ARTE en Français

Schriftgröße: + -
Home > Cannes 2005 > Die Filme > Odete

Cannes 2005 - Quinzaine des Réalisateurs - 18/05/05

Odete

Ein Film von João Pedro Rodrigues


Ein großzügig angelegtes Pop-Melodram aus Portugal, bei dem die Spannung bis zum unerwarteten Ende erhalten bleibt.

(Portugal, 2005, 1’40)
mit Ana Cristina de Oliveira, Nuno Gil, João Carreira…

Synosps: Pedro und Rui sind haltlos ineinander verliebt und können sich ein Leben ohne den anderen nicht vorstellen. Als Pedro plötzlich stirbt, ist Rui am Ende und weder in der Lage noch willens, das traumatische Ereignis zu verarbeiten. Odete arbeitet in einem Supermarkt. Ihr Verlobter, von dem sie sich sehnlichst ein Kind wünscht, verlässt sie, doch ihr Wunsch wird zur Obsession. Sie lässt sich anstecken von der Trauer über den Tod ihres Nachbarn Pedro, den sie eigentlich gar nicht kannte. Immer stärker ist sie besessen vom Trübsinn und der Gewissheit, von Pedro schwanger zu sein, und macht deshalb Bekanntschaft mit seiner Mutter und auch mit Rui. Diese heftige und von Unverständnis geprägte Begegnung steht am Beginn einer Wiedergeburt...

Kritik: Von Erstlingswerken sagt man oft, sie seien technisch perfekt und Zweifel am Können des Autors kämen erst beim nachfolgenden Werk auf, wenn sich vorher unbekannte Herausforderungen und Schwierigkeiten zeigten. „Odete“ ist so ein „zweites Werk“. Nach seinem berühmten „O fantasma“ (2000), einer traumartigen Ballade über einen jungen Müllwerker, der in einer stillen, beinah fantastischen Stadt seinen Wunschbildern und homosexuellen Fantasien nachhängt, verwahrt sich João Pedro Rodrigues in seinem neuen Film „Odete“ dagegen, aus dem Stil und der außerordentlich homogenen Thematik seines ersten Werkes Kapital zu schlagen. Die ungewöhnliche und erstaunliche Form dieses Films scheint einer unbändigen Lust am Kino zu entspringen: „Odete“ ist so schillernd und vielfältig wie ein Kaleidoskop. Dies gilt auch für die Besetzung, für die erfahrene Schauspieler ebenso wie Anfänger und Laiendarsteller ausgewählt wurden. Hier ist vor allem das ausdrucksstarke Spiel von Nuno Gil in der Rolle des vom Schmerz zerfressenen Rui zu erwähnen sowie Ana Cristina de Oliveira, die dem (bereits mütterlichen?) Starrsinn der weltfernen und strahlenden Odete besonderen Nachdruck verleiht.

Offensiv und geschickt bedient sich João Pedro Rodrigues des melodramatischen Genres – zunächst mit einem äußerst markanten Prolog, dann aber mit zartem, durch einsetzenden Regen verstärkten Gestus. Besonders bemerkenswert ist die gewagte großzügige Anlage des Films, mit der er konventionelle Gestaltungsprinzipien übergeht und sich als eine Hommage an eine Zeit erweist, in der die Ablehnung der modernen, omnipotenten Grautöne durch Pop-Art-Farben, eine bunte Themenpalette und Anspielungen auf Blake Edwards „Breakfast at Tiffanys“ kompensiert wurde. Von den wundervollen Friedhofszenen, in denen die Kamera aus dem Blumenschmuck der Grabsteine auftaucht, bis hin zu den weiträumigen, ostentativen Einstellungen vom Kamerakran herab steht „Odete“ für eine Offenheit, die in Zeiten, in denen Zynismus im Kino recht erfolgreich zu sein scheint, ein ganz besonders schönes Beispiel für Mut ist.

Julien Welter

------------
Odete
von João Pedro Rodrigues
(Portugal, 2005, 1’40)
mit Ana Cristina de Oliveira, Nuno Gil, João Carreira…
Quinzaine des Réalisateurs

Erstellt: 17-05-05
Letzte Änderung: 18-05-05