- Synopsis des Films Capote
Der Film konzentriert sich auf die Schaffensjahre Truman Capotes zwischen 1959 und 1965 – 6 lange Jahre, in denen er an seinem bahnbrechenden Buch KALTBLÜTIG arbeitet. Der exzentrische Autor plant einen Non-Fiktion Roman – ein literarisches Novum - zu schreiben, über einen realen Mord an einer Farmer-Familie in Kansas. Dazu baut er eine Freundschaft zu Perry Smith – dem einen der mutmaßlichen Mörder auf. Dieser Schaffensprozess dauert zermürbend lange – Capote verliert dabei die Kontrolle über sein eigenes Leben.
- Filmkritik von Capote
CAPOTE fokussiert natürlicherweise auf Capote, der von Philipp Seymour Hoffman geradezu genial gespielt wird. Hoffmann gilt zu Recht als Oscar-Favorit für diese Rolle. Der Schauspieler hörte sich stundenlange Tonbandaufnahmen des Schriftstellers an, sah sich Fernsehautritte an – und wurde fast schon beängstigend echt Capote. Die kleinste Bewegung stimmt, lässt das jungenhafte Genie der amerikanischen Literatur wieder aufleben. Wie er mit seitlich abgespreizten Händen diese beim Zuhören an seine Schläfen lehnt. Der wache Blick aus blauen Augen, die doch stets bei sich selbst zu sein scheinen, und sich nie ganz in anderen verlieren. Eleganz in jeder Bewegung, wie er stolz seinen Schal wehen lässt, und sich wendig im Kaschmirmantel dreht. Immer ein wenig affektiert, manchmal wirkt es auch naiv – seiner Zeit war der bekennend schwul lebende Autor damit weit voraus.
In Kansas ist und bleibt Capote ein Fremdkörper – dort weht ein harter Wind. Doch er wird zum schillernden Paradiesvogel, der im Mordfall ermittelt. Der Film stützt sich auf die gut recherchierte, solide Biografie von Gerald Clarke. CAPOTE schildert, wie es schwerer und schwerer für den exzentrischen Autor wird, zu warten, bis er alle die nötigen Informationen für seinen zukünftigen Bestseller zusammen bekommt. Er freundet sich an mit Perry Smith, dem einen der beiden im Mordfall Angeklagten. Capote entdeckt Parallelen zu dessen Jugend in seiner eigenen Biografie: Beide sind sie etwa ohne die Liebe der Mutter in Heimen oder Internaten aufgewachsen. Doch Capote weiß auch, dass er Perry Smith eigentlich nur benutzt, seine Freundschaft für seinen literarischen Erfolg missbraucht. Die furchtbare Wahrheit: Er wartet auf dessen Hinrichtung – sehnsüchtig. Truman Capote opfert Perry Smiths Leben für seine Kunst. Danach wird Capote kein einziges großes Werk mehr fertig stellen.
Millers Film konzentriert sich auf den inneren Verfall Capotes, der in den Jahren zwischen 1959 und 1965 stattfindet. Die langwierige Arbeit am neuen Buch ist so schwer, wie es Capote nie für möglich gefunden hätte. Er beginnt zu trinken und Tabletten zu nehmen. Dem Schauspieler Philip Seymour Hofmann kam dabei die schwierige Aufgabe zu, diesen inneren Prozess auf der Leinwand sichtbar zu machen. Regisseur Bennett Miller: „Er (Philip Seymour Hofmann) musste die Komplexitäten und verschiedenen Ebenen kommunizieren, deren Behandlung das Drehbuch klugerweise mit großer Zurückhaltung verweigert. Der Stil des Films diente dazu, Phil wie unter ein Mikroskop zu legen. – er war es, dem dann die schwierigen Aufgaben zufielen. Für ihn gab es kein Netz oder doppelten Boden.“ Philip Seymour Hoffman und Regisseur Bennett Miller ist es sehr beeindruckend gelungen, dieses moralische Dilemma herauszuarbeiten – CAPOTE ist ein hervorragender Film geworden - einer der besten Biografieverfilmungen der letzten Jahre.
- Kritik der DVD
Die Special Edition Ausgabe der DVD enthält beide Filme, den im Jahre 2005 inszenierten CAPOTE, für dessen gleichnamige Hauptrolle Philip Seymour Hoffman einen Oscar und einen Golden Globe gewann, und den 1967 unter der Regie von Richard Brooks entstandenen Film IN COLD BLOOD. Während sich auf der CAPOTE DVD diverse Extras finden, gibt es bei IN COLD BLOOD leider nur einige Trailer u.a. für den Film selbst zu sehen.
Das Making Of von CAPOTE ist dreigeteilt. Teil Eins „Erhörte Gebete“ erzählt vor allem aus der Sicht von Gerald Clarke, dem Biographen von Truman Capote Anekdoten aus dessen Leben. Clarke und Philip Seymour Hoffman erwähnen ihn als eine extrem beliebte Persönlichkeit des New Yorker Partylebens. Clarke lobt den exzentrischen Autor als großartigen Künstler und Persönlichkeit. Der Film konzentriert sich auf nur fünf Jahre aus dessen Leben. Clarke: „Sein Roman „In Cold Blood“ war sein größter Erfolg, aber auch sein größter Misserfolg.“ Dan Futterman, der Drehbuchautor des Films zitiert das Vorwort Capotes zu seinem nie vollendeten letzten Buch: „Mehr Tränen werden für erhörte als für unerhörte Gebete vergossen.“
Das Making Of „Capote – Vom Konzept zum Drehbuch“ schildert den langfristigen und sorgfältigen Weg von Capotes Roman zum fertigen Drehbuch des Films. Dan Futterman ist eigentlich Schauspieler (BIRDCAGE, URBANIA), dies war sein erstes Drehbuch, und so investierte er fünf Jahre seines Lebens in diese Arbeit. Regisseur Bennett Miller, für den CAPOTE ebenfalls sein erster Abend füllender Spielfilm sein soll sollte, war sich durchaus bewusst, dass es die ganze Zeit das Risiko gab „sich zu blamieren“, wenn man versucht, Capote nachzustellen. Doch als Philip Seymour Hoffman zusagte, für seine Rolle abnahm und sich immer mehr in den dandyhaften Autor verwandelte, fassten alle Vertrauen in den Film.
Beim Making Of „Die Inszenierung“ spürt man als Zuschauer regelrecht, wie gut die Besetzung der einzelnen Departments war, und wie jeder die Vision des Regisseurs teilte. Genau so entstehen große Filme. Es wurde in Winipeg gedreht, das auch heute noch wie Kansas in den 60ern aussieht. Nach langem Suchen wurde ein Haus gefunden, das 1959 – im Jahr der Morde – verlassen wurde – und das für den Film gestrichen und renoviert wurde. Beim Farbdesign war klar, dass es im ganzen Film keine Rot und Blautöne geben sollte. Beim Drehen verlief alles perfekt, selbst das Wetter spielte mit. Es sollte kein Schnee im Film vorkommen. Nachdem der Regisseur beim Aussendreh zum letzten Mal „Cut“ gerufen hatte, fielen die ersten großen Schneeflocken vom Himmel...
Regisseur Bennett Miller weiß: „Ein Film ist wie ein Schiff. Es geht darum, die Ladung ans andere Ufer zu befördern.“ Das ist ihm gelungen und auch er selbst ist zufrieden mit dem Resultat: CAPOTE ist ein wirklich guter Film geworden.
Mehr Details, Hintergrundinformationen und Anekdoten zum Film sind aus den beiden Audiokommentaren zu erfahren. Einmal hat Regisseur Bennett Miller sich den Film gemeinsam mit seinem Hauptdarsteller Philip Seymour Hoffman angesehen, ein zweites Mal mit seinem Kameramann Adam Kimmel. Beide Versionen sind sehr empfehlenswert, sie legen den Schwerpunkt jeweils anders. Praktischerweise sind beide mit deutschen Untertiteln abspielbar.
Nana A.T. Rebhan

Capote & In Cold BloodUSA 2005, 113 Min.
Ein Film von Bennett Miller
Mit Philip Seymour Hoffman, Catherine Keener, Chris Cooper, Clifton Collins Jr.
Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Niederländisch, Hindi, Türkisch, Arabisch, Italienisch, Portugiesisch
- Bonusmaterial
-Kommentar Regisseur Bennett Miller & Kameramann Adam Kimme
-Dokumentation "Erhörte Gebete“
-Making of Capote - Vom Konzept zum Drehbuch
-Making of Capote - Die Inszenierung
-Trailer






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