereite mich auf die Reise vor, die ich schon einmal gemacht habe. Neue Super-8-Vorstellungen stehen an. Ein riesiges Festival, und ich mittendrin. Ich bin wild entschlossen, mich mitten hinein zu stürzen. Zum Glück gibt es dieses Jahr viel weniger Super-8-Vorführungen. Somit habe ich mehr Zeit mich umzusehen. Mich erfüllt der Gedanke: Das ist Kino! Ich liebe es ohne Gleichen!Das alles erinnert mich an Filme mit Seeungeheuern, bei denen mir als 5- oder 6-Jähriger so sehr gruselte, als ich sie in schwarz-weiß mit dem 16-mm-Projektor bei unseren Nachbarn sah.
- 1993
Aber dann sind mir die Erinnerungen wieder eingefallen. Bei dieser Reise nach Cannes erinnerte ich mich an das Jahr 1962, als ich mit meiner Mutter und meinem Bruder aus Südamerika in Cannes ankam, während das Filmfestival in vollem Gang war.
Ich erinnerte mich auch daran, wie wir 1966 in Cannes meinen nachgereisten Vater wieder sahen. Die Erinnerungen an die Ankunft per Schiff haben meinen diesjährigen Aufenthalt geprägt. Die Gesichter zogen an mir vorüber. Bei dieser Reise in die Vergangenheit besuchte ich eine Verwandte, die in Cannes lebte: Malka, wir nannten sie Marie. Für mich gehörte Marie immer in die Welt des Glamour; ihre Schönheit, ihre natürliche Eleganz und ihr jiddischer Akzent machten sie in meinen Augen zu einem Star. Sie war ein Teil dieses Schauspiels Leben, das das Festivals von Cannes auf die Leinwand bringt.







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