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08/02/05

Carlsen Verlag

Begegnung mit Heike Drescher (Redaktion), Kai-Steffen Schwarz (Vertrieb) und Ralf Keiser (Redaktion) vom Carlsen Verlag.

Mang'Arte: Wann wurde der CARLSEN Verlag gegründet und wie kam es dazu?

Der deutsche CARLSEN Verlag wurde 1953 als Tochtergesellschaft des dänischen Unternehmens gegründet. Anlass war der Erfolg der Abenteuer von PETZI und seinen Freunden, die regelmäßig als Strips in deutschen Tageszeitungen veröffentlicht worden waren. PETZI-Bücher sind bisher in einer Gesamtauflage von über 12 Mio. Exemplaren erschienen.
1954 folgten die ersten Pixi-Bücher, die im Format 10 x 10 cm erschienen und nach dem englischen Wort »pixy« - Wichtelmännchen - benannt wurden. (Mehr als 1.000 Titel erreichten bis heute eine Gesamtauflage von etwa 230 Mio. Exemplaren.)
CARLSEN entwickelte sich zu einem der wichtigsten Comic-Verlage in Deutschland. 1967 startete CARLSEN mit seinem ersten Comic-Album aus der Reihe »Tim und Struppi«. Hinzu kamen später die belgischen Serien »Spirou und Fantasio« und »Gaston«, die auch im deutschsprachigen Raum Kultstatus erlangten.


Mang'Arte: Carlsen hat vor rund 10 Jahren den ersten ins Deutsche übersetzte Manga »Akira« auf den Markt gebracht. Aus welchem Grund haben sie sich entschieden, Manga in ihr Verlagsprogramm aufzunehmen und wie wurde der erste deutsche Manga damals vom Publikum angenommen?

»Akira« erschien bereits vor mehr als 10 Jahren, nämlich 1991. Damals verfolgte der Verlag mit der Veröffentlichung jedoch keine wirkliche Strategie – man entschloss sich nicht bewusst, nun Manga zu veröffentlichen oder ein solches Segment aufzubauen. Vielmehr hatte Carlsen in den 80ern und 90ern eine große Nähe zum US-amerikanischen Markt, und so wurden viele Lizenzen aus den USA in Deutschland verlegt. Zudem hatte »Akira« damals auch in Deutschland bereits einen gewissen Bekanntheitsgrad, weil die Serie in auch in Frankreich gestartet ist und der »Akira«-Kinofilm in Deutschland herauskam - was dann auch für eine Veröffentlichung des Manga sprach.
Der amerikanische Verlag Marvel / Epic hatte »Akira« zuerst veröffentlicht – und wir taten es ihnen gleich. Carlsen übernahm auch formal die US-amerikanische Ausgabe, das heißt, die Serie wurde im für US-Comics typischen Großformat, koloriert und in westlicher Leserichtung herausgebracht.


Die »Akira«-Reihe entwickelte sich daraufhin rasch zu einem Bestseller für Carlsen, doch beinahe alle nachfolgenden japanischen Comics in deutscher Übersetzung verkauften sich nur mäßig. Dies hing unter anderem damit zusammen, dass man anfangs versuchte, die Eigentümlichkeiten japanischer Manga – schwarzweiße Zeichnungen und japanische Leserichtung – zu negieren und sie in eine europäische Form zu übertragen. Die Comicseiten wurden gespiegelt und in Einzelfällen sogar koloriert, so dass sie wie europäische oder amerikanische Comics anmuteten. Man glaubte damals noch nicht daran, dass japanische Manga in Deutschland allein aufgrund ihrer Inhalte, der besonderen Grafik und der damit verbundenen rasanten Lesegeschwindigkeit Erfolg haben könnten. Auch der sehr günstige Preis, zu dem Manga in Japan dem Publikum angeboten werden, konnte hierzulande nicht durchgesetzt werden. Die herstellerische Nachbearbeitung der Serie verursachte hohe Kosten und führte nicht zuletzt dazu, dass die meist mehrbändigen Serien zu einem hohen Preis auf den Markt gebracht wurden. Das ungünstige Preis-Leistungs-Verhältnis (relativ kurzes »Lesevergnügen« bei verhältnismäßig hohem Preis) war somit die eigentliche Ursache für den anfänglichen Misserfolg von Manga bei Carlsen Comics.

Mang'Arte: 1997 hat ihr Verlag mit Dragon Ball von Akira Toriyama das Taschenbuchformat für Manga in Deutschland eingeführt und damit den Damm für eine breite Leserschaft gebrochen. Geplant waren 7 Bücher. Heute gibt es 42 Bände dieser Serie. Man spricht vom Beginn des Manga-Booms...

Nachdem man erkannt hatte, dass nicht viele Leser bereit waren, mehrere 100 DM für eine Serie auszugeben, ging man dazu über, die Manga so oiriginalgetreu wie möglich zu publizieren, also sowohl ihre schwarzweiße Optik als auch die umgekehrte Leserichtung beizubehalten, wodurch auch ein günstigerer Preis möglich wurde. Durch Manga wurde somit auch in der Comic-Welt das Format des Taschenbuchs salonfähig, das vorher nur von Disneys »Lustiges Taschenbuch« bekannt war.
Es hat aber dennoch seine Zeit gedauert, bis die Serie »Dragon Ball« den Erfolg hatte, der heute fast schon legendär ist. Unterstützend hat hier auf jeden Fall das Fernsehen und das DBZ-Magazin, das ab April 2000 nicht nur im Buchhandel, sondern auch am Kiosk erschien, gewirkt. Mit der Ausstrahlung auf RTLII ab Sommer 2001 gingen die Verkaufszahlen von »Dragon Ball« dann schlagartig in die Höhe. Heute können wir auf mehr als 6 Millionen verkaufte Exemplare Dragon Ball verweisen und mit Recht von einem echten Klassiker sprechen.
Als Vorläufer zu »Dragon Ball« kann das »Sailor Moon«-Magazin des Ehapa Verlags gelten, mit dem japanische Comics in Deutschland erstmalig ein großes Publikum fanden. Ehapa ritt mit dem Verkauf des Magazins auf der Erfolgswelle der gleichnamigen Zeichentrickserie. Allerdings sprach Sailor Moon vor allem ein Mädchenpublikum an.
Mit den Erfolgsgeschichten von »Sailor Moon« und »Dragon Ball« hielt die Manga-Welle schließlich auch in Deutschland Einzug und erzeugte eine immense Nachfrage nach den Comics auch Fernost.

Mang'Arte: Sie haben Akira Toriyama in diesem Jahr auf die Leipziger Buchmesse eingeladen. Das war sicher ein großer Erfolg?

Natürlich! Der Besuch von Akira Toriyama war sowohl für uns als auch für die Messe Leipzig und natürlich für die Fans ein Highlight in der deutschen Manga-Geschichte.
Toriyamas Besuch in Leipzig hat uns gezeigt, wie groß das Thema Manga in Deutschland geworden ist. Es war für uns eine große Ehre, den Künstler zu Gast zu haben, zumal er selbst in Japan kaum Auftritte in der Öffentlichkeit hat. Doch der große Erfolg der Serie hierzulande und große Hartnäckigkeit unsererseits über einige Jahre hinweg haben diesen Besuch schließlich ermöglicht.

Mang'Arte: Worauf lässt sich ihrer Meinung nach der Erfolg der Mangas zurückführen?

Man kann den Erfolg von Manga sicher nicht auf diesen oder jenen Grund zurückführen. Phänomene wie dieses sind oft nur bis zu einem gewissen Bruchteil rational erklärbar. Doch einige Faktoren trugen zweifelsohne zum Erfolg der Manga in Deutschland bei: Zum einen ist die Popularität von Manga darauf zurückzuführen, dass sie den veränderten Sehgewohnheiten der jungen Generation durch ihren dynamischen, filmischen Erzählstil mehr entsprechen als die meisten europäischen Comics. Die wenig aufwändig gestalteten Zeichnungen der japanischen Künstler sprechen die jungen, begeisterungsfähigen Leser eher an, als es bei detaillierten und kolorierten Zeichnungen, wie sie oft im europäischen Comic vorzufinden sind, der Fall ist. Auch der Einfluss japanischer Animes spielt eine wesentliche Rolle, denn viele Manga-Leser sind über diese Zeichentrickfilme zum Buch gekommen. Hieran zeigt sich auch die Besonderheit von Manga im Gegensatz zu europäischen Comics: Die professionelle Vernetzung verschiedener Medien – von TV über PC-Spiele, Merchandise bis hin zum Buch. Darüber hinaus können Manga (durch ihre »verkehrte« Leserichtung und vielfach auftauchende japanische Begriffe) auch als Distinktionsmedium verstanden werden, mittels dessen sich Jugendliche von Eltern und Gleichaltrigen abgrenzen können.
Doch nicht nur Formalitäten, sondern auch Inhalte haben zum Manga-Boom beigetragen:
Nicht zuletzt bilden Manga einen festen Bestandteil der asiatischen Kultur, an der das Interesse hierzulande immer weiter zunimmt. Nicht zu vergessen auch der Sicherlich spielt auch das Preis-Leistungsverhältnis eine entscheidende Rolle. THEMEN: Bisher kannte man Superhelden, Funnies – nun gibt es ganz andere, neue Themenspektren.

Mang'Arte: Akira sowie Dragon Ball wurden von Junko Iwamoto-Seebeck und Jürgen Seebeck ins Deutsche übersetzt. Wie arbeiten Sie mit den deutschen Übersetzern zusammen?

Anfang der 90er Jahre war es recht schwierig, Übersetzer aus dem Japanischen zu finden (der Boom des Japanologie-Studiums hatte noch nicht eingesetzt). Mittlerweile gibt es sehr viele talentierte Übersetzerinnen und Übersetzer, auf die wir zurückgreifen können. De facto bewerben sich heute mehr Personen als wir beschäftigen könnten. Die Übersetzer und Redakteure erarbeiten anfangs gemeinsam den sprachlichen Stil, der zur Serie und zum Zielpublikum passt. Dann kann die Übersetzung beginnen und gegebenenfalls vom Redakteur noch korrigiert werden, wenn nötig. Besonders die Anpassung an anders geformte Sprechblasen ist mitunter knifflig. Da die Japaner meist von oben nach unten schreiben, sind die Sprechblasen entsprechend schmal und länglich, während die im Deutschen eher breit als hoch sind. An schwierigen Stellen müssen Übersetzer oder Redakteur bisweilen lange sitzen, um den passenden Text zu finden.
Wenn wir länger mit Übersetzern zusammenarbeiten, bekommt man ein gutes Gefühl dafür, welche Serie zu welchem Übersetzer passt, wer den »richtigen« Stil für eine bestimmte Serie beherrscht. Da viele von den Übersetzern selbst Manga-Leser sind, geben sie uns auch immer wieder Impulse für das Programm, wenn sie neue Serien entdecken. Das sind wertvolle Einschätzungen, da wir nur derzeit nur eine Redakteurin haben, die etwas japanisch spricht. Aber wir arbeiten daran, dass es mehr werden!

Mang'Arte: Wie kommt der Kontakt mit den japanischen Lizenzpartnern zustande und wie werden die jeweiligen Lizenzen verhandelt?

Heute besteht natürlich bereits Kontakt zu vielen japanischen Verlagen. Zustande kommt dieser Kontakt in der Regel über Agenturen, was allein schon sprachliche Gründe hat. Unverzichtbar ist aber dennoch der persönliche Kontakt, der auf Messen oder Besuchen in Japan hergestellt und aufrecht erhalten wird.
Verhandelt wird natürlich beinhart. Wenn man mit japanischen Verlagen verhandelt, kann man sich eines nicht leisten: unvorbereitet zu sein! Unsere japanischen Partner haben in der Regel sehr genaue Vorstellungen über ihre Serien und deren Vermarktung. Deshalb müssen unsere Konzepte ebenso klar und detailliert sein, wenn wir überzeugen wollen. Das ist zwar manchmal etwas anstrengend, aber es bringt einen dazu, genau über sein Produkt nachzudenken.

Mang'Arte: Manga waren in den letzten Jahren das wachstumsstärkste Segment des deutschen Buchhandels. Wie schätzen Sie die Situation ein? Wird sich der Markt weiterentwickeln?

Die Wachstumssprünge im deutschen Manga-Markt werden in den nächsten Jahren sicher nicht mehr so rasant sein wie in den letzten Jahren, ganz einfach weil inzwischen jeden Monat rund 60 Neuheiten veröffentlicht werden und nicht mehr nur drei bis vier wie noch vor einigen Jahren. Quantitativ gibt es nach wie vor Umsatzzuwächse. Wenn sich die Verlage geschickt anstellen, wird dies auch so bleiben – wenn immer wieder neue Genres und Zielgruppen hinzukommen. Das Wichtigste dabei ist, dass auch der Buchhandel – der heute in Deutschland längst Manga-Absatzkanal Nr. 1 ist – inhaltlich und platztechnisch am Ball bleibt und sich weiter öffnet, sprich: auch begreift, dass die Kunden von heute auch die Leser von morgen bleiben, wenn Warengruppe und Zielgruppen genauso ernst genommen und gepflegt werden wie der Buchhandel dies auch bei anderen Segmenten umsetzt. Knapp gesagt: Wenn weiter neue Leser hinzukommen wie bisher, wird es für den cleveren Buchhandel schon bald nicht mehr damit getan sein, einfach die existenten Regalmeter weiter zu bespielen, dann ist Erweiterung und Professionalisierung angesagt – oder die jungen Leser werden die Buchhandlung als Manga-Gesamt-Verkaufsstelle nicht mehr ernst nehmen und eben woanders einkaufen. Der Buchhandel hat das also jeweils lokal selbst in der Hand, ob er die vielen jungen Leser als seine Kunden behalten möchte. Parallel sehen wir eine immer enger werdende Vernetzung zwischen den Firmen, die an der Manga-Maschine hängen: Außer Verlagen sind dies TV-Sender, Spielehersteller, Merchandiseproduzenten, Lizenzagenturen etc. Dies geschieht nach dem japanischen Vorbild und wird auf Dauer zu einem stabilen Markt führen, in dem immer neue Serien und Character um die Gunst der Leser, Spieler, Zuschauer kämpfen. Das Ziel dabei bleibt für Carlsen Comics nach wie vor, bestmögliche Unterhaltung für ein junges Zielpublikum zu machen.
Außerdem streben immer mehr »Einheimische« eine Karriere als Comiczeichner/in an. Die Möglichkeiten sind noch bescheiden, wachsen aber rasant. Diese jungen Talente – das sehen wir heute schon – werden den japanischen Einfluss mit ihren europäischen Seh- und Erzählgewohnheiten kombinieren und ein völlig neues Genre schaffen, das so heute noch nicht existiert. Das ist der spannendste Teil dieser Entwicklung.

Mang'Arte: Der Großteil des Mangamarktes war in Deutschland bisher unter drei Verlagen (Carlsen, ema, panini) aufgeteilt. Seite April gibt es nun eine deutsche Niederlassung von Tokyopop (die von Dr. Joachim Kaps, ihrem ehemaligen Verlagsleiter, geführt wird). Wie gut oder schlecht ist ein weiterer Manga-Verlag für den Markt?

Generell gut. Es zeigt dem Buchhandel ebenso wie anderen Partnern, dass hier in Deutschland viele Leute an den langfristigen Erfolg von Manga und Comic glauben und dafür arbeiten. Das ist ein sehr wichtiges Signal. Wenn wir in die USA blicken, sehen wir dort denselben Trend mit einem kleinen zeitlichen Vorsprung. Sicherlich werden über Kurz oder Lang weitere Verlage diesem Trend folgen.
Ein neuer Akteur am Markt bedeutet auch immer neue Akzente, neue Strategien und Sichtweisen, die dem Medium Manga zugute kommen. Das begrüßen wir natürlich.

Mang'Arte: Seit einigen Jahren publizieren Sie die Manga-Magazine „Banzai!“ und „Daisuki“, Magazine nach japanischem Vorbild. Ein Erfolgskonzept, das von mehreren Ländern übernommen wurde. Können Sie uns mehr darüber berichten?

Das Konzept unserer Magazine wurde tatsächlich nach japanischem Vorbild entwickelt, doch nicht vollständig übernommen. Statt 600 Seiten umfassen »BANZAI!« und »DAISUKI« »nur« 250, und sie erscheinen auch nicht einmal pro Woche sondern monatlich. Doch handelt es sich um Anthologien mit mehreren Fortsetzungsgeschichten, abgerundet mit redaktioneller Begleitung der einzelnen Manga, und das Ganze in original japanischer Leserichtung (von vorne nach hinten und von rechts nach links). Der redaktionelle Inhalt orientiert sich natürlich an den Wünschen der deutschen bzw. europäischen Leser, doch versuchen wir auch, ihnen typisch japanische Themen nahe zu bringen.
Nachdem »BANZAI!« als erstes Magazin seiner Art außerhalb Japans erfolgreich startete und sich auch behaupten konnte, hat der Lizenzgeber der »BANZAI!«-Serien, der japanische Verlag SHUEISHA Inc., die Entwicklung ähnlicher Projekte mit dem selben Erfolgsrezept voranzutreiben. Bereits ein Jahr nach dem Launch von »BANZAI!«, als Carlsen Comics mit »DAISUKI« das Pendant für Mädchen auf den Markt brachte, kündigte VIZ Communications in den USA ihr Magazin »US Shonen Jump« an. Mittlerweile gibt es mehrere europäische Länder (Skandinavien, Belgien), die daran arbeiten, Manga-Magazine dieser Art herauszubringen.

Mang'Arte: Verfolgen Sie eine eigene Vermarktungsstrategie für ihre Manga? Gibt es eine bestimmte Zielgruppe unter den Manga-Fans, die Sie ansprechen möchten?

Unsere Kernzielgruppe sind Mädchen und Jungs zwischen 9 und 16 Jahren. Wir wollen beide Geschlechter ansprechen, denn die Mädchen sind in der Regel die treueren Fans, während die Jungs stärker auf Hypes wie Dragon Ball oder Yu-Gi-Oh! ansprechen. Generell denken wir darüber nach, unsere Leserschaft auch nach oben hin zu erweitern, um die Leserinnen und Leser nicht eines Tages zu verlieren, wenn sie älter werden. Wir bieten zwar noch keine Rundumversorgung mit Themen von der Wiege bis zur Bahre, aber grundsätzlich hält der japanische Markt für Leser jeden Alters eine Vielzahl von Serien und Themen bereit. Bei der Vermarktung ist eines ganz wichtig: Im Gegensatz zu vielen Kinder- und Jugendbuchverlagen haben wir Leserinnen und Leser, die ihre Manga selbst kaufen, anstatt sie von Eltern, Verwandten oder Freunden geschenkt zu bekommen. Das müssen wir natürlich in unserer Ansprache der Leser immer bedenken.
Zusätzlich sind wir über Internetforen und Messen sehr nahe an unserer Zielgruppe, viel näher als andere Produzenten für Jugendprodukte. Dadurch haben wir die Möglichkeit, alte und neue Serien im Herzen der Zielgruppe zu platzieren, von wo aus sie dann immer weitere Kreise ziehen. Das bedeutet natürlich auch, dass wir unter scharfer Beobachtung stehen und uns mitunter auch harte Kritik anhören müssen. Aber die nehmen wir gerne an, wenn sie überzeugt.

Mang'Arte: Welche Ziele haben Sie für die nächsten Jahre?

Generell möchten wir natürlich im Manga-Markt weiter die Nummer 1 bleiben – nicht nur hinsichtlich der Umsätze, sondern auch in inhaltlicher und qualitativer Hinsicht.
Ein wichtiger Schritt darin ist die endgültige Eroberung des Massenmarktes und die weitere Vertiefung der Zusammenarbeit mit anderen Medienpartnern. Carlsen Comics selbst wird sicher einen nicht unbedeutenden Teil seiner Ressourcen zum weiteren Aufbau eigener Zeichnerinnen und Zeichner verwenden. Diese Talente zu finden und zu fördern ist für uns sehr wichtig, um als Verlag noch unabhängiger zu werden. Dabei werden wir uns künftig nicht nur auf gute Zeichner stützen, sondern ebenso sehr auf gute Erzähler. Ein Aspekt, der manchmal zu Unrecht unter den Tisch fällt, wenn es um Manga und Comic geht. Dabei sind gute Geschichten und gute Character die Basis für den Erfolg einer Serie.
Außerdem möchten wir in den nächsten Jahren gerne mehr von der inhaltlichen Vielfalt der Manga zeigen und unsere »angestammten« Gebiete um andere erweitern. Ein Schritt ist da zum Beispiel die Veröffentlichung des Manga »Barfuß durch Hiroshima«, einer vierbändigen Autobiographie eines Überlebenden des Atombombenabwurfs.

Das Interview wurde von Julia Neugebauer geführt. Juni 2004.

Erstellt: 14-06-04
Letzte Änderung: 08-02-05